Was wurde aus der Westernstadt?. WÖLLERSDORF-STEINABRÜCKL / „No Name City“ wurde zum Millionengrab. Gebäude in der Cowboystadt verfallen.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 17. März 2014 (23:59)
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Von Mathias Schranz

Es ist ein Eldorado für jene, die für Zeit nichts übrig haben: Der Wind pfeift durch die kniehohe Heide hinein bis zum Saloon, am künstlich angelegten See drehen Enten ihre Runden. Es ist still in der „No Name City“, nur dann und wann knarrt das Holz vom Bootshaus. Und man spürt: Der Goldrausch ist hier längst vorbei.

Genau vor 13 Jahren, im März 2001, wurde der Funpark für alle Westernfans eröffnet. Laut dem damaligen Projektleiter Andreas Bruneder wurden 100 Millionen Schilling in das 150.000 Quadratmeter große Areal investiert, das Land Niederösterreich sprang mit einer Ausfallshaftung von 10 Millionen Schilling ein. Die Westernstadt sei ein wichtiges Angebot für den niederösterreichischen Tourismus, meinte ÖVP-Landesrat Ernest Gabmann bei der Eröffnung. Und im ersten Jahr war es das auch: Die Colts rauchten, die Kassen klingelten – 204.000 Besucher kamen in die „No Name City“.

Ende 2003 Schuldenstand von vier Millionen Euro

Hinter den Kulissen war aber nicht alles eitel Wonne: Fehlende Betriebsanlagen-Genehmigungen, nicht verpachtete Shops und Restaurants, dazu weniger Besucher. Auch die zwischenzeitliche Umbenennung in „Pullman City“ und neue Betreiber konnten an der Talfahrt nichts ändern. Ende 2003 hatte sich ein Schuldenstand von vier Millionen Euro angehäuft, die Westernstadt musste Konkurs anmelden. 2004 wurde die Westernstadt vom Geschäftsmann Bernhard Negedly (Geschäftsführer der „Indian Dreams“ Stores) gekauft.



Das Areal gehört ihm bis heute – für ein Gespräch war er nicht zu erreichen. Aber auch er konnte die Westernstadt nie wirklich in Gang bringen, nach dem Projekt „Soccer City“ anlässlich der Fußball-EM 2008 wurde sie geschlossen. Bei Wöllersdorfs Alt-Bürgermeister Helmut Grüner (SPÖ) kommt ein bisschen Wehmut auf, wenn er an die Anfänge zurückdenkt. Das Areal sei damals im Besitz der Bundesimmobiliengesellschaft gewesen. „Bombentrichter, viele haben dort ihren Müll abgeladen. Eine wilde Gschicht.“ Er habe damals gehört, dass eine Investorengruppe nach einem Areal suche, und habe alles Weitere in die Wege geleitet.


„Es ist schade darum, so wie es ist“

„In den ersten drei Jahren war es eine tolle Sache, viele Besucher, die Gemeinde hat an der Vergnügungssteuer gut verdient. Es war einzigartig in Österreich.“ Ausgegeben hätte die Gemeinde außer für die Kanal- und Wasseranschlussarbeiten nichts. Wöllersdorfs derzeitiger Bürgermeister Gustav Glöckler (ÖVP) weiß, dass sich auf dem Areal derzeit nichts tut, es sei unbewohnt. Da es in Privatbesitz sei, könne die Gemeinde nur wenig machen. Allerdings meint er auch: „Es ist schade darum, so wie es ist.“

Die Westernfans vermissen ihre „No Name City“. So schreibt ein ehemaliger Besucher in einem Internetforum: „War als Kind dort und hab‘ mich aufhängen lassen. Eine schöne Erinnerung.“