Tom Proll und Kingsize: Rauer Hard-Rock-Sound. Gitarrist und Bandleader Tom Proll über seine Band Kingsize, die es ausgehend vom Raum Amstetten-Waidhofen schaffte, auch international Erfolge zu feiern.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 15. Januar 2021 (05:58)

Kingsize wurde 1989 von Tom Proll (Gitarre) und Chris Peter (Gesang) gegründet. „Ende der Achtzigerjahre und Anfang der Neunzigerjahre gab es eine irrsinnig lebendige Bandentwicklung rund um Amstetten und Waidhofen“, erinnert sich Proll. „Das hat sich alles gegenseitig befruchtet.“

„Wir haben immer international gedacht und agiert. Irgendwann ist die Saat dann aufgegangen.“Tom Proll

Nach einigen Umbesetzungen im Gründungsjahr war 1990 gemeinsam mit Peter Patek (Gitarre), Gordon McMichael (Bass) und Peter Wagner (Schlagzeug) das erste stabile Line-up komplett. Der Sound orientierte sich damals hauptsächlich an Hard Rock und Heavy Metal im Stil von Bands wie Mötley Crüe und Poison. In der Region Ybbstal waren sie damit eine der ersten Gruppen aus diesem Genre und impulsgebend für spätere Bands.

Von Anfang an war Kingsize aber auch international unterwegs, so absolvierte die Gruppe bereits im Gründungsjahr eine Tour durch die DDR.

„Wir haben immer international gedacht und agiert. So haben wir etwa Promotion-Material auch immer an internationale Zeitschriften wie ,Rock Hard‘ und ,Metal Hammer‘ verschickt. Auch wenn die am Anfang nichts geschrieben haben, haben sie doch zumindest Kenntnis von uns genommen und irgendwann ist die Saat dann aufgegangen. Abgesehen davon braucht man in dieser Branche aber auch ein unglaubliches Glück“, erzählt Proll.

Die richtige Mischung aus Eigeninitiative, Risikobereitschaft und Glück verhalf der Band schließlich auch zu nachhaltigem Erfolg. So brachte es Kingsize im Laufe der Jahre auf über 800 Auftritte, unter anderem im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd, Saga und Uriah Heep, sowie zu Konzertreisen durch Russland, Japan und die USA. Lokal spielte man zum Beispiel am Url River Festival und mehrmals beim Ybbs Kraftwerk.

Wichtige Auftrittsorte waren auch die Burg Clam und das Sziget Festival in Budapest. Auch was die Produktion von Tonträgern anbelangt, zeigte sich die Band eifrig. Nach einem Demo-Tape erschien 1989 das erste Album „No Message“ auf ATS Records, wo auch die nächsten Veröffentlichungen der Gruppe erschienen. Später wechselte man zu Edel Records, heute übernimmt Tom Proll den Vertrieb seiner Musik selbst über sein Label Tomcat Records.

Sänger Chris Peter verstarb an Überdosis

1993 trennte sich die Gruppe aufgrund von Drogenproblemen von Sänger Chris Peter, der 2008 infolge einer Überdosis verstarb. Sein Nachfolger war Roman Dolezal, den die Band bei einem Auftritt im tschechischen Budweis, den sie gemeinsam mit der Waidhofner Band Splitternackt absolvierten, kennenlernte.

Dolezal, der damals bei der Gruppe Harlem sang, begeisterte die restlichen Kingsize-Mitglieder mit seinem melodischen Gesangsstil so sehr, dass sie ihn anwarben. Fortan pendelte er von Budweis aus zu den Proben nach Waidhofen.

1994 verlor die Band ihren Schlagzeuger Peter Wagner an ihre Labelkollegen Alkbottle, Mario Brodtrager übernahm. Im Laufe der Jahre kam es noch zu vielen weiteren Umbesetzungen – heute ist nur noch Bandleader Tom Proll von der ursprünglichen Besetzung übrig. Mit den frühen Nullerjahren wurde der Sound von Kingsize dann etwas weniger hart und mehr von Prog-Rock-Elementen à la Toto oder Dream Theater geprägt.

In den letzten Jahren war die Band nur sporadisch aktiv und soll bald auch zur Ruhe gelegt werden, zuvor soll es aber noch eine Abschiedstournee geben, sobald die Pandemie-Situation dies erlaubt. Zu diesem Anlass veröffentlicht Tomcat Records auch ein Box Set, das neben den Aufnahmen der Band auch ein Buch, ein Gitarrenpick und weitere Extras enthalten wird.

Als Highlights aus der langen Bandgeschichte nennt Proll einen Auftritt im Vorprogramm von Toto auf der Burg Clam und eine sehr freundliche Begegnung mit Lemmy Kilmister von Motörhead. Solo und mit seinem neuen Projekt The Johnny Alton Band wird Tom Proll aber auch nach dem Ende von Kingsize weiterhin Musik machen.