V8 Heart: Rock’n’Roll als Lebensaufgabe. The V8 Heart begeisterten in den 90er-Jahren mit ihrem authentischen Blues- und Classic-Rock das Publikum.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 14. September 2021 (15:29)

Harry Krupitzka (Bass und Gesang), Gerhard Schulleitner (Gitarre und Gesang) und Heinz Huber (Gitarre und Gesang) ließen für die NÖN ihre Zeit mit The V8 Heart sowie mit Vorgänger- und Nachfolgeprojekten Revue passieren.

Gründung nach Ende von Smoke Alarm

The V8 Heart wurde 1994 aus den Überresten der Band Smoke Alarm gegründet. Smoke Alarm waren der in Böhlerwerk aufgewachsene Harry Krupitzka, die beiden Kematner Gerhard Schulleitner und Heinz Huber und am Schlagzeug Christian Dallner aus Biberbach. Diese Gruppe entstand wiederum aus der Eggenberger Spezialpartie, benannt nach einer Biermarke, welche die Musiker damals gerne konsumierten.

Huber und Schulleitner kannten sich schon lange und hatten auch gemeinsam klassischen Gitarrenunterricht bei Alfred Polansky genommen. Krupitzka hatte ursprünglich als Schlagzeuger begonnen, kam aber dann bei einigen spontanen Jam-Sessions mit Schulleitner und Dallner auf den Geschmack, Bass zu spielen. Smoke Alarm waren einige Jahre aktiv und in diesem Zeitraum entstanden auch mehrere Eigenkompositionen, die später auch noch von The V8 Heart gespielt wurden. „Von der Kreativität her war Smoke Alarm meiner Meinung nach eigentlich das Beste. Da haben wir mehr eigene Sachen geschrieben“, erzählt Heinz Huber. Neben ihrem kompromisslosen Rock’n’Roll war die Gruppe auch dafür bekannt, dass sie sich in ihren Liedern brisanten Themen wie etwa der Rolle der katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg widmete.

„Von der Kreativität her war Smoke Alarm meiner Meinung nach eigentlich das Beste. Da haben wir mehr eigene Sachen geschrieben.“ Heinz Fischer über das Vorgängerprojekt von The V8 Heart.

Als Christian Dallner schließlich aus der Gruppe ausstieg, war das auch ihr Ende. Huber trat der Band The Trade bei, Krupitzka und Schulleitner gründeten mit dem Kematner Rudi Mörx als zweiten Gitarristen und Sänger sowie mit Gerhard „Hartl“ Kondelik aus dem Bezirk Amstetten am Schlagzeug das neue Projekt The V8 Heart. Der Name wurde einer Textzeile des Smoke Alarm Songs „Police Car“ entnommen und spielt auf die Leideschaft der Musiker für klassische, amerikanische Autos an.

Besetzungswechsel und Gastmusiker

Im Laufe des Bandbestehens spielten The V8 Heart auch immer wieder mit Gastmusikern und es gab einige Wechsel am Posten des zweiten Gitarristen, da Rudi Mörx längere Zeit in Thailand lebte. Krupitzka fasst die personellen Entwicklungen zusammen: „Der Rudi war zweimal weg, da ist zweimal der Heinz eingesprungen für ein halbes Jahr oder so. Und beim allerletzten Mal war der Heinz auch nicht mehr verfügbar, da war dann Zoltan dabei und wir haben den ,Quetschen-Hans‘ kennengelernt, der Hammond-orgel mit einem Leslie speaker gespielt hat, alles original aus den Sechzigerjahren und sehr schwer!

Das mussten wir alles in den ersten Stock in den Proberaum schleppen. In der letzten Ära hatten wir auch einen Mundharmonikaspieler, den Sedlinger Martin, dem hast du über Blues nichts erzählen brauchen, der war mit allen Wassern gewaschen. Das war schon eine messerscharfe G’schicht mit ihm.“ An den bürgerlichen Namen von „Quetschen-Hans“ konnte sich leider keiner der Beteiligten mehr erinnern. Stilistisch blieb die Band dem Blues- und Classic-Rock treu, die Veränderungen im Line-Up hatten aber sehr wohl auch Einfluss auf die Musik. „Wir haben eigentlich Rock’n’Roll und Blues aus den Sechziger- und Siebzigerjahren gespielt. Der Stil hat sich ein wenig geändert, als Heinz dazugekommen ist, da haben wir uns noch stärker an den Sechzigerjahren orientiert.

Davor mit Rudi war es mehr von den Siebzigern geprägt“, erinnert sich Gerhard Schulleitner. Als Proberaum und Studio konnte die Band ein Haus in Vestenthal nutzen, das bald auch zu einem wichtigen Treffpunkt für Jam- und Aufnahmesessions lokaler Musiker wurde. „Dort stand ein Haus beziehungsweise ein Stadel, wo jemand ein Studio mit Regieraum eingerichtet hatte. Dort konnte man 24 Stunden am Tag auf voller Lautstärke spielen,“ schwärmt Fischer und Krupitzka fügt hinzu: „Der Proberaum hatte 75 Quadratmeter und war als Fünfeck angelegt. Ursprünglich wurde das vom ,Stan Laurel Gedächtnisorchester‘ eingerichtet.“ Dort nahmen The V8 Heart auch zwei Demos auf, die allerdings nur für die Musiker selbst bestimmt waren und nie vertrieben wurden.

Ende der Band und Nachfolgeprojekte

Während ihrer aktiven Zeit spielten The V8 Heart unzählige Auftritte, unter anderem auf den beiden wichtigen Waidhofner Festivals, dem Url River Festival und dem Grasberg Open Air. Die Gruppe gastierte auch auf vielen Motorrad- und US-Car-Treffen, wo ihr Sound besonders enthusiastisch rezipiert wurde. Zwei legendäre Auftritte spielte die Band auch im Vorprogramm von Chris Jagger, dem Bruder von Mick Jagger. Einer davon fand beim Böllerbauer statt, der andere auf der Seebühne in Waldhausen. Dieser war dann auch der letzte Gig von The V8 Heart, die sich kurz daruf auflösten. Die Leidenschaft für die Musik haben die einzelnen Bandmitglieder aber nie verloren.

Schulleitner spielt Gitarre in Nätsch, der Band seiner Tochter, Fischer spielt Gitarre in Bananz, dem Projekt seines Sohnes und in der Rockabilly-Band The Lettners. Harry Krupitzka wechselte nach der Zeit mit The V8 Heart wieder ans Schlagzeug und spielte gemeinsam mit dem aus Thailand zurückgekehrten Rudi Mörx und Walter Gstettenhofer in Blues Ybbs, war später lange Zeit bei Salted Sugar und spielt heute regelmäßig in mehreren Jam-Projekten. Gerhard Kondelik war eine Zeit lang gemeinsam mit Heinz Fischer bei The Trade und spielt heute bei Timeless Rock und John TC & the Troubleshooters. Zoltan Pito ließ in den Neunzigern auch mit seiner Band Mac Animal von sich hören, heute spielt er ebenfalls bei Timeless Rock und ist als Solokünstler, Gitarrenlehrer und Direktor der Musikschule Neuhofen aktiv.