Theatralische Rockshow in Ybbsitz. Mitte der 90er- bis in die frühen Nuller-Jahre konnte die Band Metal Schnulz mit ihren Mash-ups aus Schlagern und Rocksongs einige Erfolge feiern.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 02. Juli 2021 (10:43)
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Fotos von Metal Schnulz sind rar. Es gibt aber eine Kollage aus frühen Band-Tagen: Barbara Hochpöchler (jetzt Helm), Roman Beisser, Christoph Helm, Christian Umscheid, Roman Beisser, Christoph Helm, Barbara Helm, Josef Schick, Roman Beisser, Christian Umscheid und nochmals Josef Schick (von links).
Helm, Helm

Mit seinem Projekt Caligula Rachmaninoff war der gebürtige Ybbsitzer Christoph Helm bereits vor einigen Monaten Thema dieser Reihe. Zusammen mit Heinz Fallmann (Velvet Elevator), seinem Bruder Matthias Helm sowie zeitweise Peter Prinz und Wolfgang Rammel war er zuvor außerdem in dem Projekt Mom’s Favorite Nightmare aktiv.

Nach Caligula Rachmaninoff kam Metal Schnulz

Die Gründung von Metal Schnulz – das Projekt, welches Christoph Helms Leben die nächsten Jahre musikalisch prägen sollte – fiel dann direkt in die Zeit nach der Auflösung von Caligula Rachmaninoff.

Helm nahm ein Engagement als Gitarrist für den Auftritt eines kroatischen Sängers am Donauinselfest an, Bassist in dieser Band war Josef Schick aus Mistelbach. Letztendlich spielte diese Band nur einen Auftritt vor einem sehr kleinen Publikum, aber zwischen Christoph Helm und Josef Schick entwickelte sich eine Freundschaft und im Herbst 1993 brachte Schick die Idee zu einer Bandgründung vor.

Christoph Helm erinnert sich an die Anfänge von Metal Schnulz: „Die Idee war: Wir kreuzen Schlager mit Heavy Metal. Im Endeffekt war es aber so, dass das mit Metal nur am Rande zu tun hatte. Sowohl unser Bassist Josef als auch der Schlagzeuger Christian waren mehr so Siebzigerjahre-Rocker und so war das dann auch ungefähr von der Spielanlage beziehungsweise dem Idiom her.“

„Das war für mich das erste Projekt, wo ich mich an der Mash-up-Idee versucht habe. Das ist etwas, das ich jetzt auch noch immer mache, zum Beispiel bei meiner Discoband, den Bad Powells.“ Christoph Helm

Nach anfänglichen, weniger zufriedenstellenden Versuchen mit einem anderen Sänger stieg dann bald Roman Beisser als Vokalist ein, der durch seine ausgeprägte Bühnenpräsenz einen wichtigen Beitrag zur Show der Band lieferte. „Die Bühnenshow war so ein bisschen theatermäßig inszeniert. Wir waren quasi eine Familie, wobei Roman unser Vater war und Mandi Metal hieß. Der hat als Haarwuchsmittelvertreter gearbeitet. Das war die Rahmenhandlung“, erinnert sich Helm.

Als Sängerin und „Bühnenfrau“ Mandi Metals agierte in den frühen Tagen der Band die Musical-Schauspielerin Nina Schneider, die jedoch bald von Helms damaliger Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Barbara Hochpöchler (mittlerweile Helm) abgelöst wurde.

Stücke selbst arrangiert

Helm war hauptsächlich für das Arrangement der Stücke verantwortlich. Unter anderem gab es auch einige Mash-ups, also Kombinationen aus zwei oder mehreren unterschiedlichen Liedern, die zu einem neuen Ganzen geformt werden. So wurde zum Beispiel Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ mit dem Schlager „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“ kombiniert.

„Das war für mich auch das erste Projekt, wo ich mich an der Mash-up-Idee versucht habe. Das ist etwas, das ich jetzt auch noch immer mache, zum Beispiel bei meiner Discoband, den Bad Powells. Diese Idee, der DJ-Approach aber auf ein Bandarrangement umgelegt, hat mich immer schon interessiert. Ich glaube, dass das musikalisch durchaus originell war, was wir gemacht haben“, erinnert sich Helm.

Zwei legendäre Auftritte in Ybbsitz

Das Konzept ging auf und die Band wurde in den nächsten Jahren zu einer eingespielten Einheit, die bei unzähligen Auftritten, vor allem im Wein- und Mostviertel, aber auch darüber hinaus, das Publikum mit ihrer humorvollen Show begeisterte. Bis auf Helm und Barbara Hochpöchler kamen die meisten Bandmitglieder aus dem Bezirk Mistelbach, wo sich auch der Proberaum der Gruppe befand.

Auch in Christoph Helms Heimat Ybbsitz absolvierten Metal Schnulz zwei Auftritte, wobei der erste im Oktober 1995 im Gasthaus zum Goldenen Hirschen für den Gitarristen zu den Highlights seiner Zeit mit der Band zählt. Nach einigen erfolgreichen Jahren stieg Roman Beisser aus der Band aus und da kein adäquater Nachfolger gefunden werden konnte, übernahm Helm den Gesang, war damit aber selbst nie zufrieden.

Band völlig umgekrempelt

Auch er und Barbara Hochpöchler verließen bald daraufhin die Band und Josef Schick machte sich auf die Suche nach einem neuen Sänger und einem neuen Gitarristen. Die Profimusiker Werner Auer (Gesang) und Ulli Winter (Gitarre) konnten gewonnen werden.

Christian Umscheid wurde bald darauf am Schlagzeug von Wolfgang Luckner abgelöst, wodurch nur mehr Schick von der Gründungsbesetzung überblieb – letztendlich verließ aber auch er die Band und wurde durch Thomas Mora ersetzt. Die somit völlig umgekrempelte Band benannte sich in Schnulzenjäger um, löste sich dann aber relativ bald auf.