Nova Rock Encore: Festival-Stimmung wie in alten Zeiten. Sonnenschein, Menschenmassen und laute Musik? Was sich nach einer Erzählung wie aus längst vergangenen Tagen anhört, wurde am Samstagnachmittag beim Nova Rock Encore in Wiener Neustadt Wirklichkeit.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 11. September 2021 (19:15)
Måneskin-Sänger Damiano David bei seinem Auftritt in Wiener Neustadt.
Måneskin-Sänger Damiano David bei seinem Auftritt in Wiener Neustadt.
APA/EXPA/FLORIAN SCHROETTER

Das Rockfestival, eine Ersatz-Ausgabe zum im Juni abgesagten Haupttermin, lockte Tausende Fans ins örtliche Stadion, wo Gruppen wie Måneskin, Jinjer und Russkaja schon früh für gute Stimmung sorgten. Veranstalter Ewald Tatar freute sich über rund 15.000 Besucher.

Es sei ein "tolles Ergebnis", sagte Tatar am späten Nachmittag bei einem Pressetermin vor Ort. 86 Prozent der Besucher, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Stadien aufhielten, waren geimpft, die restlichen 14 Prozent hatten einen negativen PCR-Test vorgewiesen - beim Event galt nämlich die 2G-Regel. Längere Wartezeiten als bei anderen Festivalausgaben gab es deshalb allerdings nicht, funktionierte der Zugang doch großteils reibungslos. Und einmal am Gelände, gab es reichlich Musik zu erleben.

Ein Blick auf die T-Shirts verriet bald: Einer der wichtigsten Gründe für den Festivalbesuch waren offenbar die italienischen Song-Contest-Gewinner: Måneskin, die sich beim großen Musikwettbewerb im Mai durchgesetzt hatten, wurden von vielen sehnsüchtig erwartet und enttäuschten nicht. Mit einem druckvollen Set, bei dem der ESC-Siegertitel "Zitti e buoni" als zweite Nummer sehr früh gesetzt wurde, wickelte das Quartett seine Anhänger schnell um den Finger. Die Devise lautete: Netzleiberl, Lederhosen und viel nackte Haut! Aber den Rock'n'Roll nicht vergessen.

Das taten Sänger Damiano David und Konsorten keineswegs: Während zu "Beggin'" gemeinsam die Stimmen erhoben wurden, nahm das gefühlvolle "Coraline" zum richtigen Zeitpunkt etwas das Tempo raus und bestach durch eine eingängige Melodie. Direkt im Anschluss wurde dann der jüngste Hit "I Wanna Be Your Slave" ins Stadion geschmettert, wobei David die letzten Takte der Nummer zudem für ein Bad im Publikum nutzte - was diesem naturgemäß sehr gefiel. Auch das Coverdoppel aus "Take Me Out" (Franz Ferdinand) und "Somebody Told Me" (The Killers) wurde begierig aufgesogen. Handgemachte Rockmusik zieht offenbar immer noch.

Am Ende wurden nach dichten 60 Minuten noch gut zwei Dutzend Fans auf die Bühne geholt, die ihr Glück kaum fassen konnten. Und obwohl bei Festivals, vor allem zu diesem doch sehr frühen Zeitpunkt, Zugaben eher unüblich sind, ließen es sich Måneskin nicht nehmen und schossen ein zweites Mal "I Wanna Be Your Slave" in die Menge. Song-Contest-Gewinner als Eintagesfliege? Tja, dieses Vorurteil hat die italienische Band zumindest vorerst eindrucksvoll widerlegt.

Dass sie die Bühne sichtlich vermisst haben, konnten kurz zuvor auch die ukrainischen Metal-Querdenker Jinjer belegen: Mit einer mächtigen Wall-of-Sound ausgestattet, gab es ziemlich aggressive Momente ebenso wie komplexe Strukturen. Sängerin Tatiana Shmayluk überzeugte mit Klargesang, vor allem aber bitterbösen Growls. Dabei sei die Musikerin vor jedem Auftritt nervös. "Ich bekomme regelrecht Panikattacken", meinte sie vor dem Auftritt im APA-Interview. "Nach dieser langen pandemiebedingten Pause wird es wohl noch schlimmer sein! Meine Knie zittern immer... Aber ich freue mich auch sehr darauf, denn die Fans vermissen die Konzerte und Festivals. Wir sitzen im selben Boot, es wird für uns alle aufregend." Das war vor wie auf der Bühne durchaus zu spüren.