Waidhofner Strings: Covers seit mehr als 50 Jahren. Die Strings sind in Waidhofen eine wahrhafte Rock-Institution. 1965 gegründet, spielt die Band noch immer.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 19. Februar 2021 (05:19)

In den 1960er-Jahren begann sich ein gesellschaftlicher Wandel abzuzeichnen, der von vielen unterschiedlichen emanzipatorischen Bestrebungen, wie zum Beispiel der Bürgerrechtsbewegung und der Anti-Vietnamkriegsbewegung in den USA, der Studentenbewegung in Frankreich und dem Second-Wave-Feminismus geprägt war. Damit einhergehend kam es auch generell zu einer stärkeren Bedeutung von Jugend- und Gegenkultur und damit verbundenen Kunstformen.

An vorderster Stelle standen dabei auch neue Formen der Rock-Musik, die Mitte der 1960er erfolgreich wurden. Bands wie die Beatles und die Rolling Stones in Großbritannien oder die Beach Boys in den USA verbanden dabei die ungestüme Energie von Rock’n’Roll mit klassischem Pop-Songwriting sowie im Laufe der Jahre mit einer Vielzahl an weiteren Einflüssen (u.a. Surf-Musik und Doo Wop bei den Beach Boys, Folk und klassische indische Musik bei den Beatles, Roots-Rock und Blues bei den Rolling Stones). So entstand eine neue, ungeheuer erfolgreiche und einflussreiche Musikkultur.

Auch im Ybbstal blieb diese Entwicklung nicht unbemerkt, und so beschlossen die Freunde Robert Schennach (Bass, Gesang), Reinhold Jarolim (Gitarre, Gesang) und Martin Fink (Gitarre, Gesang), die sich aus der HTL Waidhofen kannten, im Herbst 1965 gemeinsam eine Band zu gründen: die Strings. Mit Kurt S., einem Bundesheerkollegen von Robert Schennach, war auch bald ein Schlagzeuger gefunden. Diesen Posten übernahm allerdings zwei Jahre später Herbert Kronsteiner, der auch heute noch bei den Strings trommelt.

„Wenn wir in Hollenstein oder Göstling gespielt haben, sind halt hundert Waidhofner mitgefahren.“ Robert Schennach

Die Gruppe begann zu proben und bald auch in der ganzen Region Konzerte zu spielen, bei denen sie sich mit sorgfältig arrangierten mehrstimmigen Gesangsparts und generell einer fühlbaren Liebe zur Musik eine treue Fangemeinde erspielte. Das Repertoire der Strings setzte sich immer aus Cover-Versionen zusammen, vor allem von Musik der Sechzigerjahre. Unter anderem wurden auch Songs der drei eingangs erwähnten Bands gecovert und neu arrangiert.

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte gab es unter anderem Auftritte im Vorprogramm von Uli Baer, Wilfried, Jazz Gitti, Opus und Christina Stürmer, aber auch unzählige denkwürdige Konzertabende beim Waidhofner Stadtfest. Die Rolle als Cover- und Unterhaltungsband war auch immer eine, die die Gruppe gerne annahm, wie Robert Schennach betont: „Wir haben uns eigentlich immer als Tanz- und Unterhaltungsband gesehen. Wir hatten ein riesiges Stammpublikum, und wenn wir in Hollenstein oder Göstling gespielt haben, sind halt hundert Waidhofner mitgefahren. Da haben uns die Wirte natürlich immer gern gesehen.“

Eine skurrile Anekdote aus der langjährigen Live-Erfahrung der Strings ereignete sich, als sie im Vorprogramm von Christina Stürmer eigentlich nur 45 Minuten spielen sollten, wegen Verspätung des Haupt-Acts dann aber mehr als zwei Stunden mit einem ungeduldigen Publikum überbrücken mussten. Auch solche Umstände konnten die erfahrene Live-Band aber nicht aus der Fassung bringen.

Freundschaft als Schlüssel zum Erfolg

Zentral für den langjährigen Erfolg der Strings war sicher auch, dass die Bandmitglieder gut befreundet waren. Nachdem Martin Fink in den frühen Neunzigerjahren schwer erkrankte und verstarb, beschlossen die verbleibenden Bandmitglieder fortan zu dritt weiterzumachen und keinen Ersatz für ihren verstorbenen Kollegen zu suchen. Robert Schennach, Reinhold Jarolim und Herbert Kronsteiner verbindet heute noch diese Freundschaft sowie die Liebe zur Musik.

„Wir spielen heute noch gerne“, sagt Schennach. „Die Liebe zur Musik ist eben das Schönste. Nachdem wir beruflich aber alle immer sehr gefordert waren – ich war viel auf Auslandsreisen, ein Kollege ging für ein paar Jahre nach Sambia – mussten wir uns sozusagen die Zeit stehlen, um unsere Musik zu machen, da wäre für Studiobesuche oder dergleichen keine Zeit mehr gewesen.“

Als Live-Band kann man die Strings aber hoffentlich bald wieder erleben und in der Zwischenzeit haben sich die Bandmitglieder die Freude am gemeinsamen Musizieren auch im Lockdown nicht nehmen lassen und sind auf Online-Proben beziehungsweise das Versenden von Audio-Files ausgewichen.