Schluss für Straßenzeitung "Eibisch-Zuckerl". Die Straßenzeitung wird nach 16 Jahren eingestellt. Gute Verkäufer wurden rar, sagt Obmann Anton Blaha, auch die Stimmung ihnen gegenüber habe sich gedreht.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 30. November 2019 (06:21)
Anton Blaha mit der 1. und der 100. Ausgabe des „Eibisch-
Zuckerl“.
Hacker-Walton

Die 101. Ausgabe Anfang Dezember wird die letzte sein: Das „Eibisch-Zuckerl“, das am 1. April 2003 zum ersten Mal erschien, wird eingestellt. „Es ist die Luft draußen, es geht nicht mehr“, sagt Vereinsobmann Anton Blaha im Gespräch mit der NÖN.

In den besten Zeiten wurden bis zu 6.000 Stück der Straßenzeitung gedruckt, „jetzt sind es 3.000, knapp 2.000 davon werden verkauft, das sind in etwa die Druckkosten“, so Blaha.

Das Projekt, das stets von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben wurde, startete 2003 als Initiative von Mitarbeitern des Neustädter Sozialamtes. Die Idee: Menschen mit wenig Geld eine Verdienstmöglichkeit bieten. Unter der Führung von Brigitte Haberstroh – Blahas Tochter – und Martin Lackinger, kam die Sache richtig in Fahrt.

Nach Haberstrohs plötzlichem Tod im Jahr 2013 übernahmen Blaha und seine Frau die Leitung. „Es ist einige Jahre gut gelaufen, auch, weil viele Migranten gekommen sind, die Zeitung verkaufen wollten und auch eifrig verkauft haben“, sagt Blaha.

Mehrzahl der Verkäufer waren Asylwerber

Österreicher als Verkäufer zu gewinnen sei von Beginn an schwierig gewesen: „Neustadt ist wohl zu wenig anonym.“ So waren die meisten Verkäufer – gute brachten laut Blaha von der alle zwei Monate erscheinenden Zeitung 100 Stück an – „Asylwerber, die sich ein Zubrot zu ihrer Grundversorgung verdienten, leben konnte man davon nicht.“

Zuletzt seien sie zunehmend weggefallen: „Einige wurden in ihre Heimat oder in andere Länder abgeschoben, manche sind sicher auch untergetaucht.“ Auch der Verlust des Büros in der Schlögelgasse, nachdem die Stadt das Gebäude verkaufte, war ein Schlag:

In das neue Büro bei Phönix (Neunkirchner Straße) seien viele Verkäufer nicht gekommen. So seien die Verkaufszahlen zurückgegangen. Blaha: „Wir führen das auch darauf zurück, dass sich die Stimmung gegenüber Migranten ins Negative gedreht hat.“