Deaf by Unicorn: Musik als Ventil und Ausbruch. Das Waidhofner Alternative-Rock-Trio Deaf by Unicorn machte in den 2010er-Jahren mit mitreißenden Liveauftritten auf sich aufmerksam.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 28. Mai 2021 (09:47)
Deaf by Unicorn – Mario Plank, André Krenn, Marcin Kolodziejczyk (von links) – versorgten die Clubs und Beisln der Region in den 2010er-Jahren mit Alternative Rock und eingängigen Refrains.
Thomas Dichlberger, Thomas Dichlberger

Die Idee zur Gründung von Deaf by Unicorn entstand 2012/13, als André Krenn, der zuvor bei der Hard-Rock-Band Chucky on Speed spielte, sich musikalisch neu orientieren wollte. Mario Plank und Marcin Kolodziejczyk wiederum spielten damals in der Indie-Formation The Honeysweets, deren Konzerte André Krenn gerne besuchte. So lernten sich die drei beim Fortgehen kennen, und da die Honeysweets zu dieser Zeit auch immer weniger aktiv waren, beschlossen sie, gemeinsam ein neues Projekt zu starten.

Sänger und Gitarrist André Krenn erinnert sich: „Wir haben einfach mal zu jammen angefangen und die Musikstile, die uns damals getaugt haben und immer noch taugen, waren relativ ident. Wir waren alle auch geprägt vom Grunge der Neunziger, Foo Fighters und Nirvana zum Beispiel. Unser Ziel am Anfang war, dass wir einfach zu dritt Musik machen, auch unter dem Gesichtspunkt ‚weniger ist mehr‘. Wir wollten zu dritt einfach so viel Druck wie möglich machen, aber doch nicht nur laut sein, sondern dabei auch nicht die Melodie verlieren.“

„Deaf by Unicorn war, glaube ich, zu dem Zeitpunkt das, was unser aller Seelen befreit hat, musikalisch gesehen.“ André Krenn

So war also die neue Band geboren und bald darauf auf den Namen Deaf by Unicorn getauft – ein Name, der sinnfrei erscheinen und keine bestimmten Assoziationen erwecken sollte.

Schnell standen die ersten Konzerte ins Haus, die in der Scorbar in Waidhofen und auf privaten Feiern stattfanden. In den nächsten Jahren trat die Gruppe unter anderem im Rittersaal des Rothschildschlosses, beim Schaukraftwerk Schwellöd und in Clubs und Beisln der Region auf. Deaf by Unicorn spielten von Beginn an nur eigene Kompositionen, die mehrheitlich gemeinsam erarbeitet wurden. „Die Grundmelodien kamen großteils von mir, weil ich doch sehr harmonisch und melodisch geprägt bin. Ich sag immer, ich bin ein bisschen radiogeschädigt. Meine Kollegen wollten immer auch etwas eckiger musizieren und ich brauche immer ein wenig den Feinschliff. Getextet haben wir oft auch zu dritt, obwohl die anderen beiden den Großteil übernommen haben. Ich habe dann wieder eher den Aufbau der Songs beigesteuert“, erklärt André Krenn den Songwriting-Prozess.

Besondere Gewichtung legte die Gruppe auf die Mitsingqualitäten ihrer Refrains, wie der Gitarrist und Sänger erzählt: „Vor allem mir war immer sehr wichtig, dass man den Refrain beim zweiten Mal Hören mitsingen kann und dass er ins Ohr geht, aber auch richtig fetzt.“

Das gemeinsame Musizieren und das Erschaffen eines eigenen Sounds, eigener Songs waren für die Musiker auf gewisse Weise identitätsstiftend und füllten ein Loch im kulturellen Angebot der Region, wie André Krenn erklärt: „Ich denke, das ist für viele Musikerinnen und Musiker so, dass das Musikmachen auch ein Ventil und ein Ausbruch ist. Ich habe das besonders so empfunden, dass ich einfach ausbrechen will, weil ich mich auch nicht daheim gefühlt habe, mit dem, was rundherum so gemacht und gespielt wird, bei den Zeltfesten und so.“ In Zusammenarbeit mit Daniel Schiefer von der Gruppe Sankt Heinrich nahm die Band zudem eine EP auf. Erhältlich ist diese zwar nicht mehr, das Musikvideo zum Song „Can’t Get Enough“ ist jedoch noch auf YouTube abrufbar.

Coverband als Spaß-Projekt

Neben Deaf by Unicorn gründeten die drei Musiker auch zum Spaß das Cover-Projekt Die Musikfreunde und spielten teilweise sogar mit beiden Formationen am selben Abend.

Der Spaß an der Sache stand aber auch bei Deaf by Unicorn selbst stets im Vordergrund und André Krenn erinnert sich heute daran, dass das Projekt sehr befreiend für ihn war: „Deaf by Unicorn war, glaube ich, zu dem Zeitpunkt das, was unser aller Seelen befreit hat, musikalisch gesehen. Im Nachhinein betrachtet war das eine verdammt coole Zeit, und es hat verdammt viel Spaß gemacht, dass wir uns entfalten konnten.“

Die Mitvergangenheit ist hier allerdings auch nur bedingt die treffende Zeitform, da sich Deaf by Unicorn nie aufgelöst haben. Wie Krenn angibt, liegt das Projekt nur schon seit längerer Zeit auf Eis – es wird aber sicher wieder einmal etwas von Deaf by Unicorn zu hören geben. Man darf also gespannt sein.