Blinde Passagiere: Ausgesetzte Katzen auf weiter Reise. Vier Kätzchen sind vor Kurzem in einem Container aus Wien angereist. Es wird vermutet, dass sie ausgesetzt wurden.

Von Stephanie Turner. Erstellt am 17. August 2017 (05:00)
Tierschutzverein Ybbstal
Es ist unklar, wie die Katzen in den Altgerätecontainer gelangt sind.

Auf dem Gelände der Recyclingfirma UFH in Kematen staunten einige Mitarbeiter nicht schlecht, als sie am vorletzten Dienstag vier kleine Kätzchen zwischen ausrangierten Kühlgeräten entdeckten. Beim Entladen eines Altgerätecontainers flüchteten die vier Samtpfoten auf das Gelände und versteckten sich in ihrer Panik. Zuvor dürften sie in diesem Container, der aus Wien angeliefert wurde, womöglich ausgesetzt worden sein.

"Sehen grundsätzlich gesund aus"

Ein paar Tage später, am Donnerstag, kontaktierte die Firmenleitung Maria Kuttner, Vizeobfrau des Ybbstaler Tierschutzvereins und Zuständige für den Bereich Katzen. Diese rückte so schnell wie möglich aus, um die verängstigten Kätzchen einzufangen.

Obwohl mit Futter gelockt wurde, dauerte es einige Stunden, bis schließlich am Freitag um zwei Uhr morgens das vierte und letzte Kätzchen in die Katzenfalle ging. Seither sind die vier in der Obhut von Kuttner. Auch der Tierarzt konnte schon einen Blick auf die ungefähr zehn bis zwölf Wochen alten Kätzchen werfen. Da sie aber zu dem Zeitpunkt noch sehr verschreckt waren, konnte keine vollständige Untersuchung durchgeführt werden.

„Wir können nicht genau sagen, wie lange die Katzen in dem Container waren und was ihnen widerfahren ist. Grundsätzlich sehen sie aber gesund aus, sie sind nur nach wie vor sehr scheu. Das ist auch der Grund, warum wir Tierfreunde suchen, die den Samtpfoten viel Geduld entgegenbringen können. Mittlerweile können wir sie streicheln. Zusätzlich möchten wir uns bei den Mitarbeitern der Recyclingfirma dafür bedanken, dass sie sich nach dem Fund so gut wie möglich um die Kätzchen gekümmert haben. So etwas ist nicht selbstverständlich“, erklärt die Tierschützerin.

Tierschutzgesetz könnte Mitgrund sein

Darüber, wie die Kätzchen in den Container gekommen sein könnten, hat sich Maria Kuttner bereits Gedanken gemacht: „Erst dachten wir, dass die Kleinen von der Mutterkatze in den Container gebracht worden sein könnten. Da ein Container aber meist keine drei Monate an einem Ort steht, erschien uns das dann doch unwahrscheinlich. Auch an dem Verhalten der Katzen konnten wir erkennen, dass es keine wilden Katzen sind. Unsere aktuelle Vermutung ist also, dass die Besitzer wegen des neuen Tierschutzgesetzes womöglich nicht wussten, was sie mit den unerwünschten Katzen tun sollten und sie schließlich deshalb in dem Container ausgesetzt haben.“

Diese umstrittene Tierschutznovelle, die seit Kurzem gilt, verbietet Privatpersonen – ausgenommen Landwirten und zertifizierten Züchtern – aber auch Vereinen, die kein Tierheim betreiben beziehungsweise keine Genehmigung der Bezirkshauptmannschaft haben, die Vermittlung von Tieren über das Internet oder über Printmedien. Vereinfacht gesagt heißt das, dass nun ausreichend geschultes Personal vor Ort und eine bewilligte Räumlichkeit notwendig sind, um für Tiere im Internet neue Besitzer suchen zu dürfen. Auch der Tierschutzverein Ybbstal musste sich eine derartige Bewilligung holen.

Für die Kätzchen wird nun ein Zuhause gesucht. Wer Interesse hat, kann sich unter 0650/4113860 melden.