Interview mit neuem SPÖ-Chef: „Müssen alles umdrehen“. Der zukünftige SPÖ-Parteichef und Vizebürgermeister Rainer Spenger sprach mit der NÖN über seine Ziele mit der SPÖ und warum er mit der ÖVP zusammenarbeiten will.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 11. Februar 2020 (06:01)
Reiner Spenger im Wiener Neustädter Stadtpark: Er will sich für den Erhalt von Grünräumen einsetzen.
Franz Baldauf

NÖN: Rainer Spenger wird Vizebürgermeister und Parteivorsitzender der SPÖ Wiener Neustadt – wie ist es dazu gekommen?

Rainer Spenger: Ich bin Mitte der Vorwoche von der Parteivorsitzenden Margarete Sitz kontaktiert worden, ob ich es nicht machen will. Das kam sehr überraschend für mich, bis dahin war es kein Thema. Deswegen habe ich auch keinen aktiven Wahlkampf betrieben, was sich auch auf meine Vorzugsstimmen (sechs, Anmerkung) ausgewirkt hat. Ich habe mir dann Bedenkzeit erbeten und am Samstag zugesagt.

Waren Sie bei der entscheidenden Sitzung am Montag vergangener Woche nervös?

Spenger: Nein, überhaupt nicht. Ich kenne ja die handelnden Personen. Ich habe mich gefreut, dass ich es machen darf.

Was ist in den letzten Jahren bei der SPÖ Wiener Neustadt schiefgelaufen?

Spenger: Schuld am schlechten Wahlresultat sind nicht die letzten fünf Jahre, die Fehler wurden über einen längeren Zeitraum gemacht. Nach 2015 ist es der SPÖ nicht gelungen, ihre Rolle zu finden. Die SPÖ war immer stadttragend. Opposition zu machen ist nicht gelungen, auch nicht nach dem Wechsel von Horst Karas auf Margarete Sitz an der Spitze. Dazu kommt der Bundestrend. Das Wahlergebnis ist die Kombination aus vielen Punkten, an einem kann man es nicht festmachen.

Sie sagen, dass die Fehler, die gemacht wurden, mehr als fünf Jahre zurückliegen. Aber Sie waren in der Ära Dierdorf und Müller auch deren Vertrauter…

Spenger : Ich war Pressechef und Berater, hatte keine politische Funktion. Ich habe auch immer wieder auf Fehlentwicklungen aufmerksam gemacht – nicht immer sind meine Ratschläge angenommen worden. Wir haben einiges gut gemacht, einiges nicht so. Jetzt haben wir die Chance, es besser zu machen.

Wie geht es mit der SPÖ Wiener Neustadt weiter?

Spenger: Michael Rosecker wird der Leiter der Parteireform sein. Er kann sich sein Team aussuchen, er soll sich die besten Köpfe holen. Wir müssen alles von oben nach unten und unten nach oben drehen, über die Strukturen nachdenken. Das betrifft die Sektionen, Veranstaltungen, aber auch die Kommunikation. Wir müssen uns für Neues öffnen, junge Menschen anlocken, derzeit ist vieles verkrustet. Die Reform wird mit einer Konferenz im April oder Mai starten, der Prozess soll bis Ende des Jahres beendet sein.

Welchen Weg wird die SPÖ in der Stadtpolitik gehen?

Spenger: Ich strebe ein Arbeitsübereinkommen mit der ÖVP an. Zwar sind nicht alle SPÖ-Mitglieder dieser Meinung, aber ich habe in den Gremien gespürt, dass ein Großteil dafür ist. Die Neustädter SPÖ war immer gut, wenn sie aktiv gestalten konnte und nicht im Schmollwinkerl gestanden ist. Inhaltlich müssen wir schauen, wie wir uns positionieren. Ich bin aber dafür, Vorschläge zu machen und nicht nur zu kritisieren. Ich bin für einen pragmatischen Kurs mit klarer sozialdemokratischer Handschrift. Wichtig ist mir eine soziale Politik, die die Sorgen der Menschen im Blick hat. Wir wollen genau hinschauen und hinhören.

Gibt es persönliche Ziele für Sie in den nächsten Jahren bzw. Themen, die Ihnen am Herzen liegen?

Spenger: Es wäre vermessen, jetzt schon über persönliche Ziele zu sprechen. Was mir zu denken gibt, ist die mit 53 Prozent niedrige Wahlbeteiligung in der Stadt. Ich glaube, dass viele SPÖ-Wähler daheim geblieben sind, die müssen wir wieder zurückholen. Themen für die SPÖ gib es viele, am Herzen liegt mir der Erhalt und die Schaffung von Grünflächen und Freiräumen in der ganzen Stadt.

Wie ist ihr persönliches Verhältnis zu ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger?

Spenger: Ich kenne ihn schon lange, intensiv ist es geworden, als ich Vorstand vom 1. Wiener Neustädter SC geworden bin. Unser Verhältnis ist von Respekt und Vertrauen geprägt, obwohl es anfangs ein bisschen schwierig war, nachdem ich nach der Wahl 2015 meinen Job im Rathaus aufgeben musste. Was ich sagen kann: Ich werde immer gesprächsbereit sein, auch wenn wir uns duellieren werden. Wir haben bald unser erstes Vier-Augen-Gespräch, auch mit den Grünen und der FPÖ habe ich bereits Gespräche ausgemacht.

Apropos 1. Wiener Neustädter SC: Manche meinen, Sie wären als Vorstand des SC Wiener Neustadt auch von Stadt-Förderungen abhängig und somit politisch befangen…

Spenger: Die Förderungen für den SC sind schon lange vor meiner Zeit als Politiker ausgemacht worden. Wir werden uns aber auch nicht bemühen, das Sport-Ressort zu bekommen, obwohl es mich interessieren würde. Hier sehe ich eine Unvereinbarkeit.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Altbürgermeistern Traude Dierdorf und Bernhard Müller?

Spenger: Mit Traude Dierdorf habe ich derzeit keinen Kontakt, Bernhard Müller höre ich sehr selten, ab und zu trifft man sich. Ich kenne beide sehr gut, weiß, was ihre Schwerpunkte sind. Ich muss aber meinen Weg gehen – wenn sie einen guten Rat haben, nehme ich ihn aber gerne an.