Prozess um versuchten Mord am Landesgericht . Wegen versuchten Mordes ist ein 47-Jähriger am Dienstag in Wiener Neustadt vor Gericht gestanden.

Von Redaktion, APA. Update am 17. Oktober 2017 (13:18)
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Der Pensionist soll im Jänner im Zuge eines Streits um Geld für Tischlerarbeiten einen 34-Jährigen angeschossen und schwer verletzt haben. Der Prozess ist für zwei Tage anberaumt. Erst am 7. November soll das Opfer, das laut Richterin Birgit Borns nochmals operiert werden musste, befragt werden.

Die weiteren Vorwürfe zu dem Vorfall lauten auf Gefährdung der körperlichen Sicherheit und gefährliche Drohung. Zudem besaß der Angeklagte kein waffenrechtliches Dokument für den Revolver. Er bekannte sich eingangs nicht schuldig und verwies vielmehr darauf, Angst vor dem tobenden 34-Jährigen gehabt zu haben.

Die Staatsanwältin führte aus, dass das spätere Opfer an jenem Winterabend zu der Werkstatt gefahren war. Während die Lebensgefährtin im Auto wartete, ließ der Angeklagte den Mann ein, und es kam zu einem heftigen Streitgespräch. Um den 34-Jährigen zum Gehen zu veranlassen, habe der Beschuldigte einen Revolver aus der Lade genommen und an ihm vorbeigeschossen und ihn anschließend aus der Hütte gedrängt.

Als der 34-Jährige dann von außen mit der Faust gegen die Tür boxte, konnte der "aufgebrachte" Angeklagte ihn durch die montierte Videokamera sehen. Er habe also dessen genaue Position gekannt, als er auf den oberen rechten Bereich der Tür in Kopfhöhe zielte und schoss, betonte die Anklägerin. Das Projektil durchschlug Türblatt sowie Glaselement und blieb im Unterarm des Opfers in der Elle stecken.

Es gehe um das Leben seines Mandanten, Vater von drei minderjährigen Buben, appellierte Rechtsanwalt Ernst Goldsteiner eingangs an die Geschworenen. Die Laienrichter müssten sich damit auseinanderzusetzen, ob die Tat vorsätzlich oder ob es schwere oder fahrlässige Körperverletzung war - was einen "kolossalen Unterschied" bei der Strafhöhe ausmache, erklärte der Verteidiger. Im Zweifel müsse für den Angeklagten entschieden werden.

Sein Mandant hätte noch eine Bezahlung durch den 34-Jährigen zu erwarten gehabt. Daran habe dieser jedoch überhaupt nicht gedacht, als er ihn an jenem Abend in der einsam gelegenen Werkstatt besuchte, sondern seinerseits Forderungen erhoben, getobt und gedroht, die Hütte anzuzünden. Es sei dunkel gewesen, die Örtlichkeit einsam gelegen - sein Mandant, gelernter Schlosser mit gutem Leumund, habe einfach Angst vor dem aggressiven Geschäftspartner mit offenbar krimineller Vergangenheit gehabt. Dieser habe nämlich von draußen versucht, die über der Tür angebrachte Kamera herunterzureißen. Um das zu verhindern, habe sein Mandant gezielt auf dessen - erhobenen - Unterarm geschossen. Hätte der 47-Jährige den Mann töten wollen, hätte er nur geradeaus schießen müssen, meinte der Anwalt.

Zweiter Verhandlungstag am 7. November

Wegen eines vor drei Jahren erlittenen Aneurysmas in Pension, nehme er diverse Zusatzarbeiten an, um finanziell über die Runden zu kommen, schilderte der des Mordversuchs angeklagte Familienvater. Darunter war eben auch ein Auftrag für einen Rigipsausbau in der Firma des 34-Jährigen, der im Sommer 2016 an ihn herangetreten sei.

1.400 Euro für seine Arbeitszeit seien offen geblieben. Es ging aber auch um ein Auto. Der gelernte Schlosser berichtete von einer Vereinbarung, dass der 34-Jährige sein kaputtes Fahrzeug zum Reparieren übernehmen und ihm dafür ein funktionsfähiges überlassen wollte. Davon war dann aber keine Rede mehr. Der 34-Jährige habe am Anfang den "guten Freund" und "Beschützer" gespielt und ihm im November 2016 sogar eine geladene .357 Magnum überreicht. An jenem Abend aber habe sein Auftraggeber, statt die ausständige Summe für seine Leistung zu zahlen, 3.100 Euro von ihm verlangt, sagte der Angeklagte.

Darüber gerieten sich die beiden verbal heftig in die Haare, und der Angeklagte forderte den 34-Jährigen nach seiner Darstellung mehrmals auf, zu gehen. Als dieser plötzlich aufsprang und einen Fernseher herunterwarf, nahm er die Waffe aus der Lade, sagte "schleich' dich, es reicht, ich will mir dir nichts zu tun haben", schoss an ihm vorbei und schubste ihn raus.

Doch der Mann entfernte sich nicht vom Grundstück. "Als er zurückkam und anpumperte, hab' ich gedacht, er haut die Tür zusammen", sprach der 47-Jährige von seiner damals empfundenen Angst. Der rabiate Geschäftspartner habe auch gedroht, alles anzuzünden.

Dass der 34-Jährige durch seinen Schuss verletzt war, habe er nicht gesehen. Danach ging er zur Polizei, um die Sachbeschädigungen anzuzeigen, obwohl er ein schlechtes Gewissen gehabt habe. "Warum? Vielleicht weil Sie auf einen Menschen geschossen haben?", entlockte ihm die Richterin.

Nach einem damaligen Bericht des "Kurier" hatte sich der 34-Jährige im Landesklinikum Wiener Neustadt wegen einer blutenden Fleischwunde behandeln lassen, dabei aber offenbar die Schussverletzung verheimlichen wollen. Er habe laut der Tageszeitung angegeben, gestürzt zu sein. Bei der folgenden Operation wurde das Projektil entfernt.

Dem medizinischen Sachverständigen zufolge, könne nun nach einer weiteren OP noch nicht gesagt werden, ob die schwere Verletzung Dauerfolgen haben werde. Das Opfer soll zu dem Geschehen am zweiten Verhandlungstag, dem 7. November, vor Gericht befragt werden.