Mit „Ladyglich“ in die Dunkelheit eintauchen. Mit dem Stück „Noir Sans Vous — Dunkel ohne Euch“ gastierte die künstlerische Fusion „Ladyglich“ im Atelier Lebenshilfe in Wiener Neustadt und zeigte echtes Können.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 21. Dezember 2018 (15:31)
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Jonathan Weidenbruch

Ein toter Junge im Wald, der einzige Hinweis: eine Spielkarte, darauf Französisch. Kommissarin Pascale Renée Ernst (Miriam Kerneža), die kein Mann ist und auch nicht Französin und mit persönlichen Dämonen hadert, nimmt die Ermittlungen auf. Sie trifft auf die skurrilen Figuren „La Mama“, “ La Nonna“ (Jennifer Gross) und „La Louve“ (Sarah Kerneža), alle verdächtig und Figuren, die von Anfang an mit der Kommissarin zu verschmelzen scheinen.

Das meisterhafte Zusammenspiel der drei Darstellerinnen erzeugt dabei einen ganz eigenen Rhythmus. Gesangs- und Tanzelemente, Steppschuhe, die Gerüche von Kaiserschmarrn und Räucherstäbchen, künstlicher Nebel und nicht zuletzt die Eigendynamik des Lichts ziehen die Zuschauer in den Bann einer mysteriösen, dunklen Welt, tief ins konfliktreiche Innere der Kommissarin. Ist das Geschehen Traum oder Wirklichkeit?

Stirnlampen für das Publikum

Mit ihrem neuen Stück „Noir Sans Vous“ tourt „Ladyglich“ seit Dezember durch Niederösterreich und Wien. Am Donnerstag, dem 20. Dezember, spielten sie im Atelier Lebenshilfe in Wiener Neustadt. Eine Besonderheit: Mit Stirnlampen, die vor Beginn des Stücks ausgeteilt werden, bekommen die Zuschauer die Verantwortung der Beleuchter übertragen. Die Intention: Es liegt im Ermessen des Publikums, was es mit seinen Blicken sichtbar macht, worüber es im Dunkeln stolpert und was es in den Fokus rückt. 

Im Atelier Lebenshilfe konnte der gewünschte Effekt aufgrund der hohen Fenster und dem hereinfallenden Licht der Straße nicht ganz zur Geltung kommen, ein Beitrag zur mysteriösen Krimi-Atmosphäre leistete die unkonventionelle Beleuchtung dennoch.  „Wir wollen das Stück bei Festivals einreichen, wo wir es dann gerne in einer  Blackbox in völliger Dunkelheit spielen würden“, meint  Miriam Kerneža dazu.

Festival-Potenzial hat das Stück auf jeden Fall. Es ist großartig vieldeutig, klug durchdacht auf einem hohen Niveau – eine spannende Geschichte ausdrucksstark umgesetzt.  Im Stück wird nicht nur durch den Fokus auf Hell und Dunkel Anleihe an den Film Noir genommen. Charakteristisch sind die Voiceovers,  in sehr literarischer Sprache gehalten, aber auch die Figur der Kommissarin und die der Femme fatale in Gestalt von „La Louve“, der Wölfin, die einen französischen Akzent „trägt“. Gearbeitet wird auch mit wenigen aber sehr kreativ kombinierten und genutzten Requisiten und Kostümen in Schwarz und Rot.

Was heißt weiblich sein und weiblich sein dürfen? Und was kann Weiblichkeit sein? Das Stück ist ein Plädoyer für alle Facetten der Weiblichkeit, für Selbstliebe, das Wilde und Loslassen-Können.

Weitere Spieltermine sind: 28. Dezember beim Trofaiachwirt, am 23. November 2019 im Evangelischen Gemeindezentrum Gols.  Karten gibt es per Email unter ladyglich@gmail.com.