Bloody Crown: Zweite Saison mit Büchner und McEwan. Von Mitte September bis Mitte Oktober zeigt die wortwiege in den Kasematten "Dantons Tod" von Georg Büchner und die Uraufführung von Ian McEwans "Nussschale".

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 09. Juni 2021 (11:23)
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Bloody Crown
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Auch in der zweiten Saison des Theaterfestivals "Bloody Crown" dreht es sich wieder um Macht, ihre Facetten und Folgen: Unter der Leitung von Anna Maria Krassnigg zeigt die wortwiege-compagnie von 15. September bis 17. Oktober als historisches Stück eine Neufassung von Georg Büchners "Dantons Tod", sowie "Nussschale" nach dem gleichnamigen Roman des britischen Bestsellerautors Ian McEwan, der 2016 erschien.

Büchners Klassiker handelt von den Hintergründen der Französischen Revolution aus weiblicher Sicht. "Dantons Tod" feiert am 17. September Premiere.

Nussschale (Premiere am 15. September) ist, wie Dramaturg Karl Baratta sagt, "die kühnste Fortschreibung von Shakespeares Hamlet". Autor Ian McEwan lässt den Protagonisten im Bauch der Mutter alles wahrnehmen, "der Roman ist ein einziger Monolog dieses Neo-Hamlets", so Baratta. Um das Stück auf die Bühne zu bringen, arbeiten Krassnigg und ihr Team erneut im Genre der "Kinobühnenschau", einer Verwebung von Film und Bühne

Hochkarätige Gäste

Im Salon Royal sprechen bei fünf Sonntags-Matineen hochkarätige Gäste aus Kunst, Literatur und Wissenschaft über Fragen von Macht, deren Bedingungen, Verführungen, Verschiebungen, unterschiedliche Gesichter und Spiele in Gegenwart und Zukunft: die deutsch-georgische Autorin Nino Haratischwili, die Schweizer Autorin, Journalistin und Architektin Zora del Buono, die Philosophin Lisz Hirn, der Schriftsteller und Psychiater Paulus Hochgatterer, der Kulturphilosoph und Essayist Wolfgang Müller-Funk. Bestseller-Autor Ian McEwan "steuert seine Gedanken im Kontext bei", hieß es bei der Programmpräsentation am Mittwoch im Palais Niederösterreich in Wien.

"Das Programm ist auf die Kasematten zugeschnitten", sagte Anna Maria Krassnigg: "Dieser Ort verträgt nicht alles, aber er verträgt die Geschichten, die die Stadt auch geatmet hat. Es geht um Macht, Politik, Rise and Fall of Power."

Kultur-Hotspot Neustadt

"Vor drei Monaten waren wir der Corona-Hotspot Österreichs, jetzt wollen wir wieder zum Kultur-Hotspot werden", so Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP): "Wiener Neustadt und die Kasematten sind bereit, Bloody Crown ist das Sahnehäubchen auf einem Potpuorri von Veranstaltungen."

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Wolfgang Müller-Funk (Wissenschaftliche Leitung), Anna Maria Krassnigg (Künstlerische Leitung), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bürgermeister Klaus Schneeberger (beide ÖVP) und Dramaturg Karl Baratta
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"Das letzte Jahr war geprägt von Verzicht und Einschränkungen", meinte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP): "Der Kulturbereich war davon besonders betroffen. Trotzdem ist es uns gelungen, einige Leuchtturmprojekte auf den Weg zu bringen, und Wiener Neustadt mit dem Bloody Crown Theaterfestival ist dafür ein Paradebeispiel."

Festival wird ausgebaut

Bei der Präsentation des diesjährigen Programms wurde auch betont, dass das Theaterfestival "nachhaltig in Wiener Neustadt verankert" werden soll. Im kommenden Jahr soll im Frühjahr und im Herbst gespielt werden - auch, um die Umbauphase des Neustädter Stadttheaters zu kompensieren.