Wie Fasten Körper & Geist stärkt: Blick durchs Ybbstal. Wer fastet, der bestätigt: Verzicht kann Wunder wirken. Egal ob man es aus religiösen oder gesundheitlichen Gründen tut.

Von Anna Faltner. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:21)
Mit dem 17. Februar beginnt die Fastenzeit. So es Corona zulässt, wird Nationalratsabgeordneter Andreas Hanger (rechts), wie schon die letzten Jahre, heuer wieder im Fastenhaus Maria Seesal bei Petra Gaßner und Ulrike Ginzler (2. und 3. von links) einchecken. : Lugmayr
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Egal ob Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol oder Zigaretten – die Fastenzeit nutzen viele Menschen dazu, 40 Tage auf ihre Alltagslaster zu verzichten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Egal ob religiös motiviert oder gesundheitlicher Natur, eines ist ihnen gemeinsam: Die Menschen tun sich damit etwas Gutes.

Ein Ort, wo das Fasten nicht nur vor Ostern ein Thema ist, ist das Fastenhaus Maria Seesal in der Gemeinde Ybbsitz, das aufgrund der Corona-Pandemie aber aktuell geschlossen ist. Die Anfrage wäre momentan aber enorm, vor allem im Frühjahr ist hier für gewöhnlich Hauptsaison. „Ich glaube, dass viele Leute gerade jetzt fasten wollen, auch um die Corona-Kilos loszuwerden und einfach wieder mehr für ihre Gesundheit zu tun. Viele haben sich in der Quarantäne zuhause doch mehr gegönnt“, meint Geschäftsführerin Petra Gaßner.

„Man darf das ja nicht nur von den Leuten erwarten, da muss man sich schon selbst auch an der Nase nehmen.“ Dechant Herbert Döller

Generell merke sie einen steigenden Trend zum Fasten. „Die Leute wollen etwas tun. Dabei liegt die Wertigkeit aber oft weniger auf den Kilos, viele Leute brauchen es, um ihre Batterien wieder neu aufzuladen. Sie wollen sich mehr auf sich selbst konzentrieren, weil der private oder berufliche Alltag ihnen schon viel abverlangt“, erzählt Gaßner, die sich schon wieder aufs Aufsperren und ihre Gäste freut.

Einer ihrer Stammgäste ist mittlerweile der Ybbsitzer Nationalratsabgeordnete Andreas Hanger (ÖVP). Schon zum sechsten Mal hätte er auch dieses Jahr im Fastenhotel eine Kur gebucht. „Normalerweise mache ich das Ende Jänner, Anfang Februar, weil es sich da mit der Arbeit am besten vereinbaren lässt. Corona hat uns da heuer einen Strich durch die Rechnung gemacht“, berichtet er.

Sein Ersatztermin in der Karwoche wird laut jüngster Lockdown-light-Verlängerung wohl auch nichts. Die Kur dauert für gewöhnlich zehn Tage, inkludiert sind auch eine Vorbereitungsphase sowie die Aufbautage danach. In Summe dauert der Prozess rund drei bis vier Wochen.

„Ich kann dabei meine Energiereserven aufladen und bemerke, dass ich wesentlich fitter und konzentrierter bin. Mein Wohlbefinden im Gesamten wird besser und ich schlafe besser. Also bei mir zeigt das eine erstaunliche Wirkung“, schildert Hanger. Deshalb ist das jährliche Fasten bei ihm ein Pflichttermin geworden. „Je länger man konsequent und bewusst auf die Ernährung achtet, umso länger hält der Effekt an“, weiß der Politiker.

Fasten bedeute „Festmachen in Gott“ sagt Stadtpfarrer Dechant Herbert Döller.
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Für den Waidhofner Dechant Herbert Döller bedeutet das Wort Fasten „Festmachen in Gott“. Und das umfasst drei Schritte: Beten, Fasten und Gutes tun. Während der 40-tägigen Fastenzeit nimmt sich Döller jeden Tag Zeit für Exerzitien im Alltag. Das sind geistliche Übungen, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit Gott führen sollen. „Da nehme ich mir Zeit, setze mich hin, denke nach, zünde eine Kerze an. Das ist eine innere Einkehr. Das tut sehr gut und dient natürlich der Verinnerlichung des religiösen Lebens“, erklärt er.

Hinzu kommt das Fasten. Der Dechant fasst sein Fasten als Konsumverzicht zusammen. Den Kaffee gibt es ohne Mehlspeise, er schränkt das Fernsehen ein, verzichtet auf Alkohol und Süßigkeiten. „Man darf das ja nicht nur von den Leuten erwarten und predigen, da muss man sich schon selbst auch an der Nase nehmen. Und wenn ich auf etwas verzichte, dann macht mich das stark. Das zeigt, dass ich höhere Werte als den Konsum habe“, betont er.

Wie die Fastenzeit schlussendlich gestaltet wird, ist aber völlig individuell. Da gibt es keine Vorgaben. Nach dem Fasten kommt aber noch der dritte Schritt in dem Prozess. „Fasten hat keinen Selbstzweck, damit will ich etwas Gutes tun. Ich verzichte etwa auf meine Schokolade und lege sie in den Fastenwürfel. Durch meinen Verzicht kann ich anderen helfen. Für mich hat Fasten immer auch eine soziale Dimension“, sagt Herbert Döller.

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