Don’t Smoke: Geteilte Meinungen zum Volksbegehren. Geister scheiden sich beim Thema Rauchverbot. Viele pochen auf Wahlfreiheit der Wirte.

Von Daniela Führer, Peter Führer, Andreas Kössl und Lisa Hofbauer. Erstellt am 28. Februar 2018 (05:00)
Piaty
Konditor Thomas Piaty entschloss sich bereits vor acht Jahren dazu, sein Lokal in Waidhofen zu 100 Prozent rauchfrei zu machen. Im Vorjahr wurde auch der Schanigarten am Unteren Stadtplatz rauchfrei. „Die Entscheidung habe ich keine Sekunde bereut“, sagt Piaty

Das unter anderem von den Präsidenten der Wiener Ärztekammer und der Österreichischen Krebshilfe initiierte Volksbegehren „Don’t Smoke“ wurde zu Redaktionsschluss bereits von über 394.000 Personen unterzeichnet.

"90 Prozent der an Lungenkrebs Erkrankten sind Raucher"Bezirksärztevertreter Christian Eglseer

Einer der Unterstützer ist Bezirksärztevertreter Christian Eglseer. „Das Volksbegehren muss man zu 100 Prozent unterstützen, wenn man die Zahlen aus Österreich kennt. In Österreich sterben pro Jahr knapp mehr Leute an Lungenkrebs als an Dickdarm-, Brust-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zusammen.

90 Prozent der an Lungenkrebs Erkrankten sind Raucher. Zehn Prozent Nichtraucher, davon aber fast alles Passivraucher. Insgesamt arbeiten 60 Prozent der an Lungenkrebs erkrankten Nichtraucher in der Gastronomie. Die restlichen sind Passivraucher an sonstigen Arbeitsplätzen oder im familiären Umfeld“, macht er deutlich. Er nehme sowohl vonseiten der Ärzteschaft als auch vonseiten der Patienten viel Zuspruch zum Volksbegehren wahr, erklärt er. „Viele sagen, die Situation ist so nicht zumutbar“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

„Wenn die Nachfrage nach Nichtraucherlokalen da ist, wird sich jeder Gastwirt danach richten. Vorschriften sind nicht sinnvoll.“Wirt Mario Tazreiter, Opponitz

Harte Kritik äußert der Mediziner an der FPÖ. Zum Vorwurf von FPÖ-Gesundheitssprecherin und Medizinerin Dagmar Belakowitsch, die Unterstützer des Volksbegehrens seien parteipolitisch motiviert, erklärt Eglseer: „Ich kenne auch FPÖ- und ÖVP-Wähler, die das Volksbegehren unterschrieben haben. Das als parteipolitisch abzutun, ist völliger Quatsch.“

Ein ÖVP-Politiker, der das Volksbegehren unterzeichnen wird, ist der Waidhofner Bürgermeister Werner Krammer. „Ja, ich werde das ‚Don’t smoke‘-Volksbegehren unterschreiben. Vielerlei Aspekte spielen hier für mich eine Rolle. Das Rauchen in Gaststätten zu untersagen, ist für mich jene Vorbildwirkung, die ein Staat für seine Gesellschaft leisten muss.“

Mühlberghuber: "Wirten Wahlfreiheit lassen"

Edith Mühlberghuber, FP-Nationalratsabgeordnete aus dem Bezirk Amstetten, betont, dass die FPÖ sich dafür einsetze, den Wirten die Wahlfreiheit zu lassen. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Wirte entscheiden dürfen, ob ihr Lokal ein Raucher- oder Nichtraucherlokal sein soll“, sagt Mühlberghuber. Außerdem glaube sie, dass der Bürger mündig genug sei, selbst zu entscheiden, in welches Lokal er gehen möchte. „Man sollte bereits bei der Jugend mit der Prävention ansetzen. Es wäre sinnvoll, wenn die Jugendlichen gar nicht erst zu rauchen anfangen würden. Stattdessen will man jetzt die Wirte bestrafen.“

Konditorei Piaty seit acht Jahren rauchfrei

Eine Pionierrolle bei den rauchfreien Lokalen hat die Konditorei Piaty in Waidhofen. Seit mittlerweile acht Jahren ist das Rauchen in der kleinen Traditionsbäckerei am Unteren Stadtplatz nicht gestattet. „Wir waren damals das erste Café in Waidhofen, das sich zu diesem Schritt entschieden hat“, sagt Geschäftsführer Thomas Piaty. „Natürlich war es eine riskante Entscheidung und es hat negative, aber auch sehr viele positive Stimmen gegeben.“ Er habe die Entscheidung, seine Konditorei zu hundert Prozent rauchfrei zu machen, keine Sekunde bereut. Vergangenen Frühling ging Thomas Piaty sogar noch einen Schritt weiter: Er entschloss sich, auch den Schanigarten rauchfrei zu machen – ein Novum in Österreich.

Obwohl er überzeugter Nichtraucher ist, ist Thomas Piaty noch unschlüssig, ob er das derzeit laufende Volksbegehren unterstützen wird. „Ich finde, die Entscheidung, sein Lokal rauchfrei zu machen, sollte bei jedem Gastwirt selbst liegen“, sagt der Gastronom. „Manche Branchen tun sich schwerer, komplett rauchfrei zu werden und ein Nichtrauchergesetz sollte nicht ausschlaggebend dafür sein, ob ein Betrieb funktioniert oder nicht. Ich würde aber an alle Gastwirte appellieren, diesen Schritt zu wagen. Der Wunsch für rauchfreie Lokale ist nämlich vielerorts da.“

Tazreiter: Vorschriften vonseiten der Politik nicht sinnvoll"

Derselben Meinung ist auch Mario Tazreiter, Chef des Kirchen- und des Bruckwirts in Opponitz. „Grundsätzlich halte ich den Schutz von Nichtrauchern für sehr wichtig“, sagt er. Allerdings findet er, dass es im Eigenermessen der Gäste und der Gastwirte liegen sollte, ob es Raucherbereiche in einem Lokal gibt oder nicht. „Wenn die Nachfrage nach Nichtraucherlokalen da ist, wird sich auch jeder Gastwirt danach richten“, sagt Tazreiter. „Vorschriften vonseiten der Politik halte ich in dieser Hinsicht für nicht sinnvoll.“

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