Klima-Spaziergang durch Stadt Waidhofen/Ybbs

„Climate Walk“ zum Thema Bodenversiegelung führte die Teilnehmer in neuen Wirtschaftspark Kreilhof, zum Zeller Hochfeld und zum Eurospar.

Erstellt am 25. August 2021 | 05:44
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Am 3. Juli haben sich Klimaaktivisten in Dornbirn auf den Weg gemacht, um im Zuge der Aktion „Climate Walk– Geh’ma, Austria“ Österreich von West nach Ost zu durchwandern. An mehreren Stationen wurde dabei haltgemacht, um gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung verschiedenste Aspekte des Klimawandels, wie Wasserverbrauch, Borkenkäferbefall oder Biodiversität, zu durchleuchten.

Die Intention der Aktion ist es, zu verstehen, wie Menschen den Klimawandel erleben und damit umgehen. Der „Climate Walk“ ist dabei Forschungsprojekt, Bildungsprojekt und Medien-Kunst-Projekt in einem.

Bevor der „Climate Walk“ am 7. September in Wien seinen Endpunkt findet, machten die Klima-Aktivisten am 50. Tag der Aktion vergangenen Freitagabend auch in Waidhofen halt. Organisiert vom Kulturverein Förderband und Vertretern der Waidhofner Klimaproteste, ging es dabei unter der Führung von Baustadtrat Martin Dowalil und Klimaaktivist Georg Wagner bei einer informativen Stadtwanderung um das Thema Bodenversiegelung. Pro Tag werden in Österreich 13 Hektar Boden verbaut und versiegelt. Aufgerechnet auf zehn Jahre entspricht das in etwa einer Fläche so groß wie Wien. Damit ist Österreich EU-weit Spitzenreiter in Sachen Flächenverbauung.

„Wir müssen wieder zurück vom Donut zum Krapfen. Dabei muss sich jede Stadt ihre individuelle Füllung überlegen.“ Klimaaktivist Georg Wagner

Boden sei eine wichtige Grundressource, hielt Klimaaktivist Georg Wagner fest. „Wir müssen den Bodenverbrauch eindämmen und den Humusgehalt der Böden wieder anheben. Denn humusreiche Böden sind für die Landwirtschaft ebenso zentral wie für die Ernährungssicherheit und den Katastrophenschutz.“

Ernährungssicherheit und Katastrophenschutz

Vom Werk- und Denkraum „Sturmfrei“ beim Waidhofner Hauptbahnhof machten sich die rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops, da runter auch politische Vertreter der SPÖ und der Liste FUFU, mit der Citybahn auf den Weg, um das Thema Bodenversiegelung an drei konkreten Beispielen zu besprechen.

Erste Station der Wanderung war das neue Betriebsgelände in Kreilhof. Es handle sich hier um ein doppelschneidiges Schwert, hielt Stadtrat Martin Dowalil, der als Bauausschussobmann auch für die Flächenwidmung in Waidhofen zuständig ist, fest. „Klar wird hier eine Wiese zerstört. Als Abwanderungsgemeinde wollten wir aber ein Betriebsgebiet schaffen. Deshalb haben wir gesagt, wenn wir hier schon Fläche versiegeln, soll das so ökologisch nachhaltig wie möglich erfolgen.“

So gibt es für alle Firmen, die sich im neuen Betriebsgebiet ansiedeln, ein verpflichtendes Energiekonzept. Die Fassaden der Gebäude werden begrünt, die Dächer mit Photovoltaikanlagen versehen. Entlang der Straße sollen Bäume gepflanzt werden und die Regenwasserableitung erfolgt mittels Drain-Garden-System.

„Wir haben immer versucht, diese Verkürzung zu verhindern“ Martin Dowalil

Dass zuletzt die Citybahn verkürzt wurde und nun nicht mehr bis zu dem neuen Betriebsgebiet führt, bedauerte Dowalil. „Wir haben immer versucht, diese Verkürzung zu verhindern“, hielt der FUFU-Chef fest. Weiters forderte er, dass die Stadt Waidhofen sich nur noch an Betriebsgebieten beteilige, bei denen ähnliche Öko-Auflagen wie in Kreilhof für die Betriebe vorgeschrieben sind.

Als zweites kam die Bebauung des Hochfeldes auf der Zell zur Sprache. Ein privater Grundeigentümer möchte dort eine Siedlung errichten. Durch die Nivellierung der NÖ Bauordnung sei dieses Vorhaben zwar vorerst verschoben, vom Tisch sei es aber noch nicht. „Die Liste FUFU spricht sich strikt gegen diese Bebauung aus“, sagte Dowalil. „Ohne Wohnbedarfsanalyse soll in Waidhofen keine Wiese mehr für neuen Wohnraum geopfert werden.“

Als letzte Station machte der „Climate Walk“ vor dem Eurospar im Vogelsang halt. Georg Wagner verwies auf die enorme Bodenversiegelung dort. Durch den riesigen Parkplatz werde hier einzig der Pkw-Verkehr gefördert, bekrittelte der Klimaaktivist. Generell sei ein Supermarkt am Rand der Stadt kon traproduktiv, um die Innenstadt zu beleben. „Die Städte haben sich in den letzten Jahren vom Krapfen, bei dem die gute Füllung in der Mitte ist, zum Donut entwickelt“, führte Wagner aus. „Wir müssen wieder zurück zum Krapfen. Dabei muss sich jede Stadt ihre individuelle Füllung überlegen.“

Auch das Thema Mobilität wurde beim Stadtspaziergang thematisiert. So findet es SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr fatal, dass als Belohnung für einen Einkauf in der Innenstadt von den Geschäften Gratis-Parktickets ausgegeben werden. „Man sollte hier andere Anreize liefern, indem man etwa Tickets für den Bus oder die Citybahn verteilt“, meinte der SPÖ-Chef.

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