Proteste gegen Auwald-Rodung. Anrainer und Grüne protestieren gegen Bäumfällungen zwischen Stadionstraße und Fischabach in Wr. Neustadt. Stadt verweist auf Privatbesitz des Grundstücks, Fall wird aber überprüft.

Von Philipp Hacker-Walton und Mathias Schranz. Erstellt am 28. April 2021 (05:55)

Der weltweite „Tag des Baumes“ war der letzte für jene des Auwaldes hinter der Stadionstraße: Am Montag wurde mit den Bäumen kurzer Prozess gemacht. „Ein Wahnsinn, was hier passiert“, ärgert sich Anrainer Heinz Decker. Ähnlich sieht die Lage Anwohnerin Eva-Maria Hainböck: „Neben uns wird am Stadiongrund mit der Wohnsiedlung Viertel Grün geworben, hier wird alles weggeräumt.“

Sie kritisiert, dass es vor den Abholzungen keine Informationen gegeben hätte, „es war ein Naherholungsgebiet mit vielen Vögeln und auch Eichkätzchen, dazu war das Wäldchen ein Lärmschutz – für uns ist das jetzt eine Einschränkung in der Lebensqualität.“ Vor allem jetzt, wo gerade Brutzeit der Vögel wäre, sei die Rodung verwerflich, kritisieren auch Verena und Stefan Salamon in einer Mail an die NÖN. Der Großteil des betroffenen Grundstücks ist seit vielen Jahren im Besitz der „Strohmaier GmbH“ – von dort gab es gegenüber der NÖN keine Stellungnahmen zu den Rodungen. Seitens der Anrainer wird vermutet, dass dort Parkplätze für die Firmen entstehe – auch ein Schild, das dort montiert wurde, deute darauf hin.

SPÖ-Umweltstadtrat Norbert Horvath hat mit der Rodung keine Freude, „vor allem, wenn hier Boden versiegelt wird und ein Parkplatz entsteht.“ Allerdings könne die Stadt bei Privatbesitz nicht eingreifen. Bei den betroffenen Bäumen handle es sich fast ausschließlich um „Götterbäume“ – eine invasive Art, die andere Baumarten verdränge.

Grünen-Geschäftsführerin Anneliese Weichart kritisiert den „Ausverkauf der Grünflächen“: „Anscheinend hat die Stadt einen Teil des Grundstücks verkauft und ist mitverantwortlich für die Rodungen.“ Bei der nächsten Gemeinderatssitzung wolle man einen Antrag auf Ausgleichsflächen im Verhältnis von 1:1 oder mehr stellen und eine Nachschärfung der Baumschutzverordnung fordern, sagt Klubobfrau Selina Prünster: „Wir fordern, dass die Stadt Ersatzflächen zur Verfügung stellt. Ohne Ausweitung auf private Besitzer und Genossenschaften ist die Baumschutzverordnung eine Farce.“

Seitens der Stadt wird darauf verwiesen, dass es sich bei dem Grundstück um Privatbesitz mit Baulandwidmung handle. Es seien lediglich 40 Quadratmeter, die im Besitz der Stadt waren, an die „Strohmaier GmbH“ verkauft worden. Allerdings laufe auf Initiative der Stadt jetzt ein Feststellungsverfahren, ob es sich bei der Aulandschaft um Wald im eigentlichen Sinne gehandelt hat – dann hätte nicht gerodet werden dürfen. Dem Grundbesitzer drohe dann eine Verwaltungsstrafe.

Umfrage beendet

  • Soll die Baumschutzverordnung auf den Privatbesitz ausgeweitet werden?