Nach Landbauer-Rücktritt: FPÖ sucht Nachfolger. Freiheitliche brauchen einen neuen Stadtrat und Parteichef.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 06. Februar 2018 (06:00)
Udo Landbauer trat vergangenen Donnerstag als FPÖ-Stadtrat und Bezirksparteichef zurück.
Baldauf

Die Spitze der Bundes-FPÖ hatte ihm das Vertrauen ausgesprochen und auch die Koalitionspartner in der bunten Stadtregierung, allen voran Bürgermeister Klaus Schneeberger und die Stadt-ÖVP, hatten sich im Gemeinderat demonstrativ hinter ihn gestellt.

Dennoch trat Udo Landbauer am Donnerstag – für viele überraschend – von allen politischen Funktionen zurück. Zu groß war offensichtlich der Druck geworden, nachdem in der Woche vor der Wahl aufgetaucht war, dass die Wiener Neustädter Burschenschaft „Germania“, bei der Landbauer bis zum Aufkommen der Affäre Vorstandsmitglied war, NS-verherrlichende Texte in ihrem Liederbuch abgedruckt hatte.

Er gehe „aus familiären Gründen“ und nehme damit vor allem die Familie aus der Schusslinie, sagte Landbauer in seinem Rücktrittsstatement. Seit Donnerstagmittag ist er für Interviews nicht mehr erreichbar.

Volkspartei machte Druck auf die FPÖ

Wie hinter den Kulissen zu hören ist, dürfte die Entscheidung nur bedingt bei Landbauer selbst gelegen sein: ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz soll FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache Landbauers Rücktritt mit Nachdruck nahegelegt haben.

Dasselbe soll ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die eine Zusammenarbeit mit Landbauer schon vor dem Wahlabend ausgeschlossen hatte, der Führung der niederösterreichischen Freiheitlichen zu verstehen gegeben haben. Für die Blauen hat mit Landbauers Rücktritt die Suche nach Nachfolgern begonnen – und zwar auf mehreren Ebenen.

Michael Schnedlitz hat die FPÖ interimistisch übernommen.
Baldauf

In die Landesregierung zieht statt dem abgetretenen Spitzenkandidaten Landbauer nun der bisherige Klubchef Gottfried Waldhäusl ein. In Wiener Neustadt muss Landbauer gleich mehrfach nachbesetzt werden: Er war nicht nur Stadtrat für Sicherheit, Sport, Jugend und Markt, sondern auch Stadt- und Bezirksparteichef der Freiheitlichen.

Der Stadtratsposten wird nun übrigens zum dritten Mal in ziemlich genau drei Jahren neu besetzt: Landbauer hatte erst 2016 den Posten von Markus Dock-Schnedlitz übernommen, dem Zwillingsbruder von Bürgermeister-Stellvertreter Michael Schnedlitz.

Dieser hat die FPÖ-Führung interimistisch übernommen und sagt im Gespräch mit der NÖN, man wolle „aufs Tempo drücken“ und schon in dieser Woche bekanntgeben, wer Landbauer in welcher Funktion nachfolgt.

In Bezug auf Gemeinde- und Stadtrat sei „alles offen“, sagt Schnedlitz: „Wir schauen uns die Liste von der letzten Gemeinderatswahl an, jeder kommt in Frage.“ Denkbar sei auch, die Ressorts – Schnedlitz selbst ist Stadtrat für Wohnen und Soziales – neu zu mischen. Wobei eines fix sei: „Im Bereich Wohnen habe ich so viele Projekte im Laufen, dass dieses Ressort sicher bei mir bleibt“, so Schnedlitz.