Widerstand gegen neue Firma in Kematen. BIO-Brennstoff GmbH plant Upcycling-Park Anrainer steigen auf die Barrikaden. Die SPÖ startete eine Petition gegen das Vorhaben.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 23. Juni 2021 (05:58)

Die Firma BIO-Brennstoff GmbH, ein Unternehmen der Baumit-Gruppe, möchte in der Gemeinde Kematen einen Upcycling-Park errichten. Dabei geht es um eine Alu-Upcycling-Anlage entlang der B 121 am Standort einer Schottergrube der Firma Wopfinger. Die Wopfinger Transportbeton GmbH ist Teil der Schmid Industrieholding, zu der auch die Baumit Beteiligungen GmbH gehört. In diesem Upcycling-Park soll laut Projektunterlagen mittels einer neuen Technologie aus einem Reststoff aus der Aluminiumindustrie ein hochwertiges Schnellbindemittel hergestellt werden.

Konkret soll Salzschlacke, die bei der Aluminiumschmelze in Ranshofen bislang übrig blieb, durch einen thermischen Prozess in ein Produkt für die Baustoffindustrie umgewandelt werden. „Das nun in Kematen zum Einsatz kommende Verfahren ermöglicht praktisch ein vollständiges Upcycling und somit die Verwertung eines bis dahin ungenutzten Reststoffes, der nun nicht mehr behandelt und deponiert oder beseitigt werden muss“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. Das Verfahren sei bereits in einer Pilotanlage im niederösterreichischen Wopfing erprobt worden. In Kematen solle nun weltweit die erste Anlage dieser Art errichtet werden. Von einem „international zukunftsweisenden Leitprojekt der Kreislaufwirtschaft“ ist die Rede.

Firma verspricht strenge Umweltstandards

Hinsichtlich der Ökologie lege man großen Wert auf emissionsreduzierende Maßnahmen, versichert das Unternehmen. So werde im Upcycling-Park Kematen die „best-verfügbare Technik“ zum Einsatz kommen, allen voran eine Rauchgasreinigung, die strengste Umweltstandards erfülle und Emissionen auf ein Minimum reduziere.

Seitens der Anrainerschaft regt sich jedoch Widerstand gegen das Projekt. Man habe erst vor Kurzem zufällig von den Plänen erfahren, sagt Anrainer Johann Schlöglhofer, dessen Wohnhaus sich nur wenige hundert Meter von der geplanten Industrieanlage entfernt befindet.

Wie schon bei anderen Projekten und behördlichen Genehmigungsverfahren der vergangenen Jahrzehnte rund um die Kematner Forstheide solle auch hier nun abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit ein ökologisch zweifelhaftes Projekt umgesetzt werden, bekrittelt Schlöglhofer und zieht Parallelen zur Causa SMA in den 1990er-Jahren. Damals sollte in der Kematner Forstheide am Areal der Müller-Gutenbrunn-Gruppe eine Aluminiumschmelze errichtet werden. Nach massiven Widerständen in der Bevölkerung und dank des Einsatzes einer breit aufgestellten Bürgerinitiative wurde das Projekt letztlich abgeblasen.

Das aktuelle Projekt trage deutliche Züge eines „Greenwashings“, meint Schlöglhofer und verweist darauf, dass alleine Transport und Verarbeitung von Salzschlacke aus der Aluminiumschmelze besorgniserregend seien. Die Befeuerung des Schmelzofens durch sogenannte Ersatzbrennstoffe und Rejekte würde zudem unabsehbare gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Verbrennungsabgase bedeuten. Weiters führt Schlöglhofer den enormen Wasserverbrauch, den großen Strombedarf und das zu erwartende höhere Verkehrsaufkommen auf der B121 und den Anrainerstraßen sowie die Bodenversiegelung gegen das Vorhaben ins Felde und fragt: „Droht hier eine „SMA 2.0?“

SPÖ Kematen mit Petition gegen Vorhaben

Was den Anrainern zusätzlich aufstößt, ist, dass 2011 im Zuge der Genehmigung des Schotterabbauareals der Firma Wopfinger seitens der Behörde eine Rekultivierung im Anschluss an den Schotterabbau festgelegt worden war. „Allerdings zeigt die Praxis, dass die dazu verpflichtenden Auflagepunkte scheinbar legal umgangen werden können, indem diese durch eine nachträgliche Änderung der Widmung durch die Gemeinde außer Kraft gesetzt werden“, meint Schlöglhofer und wittert eine vorsätzliche Täuschung der Bürger. „Wieder einmal sollen die Profitinteressen einzelner Unternehmen über das Wohl der betroffenen Anrainerschaft gestellt werden“, beklagt Schlöglhofer.

Unterstützung bekommen die Anrainer von der SPÖ Kematen. Die Ortspartei hat eine Petition gegen die Anlage ins Leben gerufen. 318 Personen haben diese bis Redaktionsschluss unterzeichnet. „Es ist noch völlig unklar, wie das Verbrennen des Abfallstoffes Alu-Salzschlacke technisch funktionieren soll oder was unter der Bezeichnung ‚Ersatzbrennstoffe‘ für die Verbrennung gemeint ist“, sagt SPÖ-Gemeinderat Matthias Fischböck. „Unbekannt sind auch noch die gesundheitlichen Gefahren, die durch die Verbrennungsabluft entstehen können.“

Die SPÖ-Petition nicht nachvollziehen kann Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP). Dem Gemeinderat sei das Projekt vom Unternehmen vorgestellt worden. Dabei sei jedoch gerade einmal ein SPÖ-Mandatar anwesend gewesen. „Es handelt sich hier um ein riesen Zukunftsprojekt“, sagt Günther. „Das sollte man sich schon einmal anhören und sich damit befassen, ehe man es ablehnt. Ich möchte mir die Chance darauf nicht gleich verbauen.“

Das Vorhaben selbst möchte die Ortschefin aber noch nicht näher kommentieren. Man warte einmal die Meinung des Landes ab, erst dann sei der Gemeinderat am Zug, sagt Günther. Danach solle das Projekt der Bevölkerung präsentiert werden. Die notwendigen Widmungen seien jedenfalls bereits vorhanden, hält die Bürgermeisterin fest.

Dieses Projekt befinde sich erst im Anfangsstadium, heißt es seitens des Landes. Vollständige Unterlagen würden derzeit noch nicht vorliegen.

Man wolle in der aktuellen Entwicklungsphase von einer öffentlichen Kommunikation zum Thema noch absehen, heißt es seitens der BIO-Brennstoff GmbH. Ein ursprünglich für Donnerstag der Vorwoche angesetztes Pressegespräch wurde kurzfristig abgesagt.

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