Erstellt am 28. Dezember 2016, 06:00

von Josef Kleinrath, Anna Hlawatsch und Mathias Schranz

Knobloch und Tegetthoff über den Anschlag in Berlin. Michael Knobloch arbeitet direkt bei der Gedächtniskirche, „fabelhaft!“-Veranstalterin Tessa Tegetthoff über Anschlag: „Ziel verfehlt!“

Zum Zeitpunkt des Anschlags in Berlin: Michael Knobloch.  |  privat

Die Nachricht vom Terror-Anschlag in Berlin ging um die Welt. Mittendrin war auch Michael Knobloch aus Bad Fischau-Brunn, der derzeit in Berlin wohnt. Der Musiker arbeitet bis zum Start der nächsten Produktion in einem G-Star Store neben der Gedächtniskirche, wo der Anschlag passierte.

„Ich war zum Zeitpunkt des Anschlags bei einer Freundin zuhause, als meine Geschwister mich mehrmals angerufen und mir geschrieben haben“, erzählt Knobloch (übrigens Sohn des Fischauer Bürgermeisters Reinhard Knobloch) der NÖN, „ich hatte zum Glück meinen freien Tag, daher war ich zum Zeitpunkt nicht dort“ Am Tag danach sei die Stimmung im Laden gedrückt gewesen, „auch die Kunden sind ausgeblieben.“ Von der Polizeipräsenz hätte man viel bemerkt, „viele trauernde Leute, Kerzen, Kränze und eine Gruppe Leute mit ‚Muslime für Frieden‘-Shirts“. Auch den Mitarbeiten „seines“ Stores sei psychologische Hilfe angeboten worden, „aber wir haben ja nichts direkt mitbekommen, da es um Ladenschluss herum passiert ist“.

Tessa Tegetthoff wohnt in Berlin: „Eine Stadt, die sich nicht unterkriegen lässt.“  |  Baldauf

Er selbst ging übrigens nicht mehr auf Weihnachtsmärkte, „aber deshalb, weil ich auf einigen gespielt habe und mein Pensum erreicht habe“, nimmt er die Sache mit Humor.

„Berliner lassen sich nicht einschüchtern“

In Berlin wohnt auch Tessa Tegetthoff, die in Wiener Neustadt und der Buckligen Welt seit Jahren das Erzählkunst-Festival „Fabelhaft“ mitveranstaltet. „Vom Anschlag haben wir durch Anrufe und Nachrichten besorgter Freunde aus aller Welt erfahren. Wir waren in einem Restaurant und waren auf unser Wiener Schnitzel konzentriert. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, was genau passiert war und wir machten uns – wie so viele – rasch auf den Heimweg, um das Geschehen von zu Hause vor dem TV zu verfolgen“, hat sie den Tag des Anschlags in Erinnerung.

Für sie ist es schrecklich, dass Berlin Ziel eines Terroranschlags geworden ist. „Alle Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Aber dass nun, wie viele Medien schreiben, der Terror in Berlin angekommen sei, spiegelt nicht mein und das Empfinden der Berliner wider. Berlin ist eine Stadt der Lebensfreude, eine Stadt, die sich nicht unterkriegen lässt.“ Eine Konversation mit einem Taxifahrer drei Tage danach sei ihr besonders in Erinnerung geblieben: Auf die Frage, ob denn er eine veränderte Stimmung in der Stadt wahrgenommen hätte, antwortete er: „Die erste Nacht nach dem Anschlag ist etwas ruhiger gewesen, doch das könnte auch sein, weil es ein Dienstag war. Die Berliner vergessen nicht, aber sie lassen sich nicht einschüchtern. Insofern hat der Terrorist sein Ziel klar verfehlt.“

Vor Ort war auch die ehemalige Borgschülerin Aniela Vukovic, die in Berlin lebt. Sie beschreibt die derzeitige Stimmung: „Die Lage ist eigentlich normal: Die U-Bahnen sind voll, die Lokale wie sonst auch.“ Den Anschlag hätte sie erst durch Wiener mitbekommen, die sich nach ihrem Befinden erkundigten. „Ein bisschen ein mulmiges Gefühl hab ich schon ab und zu, aber verrückt machen kann man sich dann davon eh nicht lassen, sonst geht man nicht mehr aus dem Haus“, erklärt sie.