Zweite Heimat gefunden: „Wollen hier bleiben“ . Dank der Hilfe von Familie Rose hat syrische Familie in Wr. Neustadt ihre zweite Heimat gefunden.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 09. September 2020 (11:57)
Schranz

Der Kriegsausbruch in Syrien hat auch Alaa Aldeen Al Alnassan und seine Familie verschlagen. Zuerst ging es nach Jordanien, von dort aus wurden sie 2015 nach Österreich geflogen. „Österreich war unser Wunschland. Wir haben gehört, dass es ein gutes Land ist“, erklärt das Familienoberhaupt im Gespräch mit der NÖN. Seitdem wohnen sie im „Ankerhof“ in der Innenstadt.

Von Anfang an gab‘s Unterstützung von der Familie Rose. Viktoria Rose – sie verstarb vor zwei Jahren – wohnte damals im selben Wohnhaus und nahm sich der Familie an. Genauso wie ihr Sohn Walter und dessen Frau Birgit. Hilfe gab‘s vor allem bei Behördenwegen oder auch alltäglichen Dingen. „Die Kinder mussten ja in den Kindergarten gebracht werden. Wir haben der Familie etwa geholfen, die richtigen Busverbindungen zu finden, was gar nicht so leicht war“, erinnert sich Walter Rose bei einem Treffen mit der Familie – der Kontakt ist bis heute geblieben – zurück.

So fing alles im Jahr 2015 an: Walter Rose mit seiner Mutter Viktoria beim gemeinsamen Essen mit der Familie.
privat

Familienvater Alaa Aldeen Al Alnassan, Frau Elahan Al Nazami, Sohn Hedar und Tochter Hala haben in Wiener Neustadt ein neues Zuhause gefunden, wie sie im Gespräch mit der NÖN erzählen. „Die meisten Menschen waren immer freundlich zu uns, natürlich gab es auch einige wenige, die es nicht waren“, erzählt Alaa Aldeen Al Alnassan. Was ihm an der Stadt gefällt: „Es ist nicht so groß wie Wien, aber auch kein Dorf – man kann hier gut leben.“

Er selbst hat wie seine Frau bereits einige Sprachkurse gemacht, einen dauerhaften Job zu finden sei trotzdem schwer. So arbeitete er bereits als Hilfskoch in Restaurants in Wiener Neustadt und Neunkirchen oder auch als Pizzalieferant. Allerdings gingen diese Jobs auch wegen der Coronakrise verloren. Derzeit besucht er einen AMS-Kurs. „Ich hoffe aber auf einen 40-Stunden-Job“, gibt er die Hoffnung nicht auf.

Perfekt Deutsch sprechen inzwischen die beiden Kinder, die die Volksschule Baumkirchnerring besuchen. Für die siebenjährige Tochter Hala war es überhaupt der erste Schultag, wie sie der NÖN erzählt. Sohn Hedar ist schon in der dritten Klasse. „Ich bin froh, dass die Schule wieder anfängt und ich meine Freunde wieder sehen kann“, meint er.

Zurück nach Syrien zu gehen steht für die Familie derzeit nicht zur Debatte. Denn die Hoffnung, dass der Bürgerkrieg so schnell zu Ende geht, haben sie nicht. „Das wird noch zehn, zwanzig Jahre dauern“, glaubt Alaa Aldeen, „wir wollen hier bleiben.“ Nicht zuletzt auch wegen seiner Kinder. „Sie können zwar Arabisch sprechen, aber nicht schreiben. Wenn wir uns via WhatsApp unterhalten, schreiben sie nur auf Deutsch. Allein deswegen wäre eine Rückkehr nach Syrien für uns schwierig. Wir haben hier eine zweite Heimat gefunden.“

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