Bleibt Bahn auf Schiene?. Ybbstalbahn / Zuversicht bei Bahnfreunden nach Ansage des Landeshauptmannes. Skepsis gegenüber Kombi-Lösung von Bahn und Radweg bei ÖVP-Vertretern. SPÖ-Gratzer: Wahltaktik.

Erstellt am 05. März 2013 (00:00)
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Rund ein Drittel des Radwegs soll auf der Bahntrasse verlaufen.
Von Andreas Kössl

YBBSTAL / Bahnfreunde aus nah und fern schöpfen derzeit Hoffnung, dass die Ybbstalbahn doch erhalten werden kann. Eigentlich ist die 117 Jahre alte Bahnstrecke seit rund einem Jahr bereits Geschichte. Ein 40 Kilometer langer Radweg soll auf Teilen der Bahntrasse errichtet werden. Doch seit einem Gespräch der Obleute von „Club 598“ und „Pro Ybbstalbahn“, Siegfried Nykodem und Thomas Vielhaber, mit Landeshauptmann Erwin Pröll sieht die Welt wieder anders aus.

In dem Gespräch hatte der Landeshauptmann den Bahnfreunden zugesichert, dass er einer Kombinationslösung aus Radweg und Tourismusbahn durch das Ybbstal gegenüber nicht abgeneigt sei. Eine dahin gehende Umsetzbarkeit solle geprüft werden. Ein Gespräch zwischen Land NÖ, NÖVOG, Radwegerbauern und Bahnfreunden wurde für März festgesetzt. Die NÖN berichtete. Grundsätzlich sei eine Kombination aus Radweg und Bahn durch das Ybbstal schon mehrfach geprüft worden, berichtet ÖVP-Teilbezirksobmann Andreas Hanger, der als Eisenstraße-Obmann federführend an der Umsetzung des Ybbstalradweges beteiligt ist. „Wenn eine derartige Lösung umsetzbar ist, bin ich der erste, der das befürwortet. Bisher haben wir diese Möglichkeit jedoch nicht gesehen“, zeigt sich Hanger skeptisch.

Der Radweg werde derzeit zu etwa einem Drittel auf der Bahntrasse geführt. Bei einem Weiterbestand der Ybbstalbahn wäre ein durchgehender Radweg vor allem im Ofenloch, aber auch weiter oben im Ybbstal eine große Herausforderung. Einer seriösen Prüfung solle aber nichts im Wege stehen, so Hanger weiter. Eine Entscheidung müsse aber rasch fallen. „Ich bin für die beste Lösung für die Region. Das Schlechteste aber wäre der Stillstand.“ Was den Betrieb einer Nostalgiebahn betrifft, so plädiert Hanger dafür, diese Kräfte zwischen Lunz und Göstling zu bündeln.

Skeptisch gegenüber einer Kombinationslösung aus Bahn und Radweg zeigt sich auch Opponitz‘ Bürgermeister Leopold Hofbauer (ÖVP). Beides nebeneinander würde etwa im Ofenloch eine eigene Tragekonstruktion erfordern, was aus finanzieller Sicht nicht machbar sei. „Die Bahntrasse gehört aber genutzt“, so Hofbauer. „Der Radweg ist dabei das bessere Konzept gegenüber einer Bahn ohne Radweg.“

Die Arbeiten am Radweg seien bereits sehr weit fortgeschritten, so Ybbsitz‘ Bürgermeister Josef Hofmarcher (ÖVP). „Wenn es der Wunsch des Herrn Landeshauptmanns ist, neuerlich zu prüfen, so soll das so sein. Die Prüfung muss aber umgehend erfolgen.“ Für realistisch hält jedoch auch Hofmarcher die Umsetzbarkeit eine Kombinationslösung nicht.

Anders sieht dies naturgemäß Hollensteins Bürgermeister Franz Gratzer (SPÖ). „Ich bin immer für eine Kombinationslösung eingetreten“, so Gratzer. „Das wäre mit Sicherheit eine touristische Aufwertung für die Region. Ein Radweg alleine bringt nichts.“ Wo es Problemstellen, wie etwa im Ofenloch, gebe, solle der Radweg auf der Straßenseite geführt werden. Dass die Ybbstalbahn bleibt und ein Radweg kommt, glaubt Gratzer dennoch nicht. Die Ansage von Landeshauptmann Erwin Pröll eine Woche vor der Landtagswahl wertet der Hollensteiner Ortschef als „wahltaktisches Manöver“.

Wäre das eine realistische Option, man hätte diese Möglichkeit schon längst geprüft, ist Gratzer überzeugt.