Priesterweihe: „Für jeden Platz, sich zu entfalten“. Matthias Reich (31) ist der jüngste Kapuziner des Landes. Seine erste Station als Priester ist Wiener Neustadt.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 09. November 2019 (04:27)
Bruder Matthias Reich im Kapuzinerkloster in der Bahngasse, wo er sich besonders in der Jugendarbeit einbringen möchte.
Hacker-Walton

Er sei, sagt Matthias Reich, den traditionellen Weg gegangen: „Ich bin auf einer kleinen Landwirtschaft in Heimschuh, einem kleinen Dorf in der Nähe von Leibnitz aufgewachsen. Das Kirchengehen war für mich etwas sehr Normales, das mir immer Freude gemacht hat.“

Als Ministrant, Organist und Kirchenchorleiter war er in der Pfarre aktiv, hat dabei „immer schon hingeschaut auf diesen Dienst am Altar. Rund um die Firmung ist mir dann das Priesterwerden ernsthafter in den Sinn gekommen, dann wieder verflogen und in der 8. Klasse Gymnasium mit größerer Wucht aufgetreten.“

Nach dem Bundesheer trat Matthias Reich ins Priesterseminar ein, im Kloster Leibnitz fand er „eine gute Begleitung mit den Brüdern, ein Zuhause außerhalb des Seminars“. Es zog ihn zu den Kapuzinern, „dem habe ich dann nachgegeben, weil ich mich nicht ein Leben lang immer wieder fragen wollte, ob ich nicht doch Kapuziner hätte werden sollen.“

Von Kindheit an Bezug zu Kapuzinern

Zu den Kapuzinern hat er seit Kindestagen einen Bezug: „In meinen ersten Lebensjahren war noch ein Kapuziner-Pfarrer im Dorf, ich habe von Kind auf Kapuziner erlebt. Sie haben auf mich immer den Eindruck gemacht, das sind fröhliche Leute mit einer sehr natürlichen Gottesbeziehung.“

Was er persönlich an den Kapuzinern schätzt: „Es ist für jeden ausreichend Platz mit dem, was er kann, sodass man sich mit seinen Fähigkeiten entfalten kann. Und: Es ist nicht langweilig. Ich könnte nirgendwo sein, wo der Alltag eintönig ist.“

Anfang Oktober wurde Bruder Matthias zum Priester geweiht – als jüngster Kapuziner Österreichs. Seine erste Station als Priester ist das Kapuzinerkloster in der Bahngasse. Dass der 31-Jährige nach Wiener Neustadt gekommen ist, ist kein Zufall: „Ich wollte, solange ich altersmäßig noch ungefähr einen Anschluss habe, gerne mit Jugendlichen arbeiten. In Wiener Neustadt gibt es viele Jahre Erfahrung in der Jugendarbeit. Darauf möchte ich aufbauen. Das Kloster hat den Vorteil, überregional wirken zu können, wo sich die einzelnen Pfarrer manchmal schwer tun.“

Für ihn selbst sei es ein „Aha-Erlebnis gewesen, in die Stadtpfarre zu kommen: Zu sehen, es gibt andere junge Leute, die mitmachen – im Ort war ich doch so ziemlich der einzige. Es würde sich anbieten, hier im Kloster Angebote für junge Menschen aus der Region zu schaffen.“

Das Eingewöhnen in der Stadt sollte ihm dabei nicht schwer fallen, sagt Bruder Matthias: „Ich bin grundsätzlich sehr gern daheim und habe in den letzten Jahren festgestellt, ich bin auch schnell wo daheim, wenn ich wo hinkomme.“