Wienerlied und Volksmusik aus Waidhofen/Ybbs. Angelika Steinbach-Ditsch fusioniert traditionelle und moderne Musikformen zu einem neuen Ganzen.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 30. Juli 2021 (07:53)

Die Waidhofner Violinistin, Komponistin und Texterin Angelika Steinbach-Ditsch hat im Laufe ihrer Karriere in unzähligen Orchestern, Ensembles und Bands gespielt – derzeit liegt ihr Fokus auf dem Projekt dieSteinbach.

Klassische Ausbildung in der Jugend

Angelika Steinbach-Ditsch wurde in Waidhofen geboren und begann als Kind an der lokalen Musikschule Blockflöte und wenig später Violine zu lernen. Die Mitgliedschaft im Waidhofner Kammerorchester ließ sie bereits früh ihre Leidenschaft fürs Musizieren und Reisen entdecken.

Musik darf keine elitäre Sache werden, weder Klassik noch Volksmusik. Angelika Steinbach-Ditsch über niederschwelligen Zugang zu musikalischer Bildung.

„Das Kammerorchester war dann mein erstes Ziel, weil ich gemerkt habe, dass die auf Reisen fahren. Ein paar aus meiner Altersgruppe haben sehr viel geübt und sind dann schon als Kinder ins Kammerorchester gekommen. Dann durften wir nach Teheran, Dubrovnik oder Peking fliegen, und das war für uns die Welt – statt in der Schule zu sein in Peking auf irgendeinem Markt einzukaufen. Da habe ich gemerkt, dass mir das gut gefällt und ich das auch beruflich machen möchte.“

Nach ihrer Matura zog die Musikerin dann nach Wien und versuchte es mit dem Konzertfach Violine, was allerdings nicht klappte. Stattdessen studierte sie dann Musikwissenschaften und Psychologie und schloss mit einer Arbeit über die Oratorien von Franz Liszt ab. In die Zeit ihres Studiums fiel zudem die beginnende Begeisterung für heimische Volksmusik wie auch für traditionelle Musikformen anderer Kulturen. Dies eröffnete ihr eine neu gewonnene Freiheit des ungezwungenen Musizierens. Bald stellten sich die ersten Engagements ein, unter anderem bei Hubert von Goisern.

2003: Gastspiel bei „Stoahoart & Bazwoach“

Ende 2003 trat Angelika Steinbach-Ditsch der Band „Stoahoart & Bazwoach“ bei, wo sie nicht nur als Geigerin, sondern auch als Sängerin, Komponistin, Texterin und Arrangeurin tätig war. Sie blieb bis Anfang 2009 bei der Gruppe, die in dieser Zeit fünf CDs und eine DVD veröffentlichte und österreichweit wie auch international auf viele Konzertreisen ging.

Ungefähr ab 2007 beschäftigte sich die Künstlerin zudem immer mehr mit dem Wienerlied, was sich auch in ihrem eigenen Schaffen niederschlug, das seither oft als Fusion von Neuer Volksmusik und Wienerlied verstanden werden kann. Ebenfalls 2007 heiratete sie Heinz Ditsch, seines Zeichens Mitglied bei Kollegium Kalksburg, der mittlerweile auch bei dieSteinbach Akkordeon spielt.

In die nächsten paar Jahre fiel die Gründung mehrerer Ensembles, unter anderem Bilik’s Erben, Narish, Koschanod und Gürtelrosen. 2009 feierte dann die Gruppe dieSteinbach Premiere im Wiener Jazz-Club Porgy & Bess – 2010 konnte bereits das erste Album „Tram“ präsentiert werden. Seither folgten die Alben „Stadt. Land. Lied.“ (2014) und „Neiche Kerzn“ (2017), für Anfang 2022 steht die Veröffentlichung und Präsentation des neuen Albums „Variations of Limonimann“ auf dem Programm.

Die ersten Auftritte nach der Pandemie-bedingten Pause wurden bereits erfolgreich absolviert, unter anderem spielte die Gruppe bei der Reihe „Unter den Arkaden“ beim Schlosswirt in Waidhofen. „Es war von allen Seiten mit wahnsinniger Dankbarkeit verbunden, glaub ich. Die Musiker waren dankbar, dass sie endlich wieder spielen durften, und das Publikum war dankbar, dass sie endlich wieder raus durften. Es war wie ein Fest“, erinnert sich Angelika Steinbach-Ditsch und merkt an, dass sie der Stadt Waidhofen für die Durchführung des Events sehr dankbar sei.

Workshops und Kulturvermittlung

Gemeinsam mit Heinz Ditsch rief sie zudem das Polka Nova Festival ins Leben, das sich als Plattform für neue Volksmusik verstand und einige Male an verschiedenen Austragungsorten in Wien und Niederösterreich stattfand. In den letzten Jahren war Angelika Steinbach-Ditsch hauptsächlich mitdieSteinbach beschäftigt. Daneben absolvierte sie weiters eine Yoga-Therapie-Ausbildung und arbeitete dann vermehrt in diesem Bereich.

Schon seit vielen Jahren ist die Musikerin jedoch auch als Kulturvermittlerin tätig und hält unter anderem Musikworkshops für Kinder ab. Diese Workshops werden mitunter an Schulen angeboten: Ab nächsten Sommer wird es auch einen eigenen Schrammelklang-Workshop für Kinder im Rahmen des Schrammel.Klang.Festivals in Litschau geben.

Angelika Steinbach-Ditsch ist dabei besonders wichtig, dass diese Angebote für Kinder gefördert und dadurch leistbar bleiben: „Diese musikalische Bildung, die ich jetzt anbiete, darf nicht elitär werden. Wenn die Hemmschwelle Geld ins Spiel kommt, mag ich nicht mehr. Für mich muss das immer an der Basis bleiben und die Kinder abholen. Musik darf keine elitäre Sache werden, weder Klassik noch Volksmusik. Man darf das Geld nicht bei den Kindern oder den Familien abholen.“

Kommendes Jahr soll zudem der erste Teil einer Romantrilogie (voraussichtlich beim Verlag Suhrkamp) veröffentlicht werden, an der die Künstlerin arbeitet. Das Buch trägt den Titel „Motte“ und beschäftigt sich mit der genauen Beobachtung der eigenen Familie, hat dabei aber keine autobiografischen Züge.