Lockdown: Der Handel stöhnt. Zweiter Lockdown trifft das Weihnachtsgeschäft voll, Wr. Neustädter Unternehmer glauben nicht, dass das aufholbar ist. Stammkundenbetreuung läuft trotzdem.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 18. November 2020 (03:33)
Symbolbild
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Der zweite harte Lockdown trifft vor allem den Handel. „Es ist die schlechteste Zeit für uns, weil jetzt das Weihnachtsgeschäft voll angelaufen ist“, sagt etwa Gisela Zäuner vom Juwelier Herbatschek in der Innenstadt. Zwar sei man für Stammkunden erreichbar und führe auch dringende Reparaturen durch, das sei aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das verlorene Geschäft aufzuholen sei mehr als schwierig.

„Die Menschen haben Zeit, viele werden bei Amazon & Co bestellen“, fürchtet sie. Ähnlich sieht es Nicole Steinacher, Besitzerin des „Kleinen magischen Ladens“ in der Bahngasse: „Wir haben ja erst im Vorjahr aufgesperrt und noch nicht so viele Stammkunden, deswegen ist es schwierig. Vor allem, weil das Ostergeschäft auch schon ins Wasser gefallen ist.“ Immerhin würde jetzt eigentlich das Weihnachtsgeschäft laufen, „was uns auch ein Drittel des Jahresumsatzes beschert – es ist eine schwere Zeit, aber wir müssen da durch“, so die Unternehmerin. Zwar hat sie keine Website, ist dafür aber auf Facebook und Instagram vertreten. „Da berate ich die Eltern, die das auch zu schätzen wissen. Die Spielwaren werden dann per Post verschickt“.

Nicht so dramatisch schildert Max Huber von der Bücherei Hikade die Situation: „Die Erfahrungen vom ersten Lockdown sind gut, weil die Kunden draufgekommen sind, dass auch der Buchhandel per Post zusenden oder persönlich zustellen kann. Auch jetzt bekommen wir viele Anrufe und Mails. Wir haben dadurch sogar Kunden hinzubekommen.“ Allerdings gibt er zu bedenken: „Wir sind da sicher ein Spezialfall, weil wir ein treues Stammpublikum haben. Büchereien, die mehr auf Laufkundschaft angewiesen sind, haben es da sicher schwerer. Allerdings fällt auch bei uns zum Schulgeschäft das Nebengeschäft aus – viele haben neben dem Buch für die Schule auch gleich etwas anderes gekauft,“ so Max Huber.

Verhältnismäßig entspannt ist Tobias Trauner, der vor wenigen Monaten sein Friseurgeschäft aufsperrte. „Der Sommer war sensationell, die letzten Monate auch gut. Wir haben mit einem Auge auf einen möglichen zweiten Lockdown geschaut und waren deswegen sparsam unterwegs“. Auch für die nächsten Monate zeigt er sich optimistisch. „Wir haben zahlreiche Anmeldungen für die Zeit nach dem Lockdown.“ Dass der Handel stöhnt, kann er aber verstehen. „Viele unserer Kunden kommen nur zum Haareschneiden in die Innenstadt – es ist das einzige, was sie sich gönnen.“