Aktivisten gegen Bagger. Bahnfreunde behindern Abriss der Gleise. Schagerl holt Polizei. Über 250 bei Demo in Opponitz.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 11. Februar 2014 (23:59)
NOEN, Fotos: Kössl
Über 200 Demonstranten fanden sich am vergangenen Sonntag in Opponitz ein, um für den Erhalt der Ybbstalbahn zu demonstrieren.
Von Andreas Kössl

YBBSTAL / „Wir wollen wieder, wir wollen wieder, wir wollen wieder Ybbstalbahn“, skandierten die Bahnfreunde vergangenen Sonntag beim Bahnhof Opponitz. Nach Hollenstein und Ybbsitz hatte man zu einer weiteren Demonstration für den Erhalt der Ybbstalbahn aufgerufen. Über 200 Bahnbefürworter waren trotz Regenwetter auf den Bahnhofsvorplatz gekommen. Auch zahlreiche Regionalpolitiker von SPÖ, FPÖ und Grünen sowie den Waidhofner Bürgerlisten UWG und Liste FUFU fanden sich wieder ein. Lediglich ÖVP-Politiker war einmal mehr keiner gekommen.

Die Kundgebung selbst verlegte man dann aber aufgrund des Wetters in die Räumlichkeiten des Gasthauses Bruckwirt.

NOEN, Foto: Piaty
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Hauptgesprächsthema unter den Bahnfreunden war der Schienenabriss am Bahnhof Großhollenstein, der am Freitag vergangener Woche über die Bühne gegangen war.

„In einer Nacht- und Nebelaktion wurden sämtliche Gleise herausgerissen“, entrüstete sich Pro-Ybbstalbahn-Obmann Thomas Vielhaber. „Was da passiert ist, ist unglaublich. Leider ist es kein Märchen“, stieß der Obmann des Clubs 598, Siegfried Nykodem, ins selbe Horn.

Was war passiert? Am Freitag, 7. Februar, gegen 6 Uhr morgens fuhren zwei Bagger beim Bahnhof Hollenstein auf und begannen damit, die Schienen herauszureißen – und das, obwohl Hollensteins Bürgermeister Manfred Gruber noch am Vortag vom Chef der Abrissfirma zugesichert worden war, dass die Schienen im Gemeindegebiet nur bis zum Hollensteiner Bahnhofareal abgerissen werden würden.

Polizei schreitet in Hollenstein ein

Der Hollensteiner Bahnaktivist Eckehard Buder wurde von den Anrainern verständigt. Er eilte zur Baustelle und stellte sich den Baggern in den Weg, um die Arbeiten zu stoppen. Weitere Bahnfreunde trudelten ein.Mittlerweile war auch SPÖ-Landtagsabgeordneter Helmut Schagerl, der gleichzeitig stellvertretender Sprecher des Radwegvereins Ybbstal ist, von der Abrissfirma verständigt worden und zum Bahnhof gekommen. Auch die von Schagerl verständigte Polizei war bereits vor Ort. Der Landtagsabgeordnete veranlasste schließlich, dass die Abrissarbeiten fortgeführt wurden. Da es in der vergangenen Woche im Zuge der Gleisabrissarbeiten immer wieder Störaktionen und Pöbeleien der Bahnaktivisten gegeben habe, habe man seitens des Radwegvereins veranlasst, die Arbeiten vom Bahnhof Hollenstein aus Richtung St. Georgen/Reith weiterzuführen, so Schagerl. „Es ging darum, dass diese Störaktionen endlich aufhören. Das Ganze ist ja auch ein Sicherheitsrisiko.“

Die Polizei habe er informiert, um zu verhindern, dass die Sache eskaliere. „Ich habe Herrn Nykodem und Herrn Buder unmissverständlich klar gemacht, dass sie für die Kosten aufkommen müssen, wenn die Firma Stehzeiten hat.“ Nach einer kurzen Besprechung gaben die Aktivisten die Baustelle schließlich frei und die Arbeiten wurden fortgeführt. Es sei nichts mehr zu retten gewesen, so deren Begründung.

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Ob gegen die Bahnaktivisten Nykodem und Buder Anzeige erstattet wird, steht derzeit noch nicht fest. Seitens der Polizei hat man einen Bericht über die Vorgänge an die Bezirkshauptmannschaft Amstetten übermittelt, mit der Frage, ob, und wenn ja nach welchen Bestimmungen, Anzeige erstattet werden solle. Stehzeiten werde der Radwegverband, laut Schagerl, jedenfalls keine weiterverrechnen.

Zerstörungswut von unwiederbringlichem Kulturgut

Die Bahnfreunde sind über die Abrissaktion am Bahnhof Hollenstein mehr als entrüstet. Dieses Bahnhofsareal würde für den Radweg gar nicht gebraucht, da es dort längst einen Radweg neben der Bahn gebe. Bei der Angelegenheit gehe es schon lange nicht mehr um den Bau eines Radweges, sondern nur mehr um eine kurzsichtige Zerstörungswut von unwiederbringlichem österreichischen Kulturgut, so der Vorwurf.

Den Bahnbefürwortern geht es nun darum, zumindest die Strecke zwischen Gstadt und Hollenstein zu erhalten. Hier seien schließlich 20 Millionen investiert worden, die könne man doch nicht einfach so rausreißen, ist Pro-Ybbstalbahn-Obmann Vielhaber überzeugt.

NOEN, Foto: privat
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Laut Landtagsabgeordnetem Schagerl sollen die Abrissarbeiten in diesem Bereich, so es die Witterung zulässt, aber Anfang März starten. Eine Bahnbaufirma, die die Gleise in etwa neun Meter langen Feldern abtragen soll, werde damit beauftragt. Diese Gleisfelder sollen dann bei der Mariazellerbahn und im Waldviertel wieder zum Einsatz kommen. Die derzeit abgetragenen Gleise werden verschrottet, die Stahlschwellen teilweise beim Ötscherlandexpress wiederverwendet.

Protestaktionen gehen weiter

Die Bahnfreunde denken jedoch nicht daran, aufzugeben. „Wir werden weiterkämpfen“, lautete der Tenor bei der Demonstration am Sonntag. Es gebe auch die Chance auf einen Stopp der Abrissarbeiten, so der Waidhofner FPÖ-Gemeinderat Karl-Heinz Knoll. Wenn sich 46 Opponitzer finden, dann könne ein Initiativantrag im dortigen Gemeinderat eingebracht werden. Im Waidhofner Gemeinderat werde man jedenfalls gemeinsam mit allen bei der Demo anwesenden Fraktionen einen derartigen Antrag in der nächsten Sitzung einbringen.

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Am Donnerstag, 13. Februar, gehen die Proteste dann wieder weiter. Da fahren die Bahnfreunde nach Wien, um vor dem Verkehrs- und dem Wirtschaftsministerium zu demonstrieren. Am Sonntag, 16. Februar, ist eine Menschenkette beim Waidhofner Lokalbahnhof geplant.