ÖVP-Bauernvertreter: „Umdenken ist erkennbar“. Die ÖVP-Bauernvertreter aus dem Bezirk Amstetten, Anton Kasser, Mario Wührer und Josef Aigner, berichteten über Corona, Klimaschutz, Regionalität und Borkenkäfer.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 09. August 2020 (04:40)
ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser mit den Bauernkammerobmännern Mario Wührer und Josef Aigner (v.l.) beim Pressegespräch.
Hudler

 Zum Sommerpressegespräch lud ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser in den Allhartsbergerhof. Zentrales Thema war die Situation der heimischen Landwirtschaft, weshalb sich der Obmann des Bezirksbauernbundes Unterstützung von den beiden Bauernkammerobmännern aus Amstetten und Waidhofen, Josef Aigner und Mario Wührer, holte.

35 Millionen Euro mehr dank EU-Finanzpaket

Zufrieden zeigten sich die Bauernvertreter mit der Einigung der EU-Staaten auf ein gemeinsames Haushalts- und Finanzpaket, das der österreichischen Landwirtschaft 35 Millionen Euro mehr beschert. Dies sei ein Verhandlungserfolg von Bundeskanzler Sebastian Kurz, waren sich die drei ÖVP-Funktionäre einig, ebenso wie darüber, dass die erhöhten Umwelt- und Klimaziele in der gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) eine zusätzliche Herausforderung für die heimische Landwirtschaft seien. Mit der Budgeterhöhung einhergeht nämlich auch eine Umverteilung in Richtung Ökologisierung. „Viele Ansätze sind im Sinne des Klimaschutzes visionär“, meinte Aigner. „Manches erscheint für die Landwirtschaft aus jetziger Sicht aber noch etwas heftig.“

„Während andere in Kurzarbeit waren, ist der Arbeitsalltag für die Bauern normal weiter gegangen.“

Josef Aigner, Obmann der Bauernkammer Amstetten

Die EU-Fördergelder für die Landwirtschaft seien 1995 als Ausgleichszahlung eingeführt worden, hielt Bauernbundobmann Kasser fest. Über die Jahre habe sich dies verändert. „35 Millionen Euro mehr für die heimische Landwirtschaft sind sehr positiv. Dafür ist aber auch eine Leistung zu erbringen.“ Niederösterreich sei Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energie. Er verwies auf Fördergelder beim Umstieg von Ölheizungen auf alternative Heizformen sowie für Photovoltaikanlagen.

Landwirtschaft während Corona systemrelevant

Einig sind sich die drei Bauernvertreter, dass sich die Landwirtschaft während der Corona-Zeit als systemrelevant erwiesen habe, um die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln zu gewährleisten. „Während andere in Kurzarbeit und im Homeoffice waren, ist der Arbeitsalltag für die Bauern normal weiter gegangen“, sagte Aigner. „Die Konsumenten haben gesehen, dass es Sinn macht, regional einzukaufen und akzeptiert, dass die Einhaltung höherer Auflagen auch höhere Kosten mit sich bringt.“

Waidhofens Bauernkammerobmann Wührer plädiert für eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung landwirtschaftlicher Produkte in Großküchen von öffentlichen Gebäuden. Österreichischen Produkten solle dabei der Vorzug gegeben, eine CO2-Bepreisung für Produkte von weit her eingeführt werden.

Lob gab es von den Bauernkammer-Funktionären für das 400 Millionen Euro schwere Land- und Forstwirtschaftspaket, das die Bundesregierung im Juni schnürte. 350 Millionen Euro dieses „Entlastungspakets“ kommen der Forstwirtschaft zugute, 50 Millionen Euro betreffen Sozialversicherungsbeiträge und Steuern. Aigner stellte dabei klar, dass die ausverhandelte Pensionserhöhung von 450 Euro für die Bauernschaft nicht monatlich, sondern jährlich ausbezahlt werde und nur Mindestpensionsbeziehern zugute komme.

In der Forstwirtschaft ist der Borkenkäferbefall in Folge des Klimawandels ein massives Problem. Die Eindämmung sei bislang nur wenig gelungen, hielt Wührer fest. Das Paket der Bundesregierung für die Forstwirtschaft sieht er aber als gute Voraussetzung, um bislang entstandene Schäden zu kompensieren und wirksame Maßnahmen gegen den Borkenkäferbefall zu setzen.

Trinkwasserversorgung ist wichtiges Thema

Für Landtagsabgeordneten Kasser ist die Trinkwasserversorgung ein weiteres zentrales Thema. Er verweist auf zwei gerade laufende Studien. Bei der Abfallvermeidung verweist der Obmann des Gemeindedienstleistungsverbandes Region Amstetten für Umweltschutz und Abgaben, der Kasser ebenfalls ist, auf die Notwendigkeit, Plastikmüll weiter zu reduzieren. „Ohne Pfandsystem wird es nicht möglich sein, die Vorgaben der EU zu erreichen“, ist er sicher. Dazu beitragen soll auch ein „Geschirrmobil“, ein Autoanhänger, der mit Geschirr, Besteck und Geschirrspüler ausgestattet ist und der im Bezirk bald von Vereinen und Institutionen für ihre Festivitäten ausgeliehen werden kann.