Bramauer: „Situation berührt sehr“. Hebamme Elisabeth Bramauer betreute 2016 die Afghanin Fatima Kanbari in der Schwangerenambulanz. Daraus entstand schließlich eine gute Freundschaft.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 02. September 2018 (05:03)
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Die Hebamme Elisabeth Bramauer lernte Fatima Kanbari kennen, als diese als Patientin am Landesklinikum Waidhofen war. In der Folge entstand eine gute Freundschaft zwischen den beiden Frauen.

Als Elisabeth Bramauer (23) im Jahr 2016 ein Praktikum als Hebamme in der Geburtenabteilung am Landesklinikum Waidhofen absolvierte, lernte sie die junge Afghanin Fatima Kanbari (21) kennen. Fatima erwartete zu der Zeit ihr erstes Kind und war als Patientin in der Schwangerenambulanz. Später trafen sich Elisabeth und Fatima beim Café Miteinander in Waidhofen wieder – und bald entstand eine gute und herzliche Bekanntschaft zwischen den beiden Frauen.

Pfarre
Seit drei Jahren wohnt Fatima Kanbari mittlerweile in Österreich. Ihre Tochter Sarah kam in Waidhofen zur Welt. „Ich hoffe, dass ich Österreicher kennenlerne, wenn Sarah in den Kindergarten kommt“, sagt Fatima.

„Als wir uns beim Café wiedergesehen haben, hat mich Fatima eingeladen, sie zu besuchen. Ich war dann ein paar Mal bei ihr in Opponitz und war immer überrascht, mit welcher Offenheit sie und ihr Mann Hashem mir entgegengekommen sind“, erinnert sich Elisabeth Bramauer zurück. „Trotz ihrer beengten Wohnverhältnisse und ihrer schwierigen finanziellen Lage haben sie mich immer großzügig bewirtet. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen die Freundschaft zu mir wirklich viel bedeutet. Leider ist es nicht so einfach, regelmäßig in Kontakt zu bleiben, weil ich nicht so oft in Waidhofen bin.“

Beruflich kommt Elisabeth Bramauer sehr häufig in Berührung mit Migrantinnen. „Vor allem in größere Krankenhäuser kommen zur Entbindung viele Frauen, die aus einer anderen Kultur stammen und kaum Deutsch sprechen. Mich berührt die Situation dieser Frauen immer sehr“, erzählt die junge Hebamme. „Wenn sprachliche Kommunikation nur schwer möglich ist, ist es umso wichtiger, den Frauen auf nonverbaler Ebene mit Respekt, Achtung und Freundlichkeit zu begegnen und ihnen so die nötige Sicherheit für die Entbindung zu vermitteln.“

„Wenn sprachliche Kommunikation nur schwer möglich ist, ist es umso wichtiger, den Frauen auf nonverbaler Ebene Sicherheit zu vermitteln.“Hebamme Elisabeth Bramauer

Diese Wärme brachte Elisabeth auch Fatima entgegen, als diese 2016 Patientin auf der Geburtenstation in Waidhofen war. „Unsere Tochter Sarah ist hier zur Welt gekommen. Mein Mann Hashem und ich haben uns im Iran kennengelernt und ich wurde dann schwanger. Wenn man nicht verheiratet ist, ist das in einem muslimischen Land ein großes Problem“, erzählt Fatima.

Aus diesem Grund musste die junge Familie nach Österreich fliehen. Sie konnte sich hier schon bald über Nachwuchs freuen und sich gut einleben. Im Jahr 2018 heirateten Fatima und Hashem schließlich und mittlerweile erwarten sie ihr zweites Kind.

„Am Anfang war alles sehr neu für mich. Die afghanische und die österreichische Kultur sind sehr verschieden und ich konnte kein Wort Deutsch. Ich hatte aber das Glück, dass ich in der Übergangsklasse an der HAK/HAS Waidhofen genommen wurde“, erinnert sich Fatima. Mittlerweile ist Fatima dabei, ihren Mittelschulabschluss nachzuholen.

„Mir fehlen noch die Prüfungen in Deutsch und Geschichte, dann habe ich es geschafft“, sagt sie. Nach ihrer Babypause möchte sie gerne den Führerschein machen und eine Lehre beginnen. „Hashem arbeitet seit Kurzem bei der Firma Hanger in Ybbsitz. Er ist sehr froh, endlich eine Arbeit gefunden zu haben.“

„Wollten uns an die Kultur hier anpassen“

Als Fatima Kanbari nach Österreich kam, hat sie noch das Kopftuch getragen. „Das ist in der muslimischen Kultur so üblich. Hier in Österreich steht es jeder Frau frei, ob sie ein Kopftuch tragen will. Mein Mann und ich haben beschlossen, dass wir uns an die europäische Kultur anpassen wollen – daher habe ich auch das Kopftuch abgenommen“, erzählt die junge Frau.

Auch wenn sich die Familie schon gut eingelebt hat, vermisst Fatima den Kontakt zu Österreichern. „Ich wünsche mir, mehr Freundschaften mit Österreichern zu knüpfen, aber das ist oft gar nicht so einfach“, meint sie. „Ich hoffe, dass ich österreichische Frauen kennenlerne, wenn Sarah im Herbst in den Kindergarten kommt.“