„Freie Milch“ ist gescheitert – Bauern ohne Abnehmer. Alpenmilch Logistik stellt am 31. März Sammlung ein. Etwa 30 Bauern haben keinen Abnehmer.

Von Hermann Knapp und Andreas Kössl. Erstellt am 28. März 2017 (06:02)
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Tauziehen um Milch: Die Lieferanten der Alpenmilch Logistik GmbH im Bezirk brauchen mit 1. April einen neuen Abnehmer.
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Die Uhr für die Lieferanten der Alpenmilch Logistik GmbH (zuvor Freie Milch – siehe unten) im Bezirk tickt. Nur noch bis 31. März wird das Unternehmen die Milch von den Bauern abholen, dann brauchen sie einen neuen Partner.

„Nachdem die Prolactal in Hartberg, mit der wir einen Vertrag hatten, diesen nicht mehr verlängert, hat es für mich keinen Sinn weiterzumachen. Auf dem freien Markt könnte ich den Bauern derzeit einfach keinen vernünftigen Preis garantieren“ sagt Johann Furtmüller, Geschäftsführer der Alpenmilch Logistik GmbH.

Genaue Zahlen kann niemand nennen

Das Unternehmen wird liquidiert, der Fuhrpark verkauft. Er könne den Landwirten nur empfehlen, sich wieder um die Aufnahme bei einer Molkerei zu bemühen, rät Furtmüller – und übt in diesem Zusammenhang massive Kritik an der Berglandmilch in Aschbach: „Nach welchen Kriterien da bei der Aufnahme von Bauern vorgegangen wird, ist mir völlig schleierhaft. Es kommt vor, dass in einem Dorf fünf Landwirte einen Vertrag bekommen und drei nicht. Ich verstehe ja, wenn eine Molkerei sagt, wir haben zu viel Milch und nehmen daher niemanden. Das muss man akzeptieren. Aber da wird bewusst ausgesucht. Vermutlich geht es um Ressentiments von früher her.“

Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer weist derartige Spekulationen entschieden zurück. „Wenn ein Landwirt bei uns anfragt, führen wir Gespräche mit ihm. Das passiert laufend. Ob wir ihn dann aufnehmen, hängt von der Milchsorte ab und auch, ob es mit der Sammlung passt – also, ob der Wagen in diesem Gebiet schon ausgelastet ist, oder nicht. Wir entscheiden da von Fall zu Fall. Es muss natürlich wirtschaftlich darstellbar sein.“

Wie viele Landwirte im Bezirk nun tatsächlich ab 31. März ohne Vertrag dastehen werden, ist unklar. Genaue Zahlen kann niemand nennen. Ein Betroffener aus dem Raum Kollmitzberg spricht von etwa 30 Bauern, wobei aber noch Gespräche mit Molkereien laufen sollen.

„Politisch zu agieren, war ein Fehler“

Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum war Anfang März beim Milchdialog in Salzburg mit dabei. „Da war von rund 50 Bauern ohne Vertrag die Rede, wobei die Mehrzahl bei uns im Bezirk beheimatet sein dürfte. Wir reden da von einer Milchmenge von rund sieben Millionen Liter jährlich“, berichtet der VP-Politiker. Bei ihm selbst oder auch bei der Bezirksbauernkammer hätten sich bislang nur wenige der betroffenen Landwirte gemeldet. „Wir haben sie an die Molkereien weitervermittelt. Die Entscheidung, wen sie aufnehmen, treffen diese allein“, sagt Pum.

Für VP-Landtagsabgeordneten Anton Kasser kommt das Aus für die „Freie Milch“ nicht überraschend. „Im Grunde war der Beitritt damals eine betriebswirtschaftliche Entscheidung der Bauern. Viele haben hier aber politisch agiert und das war ein Fehler.“ Dass die Berglandmilch zögere, „Milch-Rebellen“ aufzunehmen, habe sicher Gründe in der Vergangenheit: „Da ist viel passiert, was nicht in Ordnung war und deshalb hat wohl jetzt so mancher Bergland-Funktionär ‚sicher nicht‘ gesagt“, meint Kasser.

Im Ybbstal sind 14 Landwirte betroffen, darunter zehn Biobetriebe. Letztere hätten aber alle ein Angebot von der NÖM AG bekommen. „Und die meisten haben es auch angenommen“, sagt Bezirksbauernkammer-Obmann Klaus Hirner. Wie viele Landwirte genau ab 1. April ohne Vertrag dastehen werden, kann auch er nicht sagen.

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