Auszeit für Seele, Geist und Körper. Interesse am Fasten steigt immer mehr. Die Fastenzeit ist für viele Anlass, eigenen Konsum einzuschränken.

Von Julia Zacher. Erstellt am 26. Februar 2020 (04:34)
Diätologin Anita Tatzreiter bietet in der Kinderärztepraxis im Medizell ernährungsmedizinische Beratung und Therapie. Vor einer längeren Fastenperiode über mehrere Tage mit stark eingeschränkter Nahrungsaufnahme empfiehlt sie einen ärztlichen Check-up.
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Die letzten Krapfen sind gegessen, die Fastenzeit steht vor der Tür – alljährlich ein Anlass, sich für 40 Tage im Konsum einzuschränken und auf manches Gewohnte zu verzichten. „Fasten liegt voll im Trend“, beschreibt Helga Schneckenreither, die in Allhartsberg eine Fastengruppe leitet.

Die Gründe, aus denen gefastet werde, seien unterschiedlich: „Für viele steht der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund, viele wollen den Körper reinigen und entschlacken, manche betrachten es als Einstieg zum Abnehmen.“ Grundsätzlich, erklärt sie, sei Fasten eine „Auszeit für Körper, Geist und Seele“, die helfe, vieles wieder bewusster wahrzunehmen. „Heute sind die Menschen oft überernährt. Wir sind es mittlerweile gewohnt, immer nur zu konsumieren.“ Durch das Fasten lerne man, Essen wieder als Genuss zu betrachten, bewusster einzukaufen, kleinere Portionen zu sich zu nehmen.

Dass die Gewichtsabnahme beim Fasten nicht immer im Vordergrund steht, weiß auch Petra Gaßner. Gemeinsam mit Ulrike Ginzler bietet sie seit 2014 im Fasten- und Pilgerhaus Maria Seesal verschiedene Fastenprogramme an. Zu ihren Gästen zählen Menschen aus allen Berufs- und Altersgruppen, wobei die meisten zwischen 40 und 60 Jahre alt sind. Hochsaison ist im Fastenhaus nicht nur die Fastenzeit, sondern der ganze Frühling, berichtet Gaßner:

„Im Frühling erwacht und erblüht die Natur neu, und für viele Menschen ist das Fasten eine Möglichkeit, neu zu starten, ihre Batterien aufzuladen“, erzählt sie. „Heute wird der Stress immer mehr, die Menschen wollen Ruhe finden und sich zentrieren, Bewusstsein schaffen, wieder Qualität vor Quantität stellen.“ Obwohl viele auch aus gesundheitlichen Gründen fasten würden – etwa aufgrund von Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit – stehe für die meisten eher die seelisch-geistige Ebene im Mittelpunkt. Als „Trend“ würde sie das Fasten nicht bezeichnen: „In allen Religionen ist das Fasten in irgendeiner Form verankert, das ist nichts, was neu ist.“

Fasten in unterschiedlichen Formen, sagt auch die Waidhofner Diätologin Anita Tatzreiter, sei Teil der Menschheitsgeschichte. „Der derzeitige Fastentrend ist meiner Ansicht nach eine logische Entwicklung durch das Nahrungsmittelüberangebot, das wir tagtäglich präsentiert bekommen. Für die Gesundheit und das körperliche und geistige Wohlbefinden verspricht Fasten viele Vorteile, was zum Teil auch bereits durch wissenschaftliche Studien belegt wird.“

Fasten sei jedoch nicht für jedermann geeignet, erklärt Tatzreiter: „Auf Fastenformen jeglicher Art sollten zum Beispiel Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit Leber- und Nierenerkrankungen verzichten.“ Auch die Einnahme von Medikamenten könne gegen das Fasten sprechen. Wer eine Fastenperiode über mehrere Tage mit stark eingeschränkter Nahrungsaufnahme anstrebe, sollte zuvor beim Arzt einen Check-up machen lassen, um abzuklären, ob gesundheitlich nichts dagegenspreche. „Auch Heilfasten, also das Fasten als Therapie, sollte nur unter Anleitung durch einen erfahrenen Fastenarzt erfolgen. Aber auch beim präventiven Heilfasten für Gesunde empfiehlt sich eine fachliche Anleitung, vor allem, wenn es sich um die erste Fastenperiode handelt.“

Fasten als Einstieg in bewusste Ernährung

Tatzreiter weist darauf hin, dass Fasten keine geeignete Methode zur dauerhaften Gewichtsreduktion sei. „Jedoch kann eine Fastenperiode den Einstieg in eine bewusstere und gesündere Ernährungs- und Lebensweise erleichtern“, sagt sie. Und gerade dabei kann die Fastenzeit auch ohne eine strenge Fastenkur hilfreich sein: „Wer zum Fasten nicht bereit ist und die Fastenzeit nutzen möchte, um auf Genussmittel wie Alkohol oder Zucker und andere Süßungsmittel zu verzichten, tut auch damit seinem Körper viel Gutes.“

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