Lokalaugenschein: Diskussion um Bettelverbot. Vorige Woche waren einige Bettler in der Stadt. Mit einem hat die NÖN – in gebrochenem Deutsch – reden können. Neukloster-Prior pflichtet Propst bei.

Von Josef Kleinrath. Erstellt am 30. November 2016 (04:54)
Baldauf
Pater Walter Ludwig vom Neukloster pflichtet Dompropst Karl Pichelbauer bei. Auch er ist gegen ein generelles Bettelverbot.

Für zahlreiche Reaktionen sorgte der NÖN-Bericht über die Kritik des Dompropstes am Bettelverbot – und zwar von Befürwortern, wie auch von Gegnern. Von kirchlicher Seite erhält Propst Pichelbauer Unterstützung.

Pater Walter Ludwig, Prior des Stiftes Neukloster, betont ebenfalls: „Betteln ist ein Menschenrecht.“ Man könne nicht bei jedem, der bettelt, von vornherein annehmen, er gehöre zur Mafia. Und er betont, dass das unangenehme aggressive Betteln ja jetzt schon verboten sei.

Kritik am Bettelverbot kommt auch von der SPÖ. Stadträtin und Klubobfrau Margarete Sitz erklärt, dass gerade in einigen Nachbarländern viele Menschen in unvorstellbarer Armut leben würden, es gebe wenig Arbeit und kaum Sozialleistungen.

"Handhabe gegen kriminelle Machenschaften"

Gegen ein Bettelverbot einzutreten, wie Propst Karl Pichelbauer das tue, sei keine Unterstützung der Bettel-Mafia, sondern diene nur dazu, Menschen, die hungern, das Betteln zu gestatten. Sitz geht in ihrer Kritik noch einen Schritt weiter: Wenn Sozialleistungen wie die Mindestsicherung weiter heruntergefahren werden, könne das dazu führen, dass es demnächst auch einheimische Bettler geben könnte.

Die FPÖ hatte den Vorstoß zum Bettelverbot damit erklärt, so „die Bettlerbanden aus unserer Stadt endgültig zu vertreiben“. Und erhielt dabei Unterstützung von ÖVP-Stadtchef Klaus Schneeberger, der im sektoralen Bettelverbot, das für 2017 geplant ist, ebenfalls eine „Handhabe gegen kriminelle Machenschaften“ sieht.

NÖN-Lokalaugenschein bei Bettler in der Stadt

Vorigen Freitag waren einige Bettler vor Ort. Mit einem Mann, 32 Jahre alt, konnte die NÖN reden. Er kniete in der Neunkirchner Straße, ein Kapperl in der Hand, vor sich ein Pappkarton mit der Aufschrift: „Ich habe Hunger.“ In gebrochenem Deutsch erzählte er, er sei Slowake, lebe aber in Ungarn. Er habe keine Arbeit, aber auch keine Ausbildung. Und er habe keine Papiere, um Arbeitsgenehmigungen zu erhalten. Regelmäßig komme er aus Ungarn in österreichische Städte. In der Slowakei würde er nur 120 Euro monatliche Hilfe vom Staat erhalten.

Während des Gesprächs gibt ihm ein Mann ein Käsestangerl, das der Bettler dankend annimmt und isst. Er komme immer mit einem Bus nach Österreich. Mit dem Geld könne er ein bisschen Essen für sich und seine Familie, er habe drei Kinder, kaufen. Geld abliefern, betont er, müsse er nicht. Von einer Bettelmafia will er nichts wissen. Allerdings gesteht er im NÖN-Gespräch auch ein, dass er in der Slowakei schon im Gefängnis gesessen sei – wegen eines kleinen Diebstahls, wie er sagt, sei er fünf Jahre eingesperrt worden.

Sehr knapp ging es auch bei der NÖN-Online-Umfrage zum Thema Bettelverbot in der Innenstadt her: Immerhin 1.149 Votings wurden abgegeben, 561 davon waren für ein Bettelverbot in der Innenstadt (48,8 %), 588 stimmten gegen ein Bettelverbot (51,2 %).