Opponitz im Ausnahmezustand: "Rücken mehr zusammen". Opponitz war die erste Ybbstalgemeinde, in der Coronafälle bekannt wurden.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 25. März 2020 (04:23)
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Es ist ganz ruhig in der Gemeinde Opponitz – kaum jemand geht, wenn es sich vermeiden lässt, außer Haus. „Die Bevölkerung ist sehr diszipliniert und hält sich vorbildlich an die gesetzten Maßnahmen der Bundesregierung“, sagt Bürgermeister Johann Lueger. Natürlich sei die Verunsicherung im Ort groß – aber mindestens ebenso groß ist die Überzeugung, dass man das Coronavirus gut überwinden kann, wenn man zusammenhält.

Die Gemeinde Opponitz war die erste Ybbstalgemeinde, die am vorvergangenen Montag bestätigte Coronafälle vermelden musste. Doch schon vorher war im Ort eine große Unruhe zu spüren, wie Gemeindeärztin Doris Hofbauer-Freudenthaler berichtet: „Die Leute sind natürlich alle verunsichert und machen sich Sorgen“, sagt sie.

„So kaufen viele Patienten jetzt ihre Medikamente gleich in drei- oder vierfacher Menge ein, um ihr Haus möglichst wenig verlassen zu müssen.“ Dafür hat die Gemeindeärztin natürlich Verständnis – dennoch musste sie den Medikamenteneinkauf beschränken. „Leute dürfen derzeit maximal den Monatsbedarf an Medikamenten kaufen – und zwar ganz einfach deshalb, weil sonst nicht genug Medikamente für alle da sind“, sagt sie.

„Wenn die Sache durchgestanden ist, gehen wir vielleicht anders miteinander um und überdenken unsere Prioritäten.“Ortschef Johann Lueger

Doch auch ansonsten befindet sich der tägliche Ordinationsbetrieb im Ausnahmezustand. Während das Telefon kaum mehr stillsteht, kommen nur noch wenige Patienten persönlich in die Ordination. Blutabnahmen und andere Untersuchungen dürfen nur noch in dringenden Fällen durchgeführt werden. „Natürlich ist die ganze Situation jetzt sehr beunruhigend und ungewohnt“, sagt Hofbauer-Freudenthaler. „Dennoch ist es wichtig, dass wir zusammenhalten und uns nicht unterkriegen lassen.“

Zusammenhalt – ein Wert, der in Opponitz gerade besonders spürbar ist, sagt Bürgermeister Lueger. „Man merkt, dass die Leute mehr zusammenrücken. Besonders dankbar bin ich, dass die beiden wichtigsten Säulen für die Bevölkerung – die Nah- sowie die Gesundheitsversorgung – trotz Krise weiterhin aufrechtbleiben“, sagt Lueger.

Bäckerei richtete Lieferdienst ein

Der einzige Lebensmittel-Nahversorger im Ort, die Bäckerei Rosenberger, hat für die Bevölkerung ein besonderes Service eingerichtet: einen Lieferdienst. „Wir bereiten im Geschäft die gewünschten Waren vor und liefern diese dann aus“, sagt Carina Resch. Alles, was für den täglichen Bedarf gebraucht wird, ist zur Genüge vorhanden, beruhigt sie. „Natürlich kann es sein, dass einzelne Waren von Zeit zu Zeit ausverkauft sind, aber diese werden dann innerhalb weniger Tage nachgeliefert. Sorgen diesbezüglich muss man sich also keine machen“, sagt Resch.

Auch von den berüchtigten „Hamsterkäufen“, über die andernorts geklagt wird, merke man in Opponitz derzeit weniger. „Zuerst haben die Leute schon sehr viel gekauft, zurzeit ist es aber wieder ruhiger“, sagt Resch. Auch sie spricht von einer Welle an Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme. So komme es beispielsweise oft vor, dass jüngere Personen für ihre älteren Nachbarn oder Angehörigen Einkäufe erledigen. Die im Geschäft ausgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen – Abstand voneinander und zu den Verkäuferinnen halten, nicht mehr als drei Personen gleichzeitig im Geschäft – werden diszipliniert eingehalten, berichtet Resch.

Sicherheitsvorkehrungen auch bei Feuerwehr

Genauso wenig Sorgen wie um die Gesundheits- und die Lebensmittelversorgung muss man sich um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr machen. „Natürlich greifen auch bei uns die Sicherheitsvorkehrungen, die von der Bundesregierung getroffen wurden“, sagt Feuerwehrkommandant Werner Pießlinger.

So halten sich die Kameraden nur im Feuerwehrhaus auf, wenn es zwingend notwendig ist, und halten zurzeit weder Sitzungen noch Übungen und Schulungen ab. „Wenn es zu einem Einsatz kommt, koordinieren wir im Vorfeld, wie viele Leute für diesen notwendig sind, und dann fahren wir mit dem Mindestmaß an Personen raus“, sagt Pießlinger.

Natürlich hofft man in Opponitz, dass die ganze Krise bald überwunden ist – und will auch mit allen Kräften dazu beitragen, dass dies geschafft werden kann. „Das Ganze ist auf jeden Fall ein riesengroßer Lernprozess. Wichtig ist, dass wir Vertrauen in uns und ins System haben“, sagt Lueger. „Und wenn die ganze Sache durchgestanden ist, gehen wir vielleicht auch in Zukunft anders miteinander um und lernen, unsere Prioritäten anders zu setzen.“