Ein Aschenbrödel wie im Märchen. Volksbühne / Das „Aschenbrödel“ der Gebrüder Grimm steht noch in der Karwoche am Spielplan: märchenhaft inszeniert auf hohem Niveau.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 15. April 2014 (23:59)
NOEN, Leo Lugmayr
Das bildhübsche Aschenbrödel konnte nicht nur das Herz des Prinzen, sondern auch die Herzen der jungen Theatergäste gewinnen. Foto: Leo Lugmayr
Schuhgröße 39 müsste man haben, um sich als Prinzessin qualifizieren zu können. Aber das allein reicht bei Weitem nicht. Das wurde den Besuchern der Premiere von Aschenbrödel schlagartig klar, als die Titelheldin (wunderbar edel und sanft verkörpert durch Pia Litzlbauer) erstmals dem Prinzen (Daniel Aspalter) unter die Augen trat: Es ist die Magie der ersten Begegnung, die das Herz bewegt.

Klug auf Kindersprache abgestimmte Neubearbeitung

Die Inszenierung hat Michaela Hilbinger – unterstützt von Manuela Eichleter – wirklich toll erarbeitet. So brachten die 14 Schauspieler den Märchen-Klassiker in einer von Hilde Fally klug auf Kindersprache abgestimmte Neubearbeitung zur Aufführung.

Schon bei der Premiere gab es keine Schranken zwischen dem Ensemble und dem Publikum: Beim Rundgang durch die Ränge fehlten Berührungsängste gänzlich, war doch schließlich das Rätsel der verschwundenen Schönen ohne Kinder gar nicht zu lösen. Sympathisch und besorgt kommen Herold Lukas Weidenauer, Schatzmeister Alexander Kettner und Haushofmeister Paul Hilbinger rüber.

Günter Königswenger mimt prächtig den gutmütigen Pantoffelhelden. Richtig fies sind Stiefschwestern und Stiefmutter angelegt, grandios dargestellt von Barbara Lueger, Alexandra Wagner und Susanne Leonhardsberger.

Kaum König – Werner Fally war bisher der unumschränkte Herrscher im Volksbühne-Märchenland – gibt sich Wolfgang Kettner schon wieder herrschaftsmüde und will den Erstgereihten in der Thronfolge, seinen Sohn und Prinzen (Daniel Aspalter), verheiratet wissen. Dieser will davon nichts wissen – bis, ja bis, ihm Aschenbrödel unter die Augen tritt und das Märchen seinen Lauf nimmt.

Wunderbare Entourage stellen die Hofdamen Nicole Kronsteiner, Julia Kettner, Jana Recinsky und Katharina Reitbauer dar: prächtig gewandet und stets zu 100 Prozent in ihrer Rolle.

Akribie, Detailverliebtheit und hoher Kostümierungsaufwand

Dass man bei einer Produktion für ein Kinderpublikum die Inszenierung auf die leichte Schulter nehmen würde, das braucht sich die Waidhofner Volksbühne beileibe nicht vorwerfen zu lassen. Denn mit welcher Akribie, Detailverliebtheit und hohem Kostümierungsaufwand man bei der Umsetzung des Märchens zu Werke ging, sucht seinesgleichen im NÖ Schauspielbetrieb.

Was in dieser Produktion an Aufwand, Kosten, Bemühen und Proben nicht gescheut wurde, ist jedenfalls eine wertschätzende Geste an das junge Publikum, das ins Leben mitnimmt: Theater ist mehr als Unterhaltung oder Kabarett und mehr als Fernseh-Einheitsbrei, Computerspiel, Handy & Co. Theater ist greifbar, echt und voller Fantasie – einfach lebendig eben.

Es gibt noch Aufführungen in der Karwoche – einige Zehen hat Aschenbrödels Stiefschwester ja noch.