Intervallfasten: Essen mit Blick auf die Zeit. Fastenkuren helfen oft, das eigene Gewicht zu reduzieren. Unwissenheit kann aber zu schweren Folgen führen.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:35)
Angelika Beirer (2.v.l.) mit ihren Studentinnen Nina Egerer, Julia Bohrn und Nicole Fussenegger (v.l.).
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Weniger ist manchmal mehr: Morgen, am Aschermittwoch, beginnt wieder die Fastenzeit und während sich viele mit dem religiösen Fasten auf Ostern vorbereiten, gibt es einige Fastenkuren, die das ganze Jahr über beliebt sind. Die Gesundheitsversprechen sind groß. Wenn man aber seine Kalorienzufuhr drastisch reduziert, sollte man auf einige Dinge achten.

„Bevor man eine Fastenkur beginnt, sollte man sich von einem Arzt untersuchen lassen, ob der Körper überhaupt das Fasten aushält“, meint Lea Kanitschar, Diätologin im Gesundheitsresort Königsberg in Bad Schönau. Diabetiker beispielsweise sollten nicht ohne ärztliche Aufsicht fasten. „Wenn der Blutzucker zu stark sinkt, kann das sehr gefährlich werden“, sagt die Diätologin.

Intervallfasten im Trend

Besonders im Trend liegt das Intervallfasten. Acht Stunden essen, 16 Stunden fasten: Viele wollen mit dieser Methode Gewicht verlieren, das weiß auch Kanitschar: „Das Intervallfasten ist auch in meinen Beratungsstunden ein großes Thema, da diese Fastenkur leicht durchzuführen ist.“

Laut der Diätologin sollte man aber darauf achten, dass man im Acht-Stunden-Fenster nicht nur nach Herzenslust schlemmt. Man sollte die richtigen Nährstoffe zu sich nehmen und nach der Fastenkur nicht in alte Muster verfallen. „Dann kommt es nämlich zum bekannten Jojo-Effekt, weil man an seiner ursprünglichen Ernährungsweise nichts geändert hat“, so Kanitschar. Zu negativen Auswirkungen kann es auch kommen, wenn statt Fett nur Muskelmasse abgebaut wird. Das kann gerade bei älteren Menschen zu Problemen führen.

Martina Kreuter-Müller bietet derzeit Kurse zum Leberfasten nach Dr. Worm an. Bei dieser Art des Fastens soll mit einer kohlenhydratarmen, aber eiweißstarken Ernährung, der Abbau von Leberfett gefördert werden – was wiederrum zu einer Gewichtsreduktion beitragen kann. „Das Leberfasten kurbelt den Stoffwechsel an, baut Bauchfett ab, hält den Blutdruck und die Blutfettwerte niedrig und hilft bisherige Verhaftungen loszulösen“, erklärt Kreuter-Müller, die unter anderem bei Eggendorfs Gemeindeärztin Lydia Schuster sowie in der Gesundheits-Oase in Zillingdorf als Diätologin tätig ist. Von den bekannten Null-Diäten bzw. vom totalen Fasten rät Kreuter-Müller ab, da auch hier der Körper viel Muskelmasse verliert.

Nebenwirkungen sollten nicht ignoriert werden

Mögliche Probleme, die während des Fastens auftreten können, sollte man generell nicht ignorieren, erklärt Angelika Beirer, Diätologin im Lebens.Med Zentrum Bad Erlach und Dozentin an der FH St. Pölten: „Kopfschmerzen, erhöhtes Kälteempfinden, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit oder Mundgeruch können Nebenwirkungen des Fastens sein.“ Einen positiven Effekt hat das Fasten aber auf den Geschmackssinn. „Durch das Fasten werden die Geschmackssinne geschärft, man erlebt den Geschmack und Geruch von Lebensmitteln danach intensiver, was die Umsetzung einer dauerhaften Zucker- und Salzreduktion erleichtert“, sagt Beirer. Zudem kann das Reduzieren der Kalorienzufuhr entzündungshemmend wirken.

Da im Lebens.Med Zentrum Bad Erlach die Rehabilitation von Krebspatienten im Vordergrund steht, werden keine Fastenkuren angeboten – denn Kranke sollten nicht Fasten. „Gerade bei Krebspatienten ist Mangelernährung ein großes Thema, deshalb raten wir vom Fasten ab“, erklärt die Diätologin. Aber zum Beispiel auch psychisch Erkrankte, insulinpflichtige Diabetiker, Menschen mit Nieren- oder Herzinsuffizienz oder einer Leberfunktionsstörung sollten auf Fastenkuren verzichten. „Sinnvoll ist Fasten vor allem dann, wenn es als Startschuss für eine dauerhafte gesündere Lebensführung gesehen wird“, sagt Beirer.

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