„Die Zuständigen haben größtes Wissen“. Der Leiter der neuen Stabstelle Standortentwicklung über Markenentwicklung, Rothschildschloss, Kulturangebot und touristische Verbesserungen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 17. Juni 2014 (07:01)
Josef Lueger ist seit 1. April als Schnittstelle zwischen Magistrat und Politik für die Stadt- und Standortentwicklung Waidhofens zuständig. Foto: Kössl
NOEN, Kössl

NÖN: Herr Lueger, Sie sind nun seit 1. April Leiter der Stabstelle Standortentwicklung der Stadt Waidhofen. Was sind Ihre Aufgaben?
Josef Lueger: Grundsätzlich habe ich sieben Arbeitsfelder. Das sind Kultur, Tourismus und Freizeit, den Veranstaltungsbetrieb –, speziell das Rothschildschloss, die Zentrumsbelebung, die Quartiersentwicklung, die Markenentwicklung und das Stadtmarketing, womit Innenstadt und Kaufmannschaft gemeint sind. Von mir wird erwartet, dass in meiner Stabstelle klare Inhalte entwickelt und koordiniert umgesetzt werden – das heißt, nicht nebeneinander agieren, sondern miteinander.

„Gemeinderat hat damit einen politischen Auftrag formuliert 

Sie agieren dabei als Schnittstelle zwischen den zuständigen Magistratsbereichen und der Politik?
Genau. Die Herausforderung dabei ist, dass man bisher sehr nach Organigramm organisiert war, wobei dieses sehr hierarchisch angelegt war. Ich finde es nun spannend, dies so umzukehren, dass die Mitarbeiter in den einzelnen Bereichen so befähigt werden, dass sie eigenständig und eigenverantwortlich ihre Bereiche entwickeln können. Die zuständigen Leute haben ja das größte Wissen, weil sie ständig damit zu tun haben.Wichtig dabei ist auch, dass wir für Kunden arbeiten. Wir sind Dienstleister – für den Bürger ebenso wie für den Gast.

Inwiefern hat die Politik Einfluss auf Ihre Arbeit? Wie frei können Sie dabei agieren?
Die Politik hat via Gemeinderatsbeschluss entschieden, dass wir so eine Stabstelle wollen. Darin eingepackt sind auch die Aufgabenfelder und die Zielsetzungen. Damit hat der Gemeinderat auch einen politischen Auftrag formuliert. Ich fühle mich daher nicht frei, aber gut abgesichert und mit einer guten Basis ausgestattet.

Ihre Stelle hat es ja bislang in Waidhofen nicht gegeben. Warum wurde eine Stabstelle Standortentwicklung eingeführt?
Im Zuge der laufenden Markenentwicklung hat man erkannt, dass es gewisse Bereiche gibt, wo nebeneinander und nicht miteinander agiert wird. Diese Stelle ist aber sicher auch entwickelt worden, weil Waidhofens Innenstadtkoordinator Johann Stixenberger daran denkt, sich mehr und mehr zurückzuziehen. Deshalb gibt es auch den Bereich Stadtmarketing und Zentrumsentwicklung.

„Kulturstandort ist ein sehr guter und wird gut betreut“

Auf welche Arbeitsfelder konzentrieren Sie sich derzeit?
Die Ausentwicklung der Marke ist derzeit die Nummer eins. Erst dann kann ich in den anderen Arbeitsbereichen an die Umsetzung gehen. In Stadtmarketing und Zentrumsentwicklung bin ich aufgrund der Breite noch nicht hineingegangen. Das ist nach dem Sommer geplant. Bleiben also die drei Kernbereiche Kultur, Tourismus und Veranstaltungsbetriebe.

Gibt es hier Bereiche, wo dringenderer Handlungsbedarf besteht als bei anderen?
Wo Entwicklungsbedarf herrscht, ist die Positionierung des Rothschildschlosses. Wofür steht es? Handelt es sich um ein am Gemeinwohl orientiertes Projekt? Schließlich habe ich da ja das Archiv, die Stadtbibliothek und ein Museum drinnen. Daneben hat man aber auch andere Räumlichkeiten, die jetzt nicht ganz optimal zueinander organisiert sind. So hat man mit Hochzeit und Clubbing tolle Nutzungsmöglichkeiten. Es ist aber schwierig, nach einem Clubbing unmittelbar eine Hochzeit abzuhalten. Damit müssen wir uns befassen. Wie kann man diese Räumlichkeiten optimal bewirtschaften?

Und wie schätzen Sie das Kulturangebot ein?
Hier ist augenscheinlich, dass der Kulturstandort ein sehr guter ist und gut betreut wird. Man hat ein sehr vielfältiges und hochkarätiges Programm. Wenn ich vor der Frage stehe, was wir hier verbessern sollten, so ist es nicht die Anzahl der Veranstaltungen, sondern eher das Positionieren und Bewerben der Veranstaltungen. Wir müssen schauen, wie die verschiedenen Angebote am besten zu einem Besuchsargument werden können – also ein Schulterschluss hin zum Tourismus. Dazu kommt etwas, worin ich Riesenpotenzial sehe: der Markt. Die Positionierung von Waidhofen als sinnliche und genussvolle Stadt, wo Stadt und Land sich treffen, kann man hier gut ausspielen.

„Ich sehe nicht die Notwendigkeit, große Infrastrukturen zu bauen. Grundsätzlich hat Waidhofen schon sehr viel.“
Johann Lueger, Stabstellenleiter Standortentwicklung

Was gilt es in Sachen Tourismus noch zu tun?
Nachdem ich aus der Region komme und diese sehr gut kenne, die letzten Jahre aber außerhalb verbracht habe und auch jetzt jede Woche komme und wieder gehe, erlebe ich Waidhofen aus einer gewissen externen Rolle heraus. Da sind es auch die kleinen Dinge, die mir auffallen: Wie werde ich vom Bahnhof in die Stadt geleitet – als Fußgänger, Radfahrer oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Am Weg komme ich an einer Stelle am 5e-Museum vorbei, auf dem leichter Moosbefall ist. Da denke ich wäre es gut, das Gebäude wieder einmal zu säubern. Oder ich komme am Stadtturm vorbei und frage mich, wo ich hier die Information finden kann. Bei genauerem Hinsehen gibt es ein „i“-Zeichen. Aber das ist in Bodennähe und wenn Autos davorstehen schwer zu finden. Der Tourismus fängt für mich also mit kleinen Dienstleistungen an.

Geht es nur darum, Vorhandenes besser zu verkaufen oder auch darum, Neues zu entwickeln?
Ich sehe nicht die Notwendigkeit, große Infrastrukturen zu bauen. Grundsätzlich hat Waidhofen schon sehr viel. Dabei ist es aber wichtig, dass man auf die Dörfer auf den Hügeln nicht vergisst – wir haben Wanderwege und Mountainbikerouten. Für mich ist das Verknüpfen zentral. Die Marktzeiten sollten zu einem touristischen Angebot gemacht und kulturelle Veranstaltungen mit diesem Angebot vernetzt werden.


Zur Person

Josef Lueger ist gebürtiger Ybbsitzer. Er hat das BRG in Waidhofen besucht und danach an der TU Wien Raumplanung studiert. Nach dem Studium war er in der Regionalentwicklung in Retz tätig, bevor er zwischen 1997 und 2004 Geschäftsführer des Kulturparks Eisenstraße war. Von 2004 bis 2012 war er am Aufbau der Seestadt Aspern beteiligt. Seit Ende 2012 ist Lueger mit seiner Agentur JOSEF selbstständig.