20 Jahre SOG Theater: Jubiläum mit Konstantin Wecker. „Wenn diese persönlichen Geschichten eine Bühne kriegen, das macht halt etwas mit einem“, sagt Brigitte Tauchner, Leiterin des SOG Theaters Wiener Neustadt im Interview mit der NÖN über die besondere Macht des Theaters. „Theater berührt emotional“, so Tauchner, das SOG Theater tut das nun schon 26 Jahre lang.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 22. Juli 2019 (15:51)

Mit Kunst und Kultur die Welt zu bewegen und zu verändern – dieses Motto hat auch der bekannte Sänger Konstantin Wecker. Unter anderem deshalb feierte das SOG Theater sein Jubiläum vergangenes Wochende mit einem Konzert des Konstantin Wecker Trios im Stadttheater. Die Blues-Musiker Peter Samek und Gery Höller sorgten bereits vor Beginn für Stimmung im Innenhof des Stadttheaters. Ein genaues Datum gibt es zwar noch nicht, im Herbst wird das SOG Theater aber auch selbst spielen und sein inhaltliches Portfolio vorstellen. Als Verein besteht SOG heuer seit 20 Jahren.

Vom halben Schreibtisch zum Fixpunkt in Wiener Neustadt

„Es hat angefangen mit einem Schreibtisch, den wir uns mit einer anderen Organisation geteilt haben, heute haben wir zwei Teilzeitbeschäftigte und ein Büro in Wiener Neustadt und unser Portfolio wird immer größer“, zieht Brigitte Tauchner Bilanz. Bekannt ist das SOG Theater vor allem für seine innovativen Theaterkonzepte zu gesellschaftspolitischen Themen, bei denen das Publikum immer eine besondere Rolle spielt. Entweder hat es die Möglichkeit, eigene biografische Geschichten zu erzählen oder aktiv ins Geschehen einzugreifen und dargestellte Probleme zu verändern. Theaterformen wie Forumtheater, Playbacktheater und Generationentheater fördern vor allem eines: den Dialog – zwischen Älteren und Jüngeren, Frauen und Männern und Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft. Wichtig dabei ist die Einbettung in größere gesellschaftliche Zusammenhänge, wissenschaftliche Begleitung gibt es durch das Sozialministerium. „Im optimalen Fall kombinieren wir das Stück mit literarischen Texten, Fachinformation und lassen eigene Erfahrungen miteinfließen.

 

Gesellschaftspolitische Themen, die unter die Haut gehen

Gegründet hat SOG Tauchners Kollegin Margarete Meixner und zwar nachdem nach der damaligen Bosnienkrise ein Flüchtlingshaus in Pernitz von Rechtsradikalen angezündet wurde. Damals gab es einige Aktionen wie Vorträge, Meixner wollte etwas anderes zur gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung beitragen. So entstand das erste Stück „Wärst du doch zuhaus geblieben“. „Danach sind wird durch die Lande getingelt von Pfarrhöfen über Schulen und von Gemeinde zu Gemeinde und dann zum Verein geworden,“, erzählt Tauchner, die bei der Gründung dabei war. Die Abkürzung „SOG“ steht übrigens für „Schulen, Organisationen (und Betriebe) und Gemeinden“. 

Besondere Highlights aus den letzten Jahren? „Die Schuttträumerinnen“, lächelte Tauchner „Das war eine performative Stadtführung in Zusammenarbeit mit Eveline Klein und dem Stadtmuseum. Sie hat die wahren Geschichten erzählt und wir haben an den Orten gespielt, an denen sie passiert sind. Wenn du dann dort sitzt, dann verstehst du zum Beispiel deine Oma, die im Bunker saß mit ihrem Baby.“

Vom Psychotherapeuten über Musiker, Theaterpädagogen bis hin zum Sozialwissenschaftler steht jeder auf der Bühne. Die Themen und auch das Zielpublikum sind ähnlich divers.  „In 26 Jahren kommt viel zusammen“, so Tauchner. „Vom Kindergarten bis zum Pflegeheim arbeiten wir überall.“ Die Themen erstrecken sich von Gewaltprävention, Gesundheit und Pflege über Konfliktmanagment, Antirassismus-Arbeit und Politische Bildung. Obwohl sie in ganz Österreich unterwegs sind und Tagungsbegleitungen, Weiterbildungen, Seminare, Clownerie und Theaterpädagogik anbieten, fühlt sich das Team von SOG Theater Niederösterreich und der Region sehr verbunden. „Kulturarbeit in der Region zu machen in der man lebt treibt mich an“, so die SOG Theater Leiterin.