Franz Fuexe: Jugend am Land mit Blick über Tellerrand. Seit 2012 haben sich Franz Fuexe aus Ybbsitz mit ihrer mitreißenden Mischung aus harter Rock-Musik und Mundart-Texten eine treue Fangemeinde erspielt.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 05. März 2021 (05:04)
Luca Mayr, Jürgen Schallauer, Matthias Leichtfried und Chris Pruckner (von links) sind Franz Fuexe. Mit ihrer aufregenden Mischung aus hartem Rock und direkten Mundarttexten hat sich die Ybbsitzer Band eine treue Fangemeinde zwischen dem Ybbstal und Wien erspielt.
C. Bianca Rauch

Die Ursprünge der Ybbsitzer Band Franz Fuexe liegen in der Freundschaft zwischen den Bandmitgliedern, die sich alle bereits zuvor aus der Schule, aus gemeinsamen WGs beziehungsweise aus Nachbarschaftsverhältnissen kannten. Rund um 2012 hatte man dann die Idee, dass man ja auch einmal ein gemeinsames Musikprojekt starten könnte und so kam es zur Gründung von Franz Fuexe.

Die musikalische Ausrichtung der Band war damals unter anderem von einer Vorliebe für geradlinige, treibende Rock-Musik mit Hardcore-Einflüssen geprägt. Suicidal Tendencies und Discharge waren etwa zwei Bands, die auf gewisse Weise inspirierend waren. Für die Gruppe war es aber von Anfang an ein großes Anliegen, einen eigenständigen, unverkennbaren Sound zu entwickeln.

Dazu gehörte auch die Entscheidung, dass die Texte im Mostviertler Dialekt verfasst werden sollten, wie Sänger Luca Mayr erzählt: „Als wir uns das erste Mal zusammengesetzt und überlegt haben, wie wir Texte schreiben – ob auf Hochdeutsch oder Englisch – war das eigentlich überhaupt keine Diskussion, sondern es war sonnenklar, dass die Texte auf Mundart geschrieben werden. Für mich war das auch immer eine Abgrenzung gegen den ländlichen Traditionalismus – aber so, dass man gleichzeitig auch nicht verkennt, woher man kommt. Der Dialekt ist die Sprache, in der wir uns am direktesten ausdrücken können. Deshalb ist das eigentlich nie zur Debatte gestanden.“

„Ich versuche bei der Musik zwar nicht auf Biegen und Brechen das Rad neu zu erfinden, aber ich versuche, es immer purer zu machen.“Jürgen Schallauer

Neben dem direkten Ausdruck habe diese Wahl auch die Möglichkeit geboten, sich sowohl mit den positiven als auch den negativen Seiten des Aufwachsens am Land auseinandersetzen zu können, erläutert Bandkollege Jürgen Schallauer. „Das ist sicher einer der wichtigsten Punkte: das Aufwachsen am Land und wie das so ist, wenn man dort ein Rebell ist. Aber dann kommt man in die Stadt und sieht den Unterschied. Das Landleben gibt einfach schon auch sehr viel her, wenn man das so betrachtet, das ist schon sehr lustig, diese Mischung aus Tristesse und Gemütlichkeit – und das halt auch damit gegenübergestellt, dass wir jetzt in Wien wohnen.“

Der Bandname Franz Fuexe geht auf eine Verballhornung des Namens des Attentäters Franz Fuchs zurück, hat aber für die Band keine tiefere Bedeutung, sondern soll diese erst im Zusammenspiel mit der Musik der Gruppe erhalten, wie Luca Mayr erklärt: „Für mich ging es am Anfang schon auch ein wenig um Provokation, aber ich bin auch ganz stark der Meinung, dass der Bandname nicht der Inhalt der Band ist. Es soll ein Hingucker sein und unverwechselbar, aber es ist ganz wichtig, dass der Bandname eigentlich erst durch den Inhalt der Musik aufgeladen wird.“

Arbeit an Debütalbum noch vor erstem Auftritt

Bevor die Band noch ihren ersten Auftritt spielte, machte sie sich bereits daran, an ihrem ersten Album zu arbeiten. Zuerst wurde viel in Wohnzimmern und im Proberaum vorgearbeitet. Dabei brachte insbesondere Schallauer mehr oder weniger fertige Songs mit, an denen dann aber gemeinsam noch gefeilt wurde.

Vor allem an den Texten wurde oft noch gemeinsam und intensiv gearbeitet. Mayr meint zu diesem Prozess: „Oft kommt man mit einer Seite Text daher und schlussendlich streicht man alles so weit raus, bis nur noch zwei Zeilen überbleiben, die dann wirklich verbaut werden.“ Aufgenommen werden konnte das erste Album, das unter dem Titel „Nihilismus 0.0“ 2014 erschien, im Studio der FH St. Pölten über Kontakte zu einem Freund, der dort studierte.

Im selben Jahr spielte die Band auch ihren ersten Auftritt beim Hammerwerk-Festival in Ybbsitz. Im Laufe der nächsten Jahre erspielte sie sich eine treue Fangemeinde, wobei vor allem das Mostviertel und Wien wichtige Einzugsgebiete wurden. In Waidhofen spielten Franz Fuexe zum Beispiel mehrmals bei Veranstaltungen des Vereins Förderband, in Wien war am Anfang vor allem das Venster 99 ein wichtiger Auftrittsort, später das Chelsea und das fluc. Kurz vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie schafften sie es, die kleine Halle in der Arena auszuverkaufen.

Das zweite Album „Die Neue Unordnung“ erschien 2017 und wurde wie der Vorgänger von der Band selbst verlegt, die sich dafür das Label „Du Depperte Sau Entertainment“ einfallen ließen. Für das dritte Album „> Musik“ fand die Band schließlich eine Labelheimat bei Honigdachs, einem Label, das bis dahin hauptsächlich durch Veröffentlichungen aus dem Hip-Hop-Bereich auffiel.

Andreas Kronsteiner

Für die Gruppe ist dieses Arrangement ideal, da es den Austausch mit Menschen ermöglicht, die ähnliche Ideale und Arbeitsweisen haben, aber nicht zwangsläufig die gleiche Musik machen müssen. „Honigdachs ist auch nicht wirklich ein gewinnorientiertes Label, sondern mehr eine Gruppe von Leuten, wo jeder auf die Expertise der anderen zurückgreifen kann und wo man sich gegenseitig unterstützt und hilft, mit den Fähigkeiten und Kompetenzen, die jeder in das Ganze mitbringt. Da sind halt echt gute Leute dabei, was das Musikmachen angeht, aber auch, was die Organisation angeht, zum Beispiel was das Einreichen von Förderungen betrifft“, erzählt Mayr.

Auch das nächste Album, an dem die Band derzeit gerade arbeitet, soll auf Honigdachs erscheinen. Wie Schallauer berichtet, wird es auch hier wieder musikalische Überraschungen geben, da ein frischer, sich immer erneuernder Zugang zu harter Rock-Musik mittlerweile auch schon zu den Grundmerkmalen von Franz Fuexe gehört: „Ich versuche bei der Musik zwar nicht auf Biegen und Brechen das Rad neu zu erfinden, das kann man eh nicht, aber ich versuche, es immer purer zu machen. Beim letzten Album hört man auch schon nach ein paar Sekunden, dass das wir sind. Ich versuch auch immer neue Sachen einfließen zu lassen: Beim Titeltrack vom letzten Album ist mir dann zum Beispiel ein Trap-Beat eingefallen, am nächsten Album wird es zum Beispiel einige Surf-Einflüsse geben.“

Dieser freie Zugang zu Musik, der Blick über den musikalischen Tellerrand ist für die Band außerordentlich wichtig und schlägt sich auch in ihrem Publikum, das eben nicht nur aus Leuten besteht, die grundsätzlich harte Rock-Musik mögen, nieder.

Auch die Wertschätzung von anderen Musikerinnen und Musikern beschränkt sich nicht auf eine eng umrissene Szene, so wurde zum Beispiel ein Freetek-Remix der Franz-Fuexe-Nummer „Des Kaunsd Da Denga“ eines französischen DJs zu einem großen Erfolg. Da die Live-Präsentation des neuen Materials für Franz Fuexe ein immens wichtiger Punkt ist, wird das vierte Album erst erscheinen, sobald es wieder möglich ist, Konzerte zu spielen. Bis dahin wird es voraussichtlich kleinere Veröffentlichungen geben.