„2faces“: Vertrackte Grooves aus dem Mostviertel. Das Funkrock-Ensemble „2faces“ war ab Mitte der 90er-Jahre ein Fixpunkt der Mostviertler Musiklandschaft.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 30. April 2021 (05:34)

Die Anfänge der Band „2faces“ gehen darauf zurück, dass eine Gruppe von Freunden aus der Gegend Scheibbs, Krummnussbaum, Amstetten, die sich regelmäßig in ihrem Stammlokal, dem legendären aber mittlerweile geschlossenen Loch Ness in Kendl, trafen, feststellten, dass sie eigentlich alle Musiker waren und daraufhin beschlossen, einmal gemeinsam Musik zu machen.

Die Freunde begannen also, sich zu Jam-Sessions zu treffen – damit war das erste Line-up von „2faces“ geboren, das aus Harald Fahrngruber am Schlagzeug, Andreas „Keule“ Adler an der Gitarre, Manuel Langer ebenfalls an der Gitarre, Klaus Buchmann am Bass und Hermann „Mandela“ Kloimüller an Gesang und Querflöte bestand. Von Anfang an spielte die Band ausschließlich Eigenkompositionen. Diese entstanden zum Großteil kollektiv im Proberaum, wie Gründungsmitglied Klaus Buchmann erzählt:

„Die Lieder sind eigentlich zum Großteil aus Jams entstanden. Wir haben geschaut, dass zuerst mal ein Groove da war, auf dem das Ganze aufgebaut worden ist. Aus dem ist dann ein Lied entstanden, dann am Schluss kam erst der Text dazu. Das war für uns eigentlich immer das Wichtigste an dem Ganzen: miteinander zu grooven. Und daraus ist das dann alles entstanden.“

„Unsere Musik ist auch deshalb so experimentell geworden, weil wir so unterschiedliche Typen in der Band hatten und jeder etwas eingebracht hat.“ Klaus Buchmann

Die Musik, die sich dabei entwickelte, könnte vereinfacht als Funk-Rock bezeichnet werden. Dies wird der Sache aber nur zum Teil gerecht, da die einzelnen Mitglieder aus sehr unterschiedlichen Richtungen kamen und sich alle in den gemeinsamen Sound einbrachten, was auch teilweise zu eher experimentellen Kreationen führte, wie sich Buchmann erinnert:

„Unsere Musik ist auch deshalb so experimentell geworden, weil wir so unterschiedliche Typen in der Band hatten und jeder etwas eingebracht hat. Der Schlagzeuger und ich kamen zum Beispiel mehr aus der Funk-Richtung, Keule war eher ein Metal-Typ. Und so hat jeder seine Sachen eingebracht und es ist eigentlich sehr experimentell geworden. Wir hatten oft in einem Lied vier, fünf verschiedene Rhythmen. Für die Leute war das manchmal nicht leicht zu hören, aber uns hat es Spaß gemacht.“

Auch der spätere Gitarrist Jan Schwingenschlögl erwähnt die unterschiedlichen Einflüsse und das Prinzip der stilistischen Freiheit beim Songwriting-Prozess der Band: „Es war im Prinzip alles möglich. Das waren noch Songs, die auch mal zwanzig Teile hatten und nicht nur Refrain und Strophe, wie das dann später gern mal beliebt war. Wir sind beim Proben dann zusammengestanden und haben gesagt, der Teil passt ganz gut, der passt auch ganz gut und der eigentlich auch, und dann noch ein Teil und noch ein Teil, und dann spielen wir noch einmal den ersten und dann spielen wir noch einen, und dann ist es immer noch nicht genug und wir spielen noch einen Teil rein, und das war halt dann der Song. Aber es hat eigentlich immer recht gut zusammengepasst.“

Dieses Prinzip setzte sich weiterhin im Laufe der Bandgeschichte und über diverse Besetzungswechsel hinweg fort. So konnten auch spätere Zugänge dem Bandsound ihren eigenen Stempel aufdrücken. Mit dem Beitritt des Saxofonisten Walter „Tarzan Perlmurl“ Lameraner fanden beispielsweise auch Elemente des experimentellen Musiktheaters Einzug in die Performance von „2faces“, die sich in eigens entworfenen, extravaganten Bühnenkostümen und selbst gebauten Instrumenten niederschlugen.

Zahlreiche Live-Auftritte und drei Alben

Im Laufe der nächsten Jahre spielten „2faces“ viele Konzerte im Mostviertel, unter anderem auch auf den einschlägigen Ybbstaler Festivals wie dem Grasberg Open Air und dem Url River Festival in Waidhofen, beim Böllerbauern in Haag und weiters einige Male im Loch Ness, dem Stammlokal der Band.

Legendäre Auftritte fanden zudem bei der Eröffnung des Lokals „Der Keller“ in Amstetten und beim „Grubenspektakel“ in Krummnussbaum statt. Bei den Live-Auftritten von „2faces“ kam es auch oft zu Gastauftritten anderer Musiker: So wurde die Band im Laufe der Jahre unter anderem von Sigi Meier (Drahdiwaberl, Hallucination Company), Klaus Zalud (u. a. Karl Ratzer, Crazy Heels) und Georg Edlinger (u. a. Bahöö, shineform, Tanga) musikalisch unterstützt.

Bereits 1995 entschloss sich die Gruppe auch, zum ersten Mal ihre Musik auf einem Tonträger festzuhalten und kontaktierte zu diesem Zweck Reinhard „Bugs“ Brunner, dessen ATS-Records Label und Studio in Molln ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für die lokale Musikszene war und ist. Das Produkt dieser ersten Studiosessions erschien 1995 unter dem Titel „Sä vörsd“, es folgten 1997 das Album „2faces“ und schließlich – mit neuer Besetzung – 2009 das Album „walking“. Sowohl Klaus Buchmann als auch Jan Schwingenschlögl nennen die Aufnahmesessions mit Bugs Brunner sowie die oben erwähnten Live-Auftritte als Highlights ihrer Zeit mit der Band.

Der vorerst letzte, öffentliche Auftritt von „2faces“ fand im September 2011 beim letzten Montmartre Festival im Wiener Türkenschanzpark statt. Danach wurde es aufgrund von örtlicher Entfernung einzelner Musiker und Zeitmangel eher ruhig um die Band. Die Musiker treffen sich aber (mit Ausnahme des letzten Jahres) nach wie vor mindestens einmal jährlich zu privaten Jam-Sessions. Der ursprüngliche Funke, der für die Gründung von „2faces“ verantwortlich war, die Freude am miteinander Grooven, brennt also weiterhin, und vielleicht gibt es ja auch wieder einmal einen Anlass, bei dem auch die Öffentlichkeit daran teilhaben kann.