Bahndiskussion: Alle gegen die Volkspartei. Gemeinderat I / Dringlichkeitsantrag von SPÖ, UWG, FUFU, FPÖ und Grünen zur Ybbstalbahn mit Gegenstimmen der WVP abgelehnt.

Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
NOEN, Kössl
Die Opposition sprach sich geschlossen für einen Stopp des Schienenabbaus zwischen Gstadt und Hollenstein aus. Die WVP stimmte dagegen.
Von Andreas Kössl

WAIDHOFEN / Die Zuschauerränge im Waidhofner Rathaus waren am Montag vergangener Woche gut gefüllt. Rund 25 Bahnfreunde hatten Platz genommen, schließlich sollte das Thema Ybbstalbahn im Gemeinderat behandelt werden. SPÖ, UWG, Liste FUFU, Grüne und FPÖ brachten aus diesem Grund einen Dringlichkeitsantrag ein. Dieser wurde mit den Stimmen der WVP auch einstimmig auf die Tagesordnung gesetzt, beschlossen wurde er jedoch nicht. Die 20 Mandatare der WVP stimmten einstimmig dagegen.

"Mutwillige Zerstörung eines Kulturgutes"

Verlesen wurde der Dringlichkeitsantrag von FPÖ-Gemeinderat Karl-Heinz Knoll. Gefordert wurde, dass sich der Gemeinderat für einen Stopp des Gleisabbaus der aufgelassenen Ybbstalbahn aussprechen möge. Da der geplante Radweg auf Teilen der Trasse sowohl rechtlich als auch finanziell noch nicht abgesichert sei, würde die Schienendemontage auf dem Abschnitt Gstadt – Hollenstein eine mutwillige Zerstörung eines Kulturgutes bedeuten. Emotional gab sich UWG-Gemeinderat und Club-598-Obmann Siegfried Nykodem: „Man kann doch die Gleise nicht einfach blindwütig wegreißen“, so Nykodem. Abgesehen davon, dass man die Strecke zwischen Gstadt und Hollenstein vor nicht allzu langer Zeit um 20 Millionen Euro revitalisiert habe, gehe es hier auch um ein Stück Heimat, das zerstört werde.

Schienenabbau-Stopp: WVP stimmt nicht zu

Ins selbe Horn stießen auch Grün-Mandatar Erich Abfalter, der ein Umdenken einforderte, und FUFU-Gemeinderat Martin Dowalil. Dieser sprach von einer „parteipolitischen Machtdemonstration“ und bemängelte, dass es für den Radweg weder Konzept noch Finanzierung gebe. SPÖ-Stadtrat Alfred Beyer meinte, von den Radwegbefürwortern werde immer das wirtschaftliche Argument gebracht. Dieses zu widerlegen sei aber schwierig, man solle jedoch auch mal an die Nachhaltigkeit denken.

NOEN, Kössl
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In einer Aussendung spricht sich die SPÖ für ein Ja zum Radweg, allerdings in Kombination mit der Bahn, aus.

Die WVP blieb jedoch bei ihrem Nein zur Ybbstalbahn. Diese sei vor einigen Jahren wegen zu wenigen Fahrgästen und zu hohen Kosten von den ÖBB geschlossen worden, so WVP-Stadtrat Franz Sommer. Das an die Stelle der Bahn getretene Buskonzept sei bei weit geringeren Kosten wesentlich flexibler. Eine Parallelführung von Bahn und Radweg sei nicht möglich, ein Abweichen des Radwegs von der Strecke entlang der Ybbs aber unattraktiv.

10 Millionen "vom Landeshauptmann zugesagt"

Dass es kein Konzept und keine Finanzierung für den Radweg gebe, wollte die WVP so nicht stehen lassen. Die zehn Millionen vom Land NÖ für den Radweg seien vom Landeshauptmann zugesagt worden, so Bürgermeister Wolfgang Mair. „Wenn der Landeshauptmann das sagt, dann hält das“, so der Stadtchef.

Und WVP-Gemeinderat Erwin Reichenvater zitierte Aussagen von Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka, in welchen von „zumindest zehn Millionen Euro“ für den Ybbstalradweg die Rede ist.