Waidhofen/Ybbs: Gleise kommen für Radweg raus

Gleisabbau wurde beschlossen. Opposition gegen Deal mit NÖ Bahnen.

Andreas Kössl
Andreas Kössl Erstellt am 06. Oktober 2021 | 06:13
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Nachdem der Auflassungsbescheid vorliegt, kann mit dem Gleisabbau zwischen der Hammerschmiedstraße und Gstadt begonnen werden.
Foto: Kössl

Für Diskussionen im Gemeinderat sorgte am Dienstag der Vorwoche einmal mehr die Waidhofner Citybahn. Die Waidhofner Stadtbahn verkehrt seit Dezember des Vorjahres ja nur noch zwischen dem Hauptbahnhof und der Pestalozzistraße. Auf der durch die Verkürzung frei gewordenen Bahntrasse zwischen dem Vogelsang und Gstadt soll ein neuer Radweg errichtet werden.

In einem ersten Tagesordnungspunkt zum Thema beschlossen die Waidhofner Mandatare eine Erklärung zur Erhaltung der neuen Radverkehrsanlage, um eine Förderung des Landes NÖ für den Radwegbau zu bekommen. Die Liste FUFU und die FPÖ stimmten dagegen.

Man habe sich bereits 2019 gegen die Verkürzung der Citybahn ausgesprochen, hielt FUFU-Stadtrat Martin Dowalil fest. Diese sei kurzsichtig, weil man damit den Wirtschaftspark ebenso wie die Sportanlagen in der Weitmannsiedlung und in Kreilhof von der Schiene trenne. Einen Radweg Richtung Ybbsitz gebe es auf der Zeller Seite ohnehin. „Das ist ein No-Go. Wir beteiligen uns nicht an der Zerstörung der Bahn“, sagte Dowalil. Der WVP warf der FUFU-Chef vor, verantwortlich für die Verkürzung der Strecke zu sein und den Radverkehr gegen die Schiene ausgespielt zu haben. „Nun müssen wir uns aber damit abfinden, dass es keine Bahn mehr auf dem Abschnitt gibt“, meinte Dowalil. „Dafür wollen wir aber einen vernünftigen Radweg, der gerade auf der Trasse verlaufen muss.“

FUFU: Wenn Radweg, nur auf Trasse sinnvoll

Der FUFU-Stadtrat wies darauf hin, dass ursprünglich vorgesehen war, den Radweg nur auf Teilen der Bahntrasse, dafür aber auf Siedlungsstraßen verlaufen zu lassen, wovon letztlich aber wieder abgegangen wurde. Nun soll der Radweg durchgehend auf der Bahntrasse nach Gstadt führen.

Es habe damals zwei Varianten für den Radweg gegeben, antwortete WVP-Stadtrat Franz Sommer. Man habe beide Varianten dem Land vorgeschlagen. Dieses habe sich zuerst jedoch für die billigere Variante entschieden. „Wir sind froh, dass der Radweg nun auf der Trasse kommt, wir waren immer für diese Variante“, hielt der WVP-Stadtrat fest. Das neue Betriebsgebiet werde überdies mittels Bus öffentlich angebunden und habe letztlich dann auch einen Radweg direkt vor der Haustür.

In einem zweiten Tagesordnungspunkt ging es dann um den Rückbau der Gleisanlagen. Nachdem mit 26. Juli der Auflassungsbescheid der Eisenbahnbehörde für das Teilstück vorliegt, können die Schienen zwischen der Hammerschmiedstraße und Gstadt entfernt werden. 139.316,52 Euro kostet das die Stadt. Das Schienenmaterial verbleibt bei den NÖ Bahnen und wird bei der Waldviertelbahn wiederverwendet.

SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr bekrittelte den Deal mit den NÖ Bahnen. „Während die Stadt 140.000 Euro für das He rausrausreißen der Gleise zahlen muss, beteiligen sich die NÖ Bahnen, die im Besitz der Gleise bleiben, nur mit 77.000 Euro“, sagte Bahr. „Dazu kommen noch 332.000 Euro, welche die Stadt für den Grundankauf an die NÖ Bahnen zu bezahlen hatte. Dieses Verhandlungsergebnis entspricht nicht unseren Vorstellungen.“ Es handle sich hier um eine Zerstörung von Infrastruktur und eine Schädigung des Klimas, sagte FPÖ-Mandatar Karl-Heinz Knoll. Die NÖ Bahnen bzw. das Land NÖ müssten die vollen Kosten des Rückbaus tragen. „Es kann nicht sein, dass wir für etwas bezahlen, das uns gar nicht gehört“, sagte Knoll. Zudem sei zu hinterfragen, ob nicht jene Grundstücke, die vor 100 Jahren für den Bau der Schmalspurbahn enteignet worden seien, nun nicht wieder zurückgegeben werden müssten.

Auch UWG-Gemeinderat Michael Elsner bekrittelte das Verhandlungsergebnis und wollte vom WVP-Stadtchef wissen, in welchem Umfang die Gemeinden des Inneren Ybbstals damals am Bahnrückbau beteiligt waren.

Es handle sich um denselben Passus, den auch die anderen Gemeinden hatten, antwortete WVP-Stadtrat Sommer. Die jetzige Aufregung könne er nicht verstehen, brauche man die Bahntrasse doch, um das Nadel ör beim ehemaligen Gasthaus zur Henne in der Radanbindung zu bewerkstelligen. Auch er wolle Bahn und Bus nicht gegeneinander ausspielen, hielt Sommer fest. „Wo die Schiene effektiv ist, muss sie bleiben. In schwerer zu erreichenden Gegenden macht aber der Bus mehr Sinn.“

Bürgermeister Werner Krammer (WVP) verwehrte sich gegen den Vorwurf, ein schlechtes Verhandlungsergebnis erzielt zu haben. „Die NÖ Bahnen machen das in unserem Auftrag, weil wir hier einen Radweg wollen“, hielt der Stadtchef fest.

Letztendlich wurde der Gleisabtrag von der WVP im Alleingang beschlossen. SPÖ, Liste FUFU und FPÖ stimmten dagegen. Die UWG enthielt sich der Stimme. Die Grünen waren nicht anwesend.

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