Tuskulum: Progressiver Folk-Rock aus dem Ybbstal. In den 90er-Jahren waren Tuskulum ein gerne gesehener Gast auf den Festivals. In den Nullerjahren wurde die Band kurzzeitig reaktiviert.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 26. Februar 2021 (05:14)

Tuskulum ging ursprünglich aus früheren Projekten der beteiligten Personen hervor: Wolfgang Tejral und Robert Bachler kannten sich aus der Schule und machten schon seit Mitte der 80er-Jahre gemeinsam Musik. Etwa ab 1986/87 begannen sie, eigene Songs zu schreiben, unter anderem beeinflusst von Bands wie Jethro Tull, die Folk- und Prog-Rock-Elemente miteinander verbanden.

1988 wurde dann die Gruppe Tuskulum offiziell gegründet – die Gründungsmitglieder waren Wolfgang Tejral (Gesang, Gitarre), Klaus Tejral (Schlagzeug), Robert Bachler (Gitarre) und Didi Kampmann (Bass). Da Wolfgang Tejral zudem schon seit seiner Kindheit Blockflöte spielte, wurde dieses Instrument ebenfalls in den Bandsound integriert. Auch andere akustische Instrumente wie Geige, Tin Whistle und akustische Gitarre wurden immer wieder herangezogen, wodurch die Folk-Einflüsse des einzigartigen Bandsounds unterstrichen wurden.

„Das ist schon eine super Erfahrung, wenn du merkst, du bist in der Erinnerung der Leute verankert und auch ein Teil ihrer Jugend.“ Wolfgang Tejral

Anfang der Neunzigerjahre beschlossen Tuskulum, ein Album aufzunehmen. Ein passendes Label und Studio dafür waren bald mit ATS Records von Reinhard „Bux“ Brunner in Molln gefunden. Das Ergebnis der Aufnahmesessions erschien 1993 unter dem Titel „Bottle Green“. In den nächsten Jahren spielten Tuskulum zahlreiche Konzerte und nahmen zudem erfolgreich an mehreren Bandwettbewerben teil.

Wichtige regionale Auftrittsmöglichkeiten waren damals ebenfalls die zahlreichen Open-Air-Festivals der Region, so zum Beispiel das Url River Festival, das Grasberg Open Air oder Rain Rock in Maria Neustift. Mitte der 90er-Jahre stieg Bassist Didi Kampmann aus Zeitgründen aus und wurde durch Max Stöckl ersetzt, der in den folgenden Jahren den Bandsound durch seine Bass-Arrangements und als Songwriter maßgeblich mitprägte.

Zweites Album „ What!“ mit neuem Bassisten

In dieser neuen Besetzung begannen Tuskulum dann auch, an ihrem zweiten Album zu arbeiten, und entschieden sich dazu, diesmal alle Aspekte der Produktion selbst in die Hand zu nehmen. Das Album „What!“ erschien 1997 auf dem bandeigenen Label Mud Music, das speziell für diese Veröffentlichung gegründet worden war.

Wolfgang Tejral erinnert sich an die Entstehungsgeschichte: „Wir wollten alles komplett analog aufnehmen und das haben wir auch gemacht. Wir hatten fünf, sechs Achtspurrekorder und haben eine Unmenge an Tonband verbraucht. Wir haben auch so ziemlich alle Fehler gemacht, die man beim Aufnehmen machen kann, aber wir hatten eben eine bestimmte Vorstellung, wie der Sound sein sollte. Letztendlich war das zweite Album nicht mehr so ein großer Erfolg, aber für mich ist es musikalisch nach wie vor ein absolutes All-Time-High, wenn auch vom Sound her vielleicht nicht ganz so klar wie das erste.“

1999 beschlossen Tuskulum sich aufzulösen, da sich mittlerweile die musikalischen Interessen der einzelnen Bandmitglieder zum Teil unterschiedlich entwickelt hatten. Einige Jahre später, um 2006/2007 herum, reaktivierten allerdings Wolfgang Tejral und Robert Bachler das Bandprojekt, diesmal mit Thomas Franz-Riegler am Schlagzeug, Josef Wagner am Bass und Anton Spreitzer an den Keyboards.

Auch diese Besetzung wurde auf einem Tonträger verewigt und zwar auf der EP „My Life“, die im Tonstudio Baumann in Steinakirchen aufgenommen wurde und 2007 auf Mud Music erschien. In den Jahren 2007 bis 2009 spielten Tuskulum erneut unzählige Konzerte.

An einen Auftritt beim Rain-Rock-Festival am 07.07.2007 erinnert sich Wolfgang Tejral besonders gerne zurück: „An das Datum erinnere ich mich noch genau, weil ich an dem Tag meine Frau kennengelernt habe, die war in der Bandbetreuung. Dort ist sozusagen der Grundstein einer großen Liebe gelegt worden. Wir sind heute noch verheiratet und haben zwei Kinder.“ 2009 beendete auch diese Version von Tuskulum ihre Aktivitäten. Wolfgang Tejral spielte in den folgenden Jahren unter anderem in den Formationen Mitterfeld und Woelf.

2014 gaben Tuskulum in der Besetzung aus den späten 90er-Jahren anlässlich des 25-jährigen Bandjubiläums noch einmal zwei ausverkaufte Konzerte an aufeinanderfolgenden Abenden im Rittersaal im Rothschildschloss in Waidhofen, die sowohl für die Band selbst als auch für ihr Publikum ein sehr emotionales Erlebnis waren: „Das ist schon eine super Erfahrung, wenn du merkst, du bist in der Erinnerung der Leute verankert und auch ein Teil ihrer Jugend.“

Wolfgang Tejral nennt als Höhepunkte aus der Zeit mit Tuskulum unter anderem die Aufnahmesessions für das erste Album, eine Tour, die sie von Oberösterreich über Tirol nach Südtirol führte, sowie einen Auftritt beim Flying Circus in Aschbach, einer aufwendig produzierten Veranstaltung, bei der die Bands in einem Zirkuszelt auftraten.

Derzeit ist er in keiner Band aktiv, betreibt aber seit 2002 das Label Lichtpunkt Records, auf dem zum Beispiel die „Klangwelten für die Seele“, eine Reihe instrumentaler Entspannungsmusik von Wolfgang Tejral und Andy Eichner, erscheinen.