Wolfgang Sobotka: „Klima war schon ‘98 Thema“. Präsident Wolfgang Sobotka hält im NÖN-Gespräch „Natur im Garten“ für Klimaschutz zielführend.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:30)
Lugmayr
Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka verbringt seine rare freie Zeit in seinem Garten in Waidhofen. „Eine Art Klimaschutz.“

Klimainitiativen, Klimaproteste, Fridays for Future und Klimaklagen sind derzeit en vogue. Blickt man zurück, ist es aber bereits 21 Jahre her, dass in NÖ vom damals frischgekürten Landesrat und heutigen Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka eine landesweite Klimabündnis-Initiative ins Leben gerufen wurde.

„Das stimmt, ich habe 1998 mit 16 Gemeinden in NÖ begonnen, die dem Klimabündnis beigetreten sind, und mit 309 Klimabündnis-Gemeinden in NÖ übergeben. Landeshauptfrau Mikl-Leitner und Stephan Pernkopf gehen diesen Weg auch weiter“, sagt Sobotka.

„Niederösterreich war damals Vorreiter“

NÖ gehörte damals zu den Vorreitern im Klimaschutz. Mit dabei: 40 NÖ-Betriebe sowie 207 Schulen und Bildungseinrichtungen. „Nicht nur das. Wir haben bereits 1996 in meiner Zeit als Waidhofner Bürgermeister den ersten innerstädtischen Radweg angelegt.“

Alles Initiativen, die bereits zwei Jahrzehnte vor den Fridays for Future umgesetzt wurden. Seither wurden von der Klimabündnis-Initiative 135.000 Quadratkilometer Regenwald als indigenes Siedlungsgebiet langfristig geschützt. Die indigene Organisation FOIRN wurde zur stärksten Vertretung indigener Völker in Amazonien ausgebaut, in 81 Dörfern wurden mehrsprachige Schulen eingeführt und das von indigenen Frauen geführte Kunsthandwerkszentrum Wariró wurde aufgebaut.

„Nicht zu übersehen ist der Klimabeitrag der Initiative ,Natur im Garten’“, sagt Sobotka. Mehr als 30 Prozent der privaten Hausgärten bauen heute Lebensmittel an, 13 Prozent der gesamten in Österreich produzierten Lebensmittel werden im eigenen Garten erzeugt. „Man muss das Bewusstsein der Menschen ändern, denn lokal erzeugtes Obst und Gemüse verringert die Fahrten zum Supermarkt, schafft gesunde Bewegung bei der Gartenarbeit und produziert gesunde Nahrungsmittel abseits der Massenware“, sagt der leidenschaftliche Freizeitgärtner.

„In den vergangenen zwei Monaten ist das Diskussionsklima im Nationalrat besser geworden.“Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka

Sobotkas Terminkalender ist auch im Sommer randvoll. „In den nächsten Tagen stehen Arbeitsgespräche mit dem slowenischen Parlamentspräsidenten auf dem Programm.“ Am 17. Juli wird von der Münze Österreich gemeinsam mit dem Nationalratspräsidenten die erste österreichische Münze in konvexer Form anlässlich 50 Jahre Mondlandung präsentiert.

Nächste Woche folgen Arbeitsbesuche in Bremen und Nordrhein-Westfalen, danach die Salzburger Festspiele, Grafenegg und regionale Festivals. Die Vorbereitung für die Septembersitzungen des Nationalrates laufen bereits auf Hochtouren.

Ist die von den Regierungschefs vorgeschlagene Personallösung an der EU-Spitze ein geglückter Schachzug? Sobotka: „Positiv daran ist, dass alle fünf für liberale Demokratie, Europa und politische Erfahrung stehen und zwei Frauen für die Spitzenjobs vorgeschlagen sind. Die Parteien werden sich schwertun, das abzulehnen.“

Zum österreichischen Parlament sagt Sobotka: „In den vergangenen zwei Monaten ist das Diskussionsklima im Nationalrat viel besser geworden, war aber inhaltlich nicht minder scharf“. Das resultiere vor allem daraus, dass es die klassische Frontstellung Regierung gegen Opposition derzeit nicht gibt. „Es ist von den Mandataren enorm viel gearbeitet worden“, lobt der Nationalratspräsident.