Prozess wegen versuchtem Mord. Angefangen hat alles mit 20 Quadratmetern Rollrasen. Die hat das spätere Opfer, Spitzname „Kelly“, im Garten des Angeklagten B. nicht verlegt. Jetzt traf man sich vor Gericht bei einem Prozess wegen versuchtem Mordes wieder.

Von Redaktion NÖN.at. Erstellt am 17. November 2020 (16:16)
Der Angeklagte (Mitte) mit seinem Anwalt Manfred Arbacher-Stöger am Dienstag vor Gericht.
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Die Vorgeschichte: Nachdem es Streitigkeiten wegen dem Rasen gab, trafen sich die Kontrahenten am 24. April bei der Tankstelle in der Raugasse, um sich auszusprechen. Der Angeklagte, ein 35-jähriger Mann aus dem Bezirk, erschien mit einem Cousin dort, das spätere Opfer war mit „drei Tschetschenen vorort“, erzählte der 35-Jährige. Ergebnis: Eine Schlägerei mit acht bis zehn Beteiligten im Josefspark, weil „es waren ein paar Bekannte von mir zufällig auch dort“, so der Angeklagte.

Laut Staatsanwaltschaft fuhren einige der Kontrahenten dann ins Spital, um sich behandeln zu lassen. Danach dürfte der Angeklagte mit drei Cousins beim Auto des Opfers in der Spitalsgasse gewartet haben. Zuerst soll er einen Stock als Waffe in der Hand gehabt haben, den ihm ein Cousin wegnahm. Dann nahm der Angeklagte ein Stanley-Messer und lief zum Opfer.

Er soll zweimal hin gestochen haben, beim zweiten Mal hat er dem Anderen eine fünf Zentimeter tiefe Wunde im Brustkorb verpasst, die auch die Lunge verletzte. Staatsanwalt Markus Bauer: „Es war Glück, dass das Opfer nur einem kleinen Lungenkollaps erlitt und sofort behandelt wurde, sonst wäre es tot.“ Der Angeklagte gab bei seiner Einvernahme die Körperverletzung zu, bestritt aber jegliche Tötungsabsicht.

Vor Gericht erklärte er, dass ihm das Opfer „ins Messer gefallen“ sei und er die Klinge auch nur zwei Zentimeter ausgefahren hatte. „Ich wollte ihm nur Angst machen.

Ein Ziel, dass der Angeklagte auch erreicht hat. Das Opfer, 31, gab vor Gericht an, dass er zwei tschetschenische Mitarbeiter zu dem Treffen bei der Tankstelle mitgebracht hatte, weil „ich mich gefürchtet habe“. B. wäre am Telefon schon immer sehr aggressiv gewesen. Nach der Schlägerei sei er mit Polizeischutz ins Spital gefahren.

Nach der Erstversorgung war er mit seinem Schwager auf dem Weg zum Auto, als drei Männer aus einem PKW sprangen. Einer habe ein Brett in der Hand gehabt und B. eine Eisenstange. Als ein Mann B. dann die Stange wegnahm, habe der aus dem Auto etwas anderes geholt.

Das Opfer erzählte, dass er weglief und sogar ein Auto angehalten hat und bei einem völlig Fremden einsteigen wollte, dessen Tür aber nicht aufging. „Dann sah ich B. schon neben mir. Nach einer ersten Stichbewegung von oben gelang ihm der zweite Versuch. Ich habe zwei, drei Sekunden nichts gemerkt, dann sah ich den Blutfleck auf der Brust und bin nur noch Richtung Spital gelaufen.“

Der Prozess geht am 22. Dezember weiter.