Anton Kasser: Pfandsystem ist ein Muss

Gda-Obmann Anton Kasser über Trennmoral, Flurreinigung und Sammelquoten.

Erstellt am 03. April 2021 | 05:46
Anton Kasser Umwelt Abfallwirtschaft Bezirk AMS Pfandsystem ist ein Muss
An einem Pfandsystem für PET-Flaschen führt für den Präsidenten der Abfallwirtschaftsverbände, Anton Kasser, kein Weg vorbei. Foto: Umweltverband
Foto: Umweltverbände

Die Stopp- Littering-Aktion, also die alljährliche große Flurreinigung, kann auch heuer aufgrund der Corona-Lage nicht wie gewohnt mithilfe von Vereinen und Organisationen durchgeführt werden.

„Ich möchte mich daher bei den vielen Leuten und Familien bedanken, die das dafür nun im Kleinen machen und einfach beim Spaziergehen ein Stückchen Landschaft vom Müll befreien“, sagt der Obmann des Gemeindedienstleistungsverbandes, Anton Kasser. Müllsäcke und nötiges Zubehör zum Sammeln stellt der gda den Gemeinden wie gewohnt zur Verfügung.

„Wer den Plastikabfall verursacht, soll für die Entsorgung zahlen – und das sind die Produzenten.“gda-Obmann Anton Kasser

Nach wie vor sind es vor allem die viel befahrenen Straßen, an deren Rändern sich der Abfall häuft – vor allem PET-Flaschen, aber auch Verpackungsmaterial, das Autofahrer achtlos aus dem Fenster werfen. „Ich sehe es ja selbst oft an der Autobahnabfahrt St. Pölten-Ost. Es ist eine Schweinerei, was da alles herumliegt. Vielen Leuten fehlt noch immer das Umweltbewusstsein“, ärgert sich Kasser, der ja auch Präsident der Arge Österreichische Abfallwirtschaftsverbände ist.

Laut einer Studie, die die ARGE gemeinsam mit Gemeinde- und Städtebund in Auftrag gegeben hat, verursacht das Littering österreichweit im Jahr Kosten in Höhe von 130 bis 150 Millionen Euro.

Es ist übrigens durchaus möglich, Umweltsünder bei der Bezirkshauptmannschaft anzuzeigen. Wenn zum Beispiel ein Autofahrer eine Dose achtlos aus dem Fenster wirft, genügt dafür das Kennzeichen.

„Aber wer macht das schon. Öfter kommt es im Bezirk vor, dass Passanten den Verband über größere Mengen illegalen Abfalls informieren. Wenn wir da Hinweise auf den Verursacher finden, erstatten wir auf jeden Fall Anzeige und es kommt dann auch zu Verwaltungsstrafen“, erzählt Kasser.
Der Verbandsobmann appelliert einmal mehr auch an das

Umweltbewusstsein der Bürger. „Wenn ich mir zum Spazierengehen eine Getränkedose mitnehme, dann kann ich die leere Dose doch einfach wieder mit nach Hause tragen. Ich sehe nicht ein, dass wir bei jedem entlegenen Bankerl einen Müllkorb hinstellen müssen.“

Bezüglich Trennmoral gibt es im Bezirk aktuell Probleme mit Bioabfällen im Restmüll. Im Zuge der Umstellung von der Mekam-Tonne auf Restmüll- und Biotonnen haben rund zehn Prozent der Haushalte Letztere abbestellt. „Weil sie angeblich selbst kompostieren. Tatsache ist aber, dass der Biomüll jetzt oft in der Restmülltonne landet, was doppelt schade ist. Zum einen werden Ressourcen vergeudet, weil wir Biomüll ja in der Region als Kompost verwerten, zum anderen belastet es die Müllgebühren enorm. Wir zahlen beim Restmüll ja nach Gewicht“, erklärt der gda-Obmann.

„Der gelbe Sack ist eine Erfolgsgeschichte“

Eine Erfolgsgeschichte ist für Kasser nach wie vor der gelbe Sack für die Sammlung von Kunststoffverpackungen. „Und zwar österreichweit. Wenn wir ihn nicht hätten, müssten wir ihn auf die Sekunde einführen. Wir haben da auch sehr gute Steigerungen bei den Mengen und wir bekommen sehr saubere Ware. Da muss ich die Bevölkerung wirklich loben“, sagt der gda-Obmann.

Mit dem gelben Sack allein wird die von der EU vorgegebene 90-prozentige Sammelquote für Getränkeflaschen aus Kunststoff bis zum Jahr 2030 aber nicht zu erreichen sein. „Das glaubt bei uns nur die Wirtschaft, aber niemand, der sich fachlich mit Abfallwirtschaft beschäftigt. Da müsste im urbanen Raum um 100 Prozent mehr getrennt werden als bisher, was de facto unmöglich ist“, betont Kasser.

Derzeit liegt die Sammelquote für PET-Flaschen bei 73 Prozent. Aus Sicht des Präsidenten der ARGE Abfallverbände wird daher an der Einführung eines Pfandsystems kein Weg vorbeiführen. „Wir brauchen es und wir wissen auch, dass 80 Prozent der Bevölkerung das wollen. Leider bin ich da in der eigenen Partei aber oft ein einsamer Rufer in der Wüste. Der Wirtschaftsflügel der ÖVP lehnt das Pfandsystem ab. Aber nicht, weil es gute Argumente dagegen gibt, sondern weil man keine Veränderungen will. Diese Haltung muss sich grundsätzlich ändern“, scheut sich Kasser da nicht vor Kritik an den eigenen Reihen.

Für ihn ist klar: Wenn das Pfand für PET-Flaschen nicht kommt und dies ab 2030 Strafzahlungen für Österreich bedeutet, dann muss dafür zu 100 Prozent die Wirtschaft aufkommen. „Bisher haben wir den Fokus auf den Konsumenten gelegt und bewusstes Einkaufen eingefordert, doch es ist Zeit, dass wir die Diskussion breiter anlegen und schauen, wo der Plastikabfall eigentlich herkommt. Wer ihn verursacht, soll für die Entsorgung zahlen – und das sind die Produzenten.“