Krisenstimmung im Handel in Waidhofen an der Ybbs. Vor großen Herausforderungen stehen in den nächsten Wochen kleine Geschäfte und Unternehmer.

Von Julia Zacher. Erstellt am 18. März 2020 (05:23)
Nahezu ausgestorben präsentierte sich die Waidhofner Innenstadt am Montagvormittag. Die Corona-Krise machte sich auch im Ybbstal bemerkbar. Nur vereinzelt waren Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Auch das Pkw-Aufkommen hielt sich sehr in Grenzen. Lediglich vor manchen Geschäften, etwa der Apotheke, wartende Menschen, da man nur eine begrenzte Anzahl an Leuten in die Räumlichkeiten reinließ.
Kössl

Seit Montag gelten starke Einschränkungen für Gastronomie, Handel und das soziale Leben in Österreich. Alle Geschäfte nicht alltagsnotwendiger Branchen bleiben geschlossen, Veranstaltungen sind untersagt, und Ausgangsbeschränkungen bedeuten, dass die Straßen Österreichs großteils leergefegt sind und das soziale Leben zum Erliegen kommt.

Für viele kleine Unternehmen und Geschäfte bedeutet das einen Wegfall der Umsätze – und die nächsten Wochen eine noch nie dagewesene Herausforderung.

„Viele Geschäfte sind jetzt verpflichtet, geschlossen zu halten – das wird sich sicher negativ auswirken“, sagt Stadtmarketingobmann Friedrich Hölblinger. „Das ist eine schwierige Situation, die für Kleinstunternehmen existenzgefährdend sein kann. Es bedeutet ja, dass die Umsätze auf null sind, die Kosten aber weiterlaufen.“

Panik solle deshalb keine entstehen, betont er. Angebote zu Kurzarbeit seien eine wichtige Möglichkeit, damit möglichst keine Angestellten gekündigt werden müssen. „Es ist wichtig, mit entsprechenden Maßnahmen zu versuchen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu lange dauert.“

„Der Andrang am vergangenen Samstagvormittag war vergleichbar mit der Vorweihnachtszeit.“Buchhändler Günther Hofer

Gerade die Osterzeit stelle für den Handel eine wichtige Umsatzquelle dar. Im Stadtmarketing ist man derzeit mit der Planung von diversen Aktionen für das Frühjahr beschäftigt, wie den Ostermarkt am 4. April. Dieser ist derzeit noch nicht abgesagt: „Wir werden noch zuwarten und sehen, wie sich die Situation entwickelt“, sagt Hölb linger.

Die Kunden könnten die kleineren Geschäfte aktuell unterstützen, indem sie nach Möglichkeit Waren nicht bei großen Anbietern im Internet bestellen, sondern mit Einkäufen abwarten, bis die lokalen Geschäfte wieder geöffnet haben.

„Totale Krisenstimmung“ herrscht im Blumenhandel, berichtet „Blumen-Resi“ Theresia Streißelberger. Für Floristen stellen die aktuellen Maßnahmen eine schwierige Situation dar. „Mit meinem Handwerk ist Homeoffice kein Thema“, sagt Streißelberger.

Nicht nur das Geschäft muss geschlossen bleiben: Viele Aspekte des Lebens, wo sonst Blumen zum Einsatz kommen, sind derzeit gestrichen: Hochzeiten sind abgesagt, Krankenhausbesuche untersagt, Online-Lieferdienste für Blumen ruhend gelegt. „Viele Frischware werden wir nicht verkaufen können. Wenn das Geschäft 14 Tage, drei Wochen geschlossen bleibt, muss man trotzdem die Löhne weiterzahlen. Ich versuche gerade, für die Mitarbeiter eine Lösung zu finden und für Rückfragen das AMS zu erreichen – aber da kommt man derzeit nicht durch.“

Doch auch sie unterstützt die von der Regierung verordneten Maßnahmen: „Solange wir die Gesundheit damit schützen können, ist jeder gefordert, einen Beitrag zu leisten und die Vorgaben einzuhalten. Wenn die Krise vorbei ist, sind wir wieder gerüstet und freuen uns, wenn die Kunden wieder treu zu uns kommen.“

Nicht nur Nudeln und Desinfektionsmittel waren in den letzten Tagen begehrte Ware, auch Bücher wurden noch rechtzeitig „gehamstert“, nachdem bekannt wurde, dass viele Geschäfte ab Montag geschlossen bleiben: „Der Andrang am vergangenen Samstagvormittag war vergleichbar mit der Vorweihnachtszeit“, erzählt Günther Hofer, Inhaber der Waidhofner Bücherecke. „Besonders Kinder und Schüler haben sich mit Büchern und Lernmaterialien eingedeckt.“

Auch die Bücherecke bleibt geschlossen, solange die Weisung gilt. Hofer hält die aktuellen Maßnahmen für sinnvoll – das Geschäft zu schließen, sei aber trotzdem auch für ihn ein schwieriger Schritt gewesen. „Wie andere auch werden wir Einbußen haben. Wenn es länger dauert, müssen wir uns anschauen, wie es weitergeht. Aber ich halte es für absolut nötig, zu verhindern, dass sich das Virus zu schnell verbreitet und die Situation eskaliert.“

Ganz zum Erliegen kommt das Geschäft für ihn nicht: Der Bücherecke bietet sich immerhin die Möglichkeit, über den eigenen Onlineshop oder per Mail auch trotz geschlossenem Laden Bücher zu verkaufen. „Die Kunden können diese momentan eben nicht im Geschäft abholen, aber wir bearbeiten Online-Bestellungen täglich und die Bücher werden nach Hause geliefert.“

Getanzt wird derzeit nur zu Hause

Auch getanzt wird derzeit nicht – oder nur zu Hause. In der Waidhofner Tanzschule Lauko finden bis Ostern keine Kurse statt, auch Privatstunden fallen aus. „Die meisten unserer Kurse außerhalb von Waidhofen halten wir in Gasthäusern ab, die derzeit ohnehin alle geschlossen haben“, erklärt Inhaberin Angelika Kaiser-Lauko.

„Die Kurse sind allerdings nicht ersatzlos gestrichen, sondern nur verschoben.“ Über Neuigkeiten zu nächsten Terminen werden Kursteilnehmer über die Website oder per SMS auf dem Laufenden gehalten, sagt Lauko. „Einstweilen bleiben wir konsequent daheim – momentan kann man nur zu YouTube-Videos im Wohnzimmer tanzen.“

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