20 Jahre Euro: „Euro hat viele Vorteile gebracht“

Erstellt am 19. Januar 2022 | 04:30
Lesezeit: 4 Min
Die NÖN sprach mit Gastronomen und Bank-Direktoren über ihre Bilanz zum 20-jährigen Jubiläum des Euro-Bargelds.
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Frankfurter 25 Schilling, Käsekrainer 29 Schilling, Pommes Frites 15 Schilling, Sunkist 7 Schilling. Die Preisliste von 1995, in der Speis‘ und Trank in alter Währung aufgeschrieben waren, hat Wolfgang Wilczek auch 20 Jahre nach Einführung des neuen Bargelds mit einem Griff bei der Hand.

Der Betreiber der „Würstelboutique Wilczek“ am Hauptplatz hatte vor der Umstellung damals viel Respekt, wie er im Gespräch mit der NÖN erzählt: „Die Kunden konnten mit Schilling und Euro zahlen, wir mussten in Euro herausgeben. Wir standen mit zwei Rechnern vor zwei Registrierkassen, je mit Euro und Schilling und haben alles umrechnen müssen“, erinnert er sich zurück. Auch die Speisekarten mussten dementsprechend angepasst werden und so war lange Zeit sowohl der Schilling- als auch der Europreis auf der Tafel zu sehen.

Mit dem Euro kamen die Befürchtungen, dass alles teurer wird, was aus Wilczeks Sicht auch eingetroffen ist: „Wenn die Produkte, die ich kaufe, teurer werden, muss ich leider auch teurer werden.“ Ob er noch umrechnet? „Ab und zu, eher bei großen Summen wie beim Autokauf.“

Gut erinnern kann er sich auch an das Thema Trinkgeld, denn was in Schilling mit den Worten „Rund auf“ meistens ordentlich Trinkgeld war, war in Euro wieder eine andere Sache: „Die Leute hatten anfangs kein Gefühl. Entweder sie gaben nur einen Cent oder versehentlich zehn Euro Trinkgeld!“

Selbiges gab‘s auch bei Christian „Rizzo“ Spritzendorfer, denn „Trinkgeld geben war am Anfang sehr schwierig, weil der Unterschied von Schilling auf Euro dann doch extrem war“, erzählt der „Jedermann“-Chef. Allgemein ist Spritzendorfer der Meinung, dass sich das Geld weniger wert anfühlt: „Damals ist man mit 500 Schilling (Umgerechnet 36,34 Euro) ohne Probleme fortgegangen. Heute braucht man weit mehr.“

Trotzdem ist er aber froh, dass es eine gemeinsame Währung gibt: „Ich habe lieber einen Euro als tausend verschiedene Währungen“.

„Für die Kunden überwiegen Vorteile“

Für Christian Spitzer, Vorstandsdirektor der Wiener Neustädter Sparkasse, ist die Euro-Bilanz nach 20 Jahren „sicher positiv“, wie er zur NÖN sagt, „auch wenn es zu Beginn der Umstellung hohe Kosten gegeben hat. Insgesamt überwiegen natürlich auch für die Kunden die Vorteile: Bei Auslandsreisen erspart man sich das Geldwechseln, für die Kommerzkunden bringt die Harmonisierung der europäischen Finanzpolitik viele Vorteile, unter anderem im Exportgeschäft.“

„Keine Furcht vor einem Kursverlust“

Gerhard Gabriel, Direktor der Raiffeisenregionalbank Wiener Neustadt, kann sich an die Umstellungsphase noch gut erinnern: Er leitete den Übergang von Schilling zu Euro federführend für die Raika Burgenland. „Am Anfang wurde der Euro kritisch gesehen“, blickt Gabriel zurück, „im Nachhinein gesehen muss man sagen: Es hätte uns nichts Besseres passieren können und es wäre auch alternativlos.“ Der Euro habe „viele Vorteile gebracht“, so Gabriel: „Wir können uns jetzt ohne Geldwechseln in Europa bewegen, tun uns leicht mit Preisvergleichen und brauchen keine Kursverluste zu fürchten.“

Eine einzige Überraschung habe es bei der Umstellung gegeben: Die Geldmengen, die in den ersten Tagen in die Filialen gebracht wurden. „Wir hatten von heute auf morgen die zehnfache Geldmenge zu bewältigen, das war eine riesige Herausforderung in den ersten drei Jänner-Wochen.“

Gabriel selbst rechnet oft überschlagsmäßig um, „es beeinflusst aber nicht meine Entscheidung. Vor 20 Jahren haben wir auch weit weniger verdient, daher sind die Preissteigerungen nicht so gewaltig.“

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