Surf TV: Eigenständiger Indie-Rock aus Waidhofen/Y.. Zwischen 1994 und 2001 war die Waidhofner Formation Surf TV mit einer sehr eigenständigen Version von Alternative-/Indie-Rock in der Region aktiv.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 22. Januar 2021 (04:51)

Alex Wachauer (Bass) und Jörg Goldhalm (Gitarre und Gesang) kannten sich aus der Schule und beschlossen bei der gemeinsamen Heimfahrt von der Bundesheer-Musterung eine Band zu gründen. Kurz da rauf stieß Michael Schrefl als Schlagzeuger hinzu.

Ein geeigneter Proberaum war auch bald gefunden, brachte aber einige Beschwerlichkeiten mit sich. „Unser Proberaum befand sich am Maixenberg in Atschreith“, erzählt Alex Wachauer. „Wir trafen uns mindestens zweimal die Woche dort, um zu proben. Das war im Winter oft eine schwierige Angelegenheit, da dort oben bis zu einem Meter Schnee lag. Aber nichts war uns zu schwer, um zur Probe zu gelangen, manchmal auch mit der Rodel, wenn es mit dem alten VW-Bus gar nicht mehr ging.“

Im ersten Winter stieß auch Franz Kleinhofer als Sänger und Texter zur Gruppe, er stieg allerdings ein Jahr später aufgrund von Zeitmangel bereits wieder aus.

Surf TV wollten immer ihre eigene musikalische Vision verfolgen, ohne dabei auf Massentauglichkeit zu achten. Referenzen waren etwa Therapy?, Sonic Youth, Pixies, Half Japanese, Nomeansno, Velvet Underground oder Pearl Jam. So ergab sich ein sehr eigenständiger Stil, der auch dadurch unterstrichen wurde, dass die Gruppe (bis auf eine Ausnahme) nie Songs coverte. Wichtige lokale Auftrittsorte der Band waren das Url River Festival, die Hausmeninger Rocknächte oder die Stadtfeste von Waidhofen und Steyr.

Neustart 1997 mit Gitarrist Max Ertl

1996 kam es zu einer kurzen Pause in der Bandtätigkeit, danach starteten Surf TV mit neuem Proberaum und neuem Bandmitglied neu durch: Max Ertl, der zuvor bei Unable spielte, übernahm die zweite Gitarre. Im Laufe der Jahre entstanden drei Alben, die hauptsächlich bei Auftritten und im Freundeskreis vertrieben wurden.

Die erste CD „The Coral Is Smiling“ erschien 1997, die zweite „Miss Finer“ erschien 1999. Danach gab es noch ein Album mit einem Live-Mitschnitt aus dem Jugendzentrum Bagger. Die Gruppe lud auch immer wieder andere Musiker ein, bei ihnen mitzuspielen. So übernahm Heidrun Riedler zeitweise Gesangsparts und Thomas Fleischanderl war an Percussion-Instrumenten zu hören.

Aufgrund von Wohnortsveränderungen lösten sich Surf TV 2001 auf. Als Highlights der Bandgeschichte nennen die Musiker ein von ihnen selbst veranstaltetes Konzert im Jugendzentrum Bagger 2001, bei dem auch E.M.S. und die Sleeping Walkers auftraten, sowie ihren Auftritt im Planet Music (vormals Rock House) 1999 in Wien und ihr Abschlusskonzert beim Rain Rock Festival 2001.

„Dass wir als regionale Band so 300 bis 400 Leute in den großen Saal vom Rock House gebracht haben, war für uns schon etwas Besonderes“, sagt Wachauer. „Wenn man da als 17-jähriger Musikfan hinkommt und sieht, wer sonst noch so dort gespielt hat, ist das schon eine schöne Sache.“

Von den Bandmitgliedern ist einzig Jörg Goldhalm noch musikalisch aktiv. Er ist Bassist der Psych-Rock-Band „Der Blutharsch and the Infinite Church of the Leading Hand“.