Karl-Heinz Knoll (FPÖ): „Themen wurden goutiert“. FPÖ-Gemeinderat Karl-Heinz Knoll über die Wahl 2017, seine Burschenschaft und ein Bettelverbot.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 28. Februar 2018 (03:00)
Nach dem Rückzug von Patrick Schmidtkunz ist Karl-Heinz Knoll wieder Waidhofens blaue Nummer eins. Im NÖN-Interview äußert sich der FPÖ-Mann auch zu seiner Mitgliedschaft bei einer schlagenden Burschenschaft
Kössl

NÖN: Die FPÖ konnte ihre Mandate bei der Gemeinderatswahl vor einem Jahr auf zwei Sitze verdoppeln. Mit vier Mandaten hat man sich das Wahlziel davor aber doch deutlich höhergesteckt. Warum ist sich das nicht ausgegangen?

Karl-Heinz Knoll: Ziele muss man sich immer hochstecken. Alles andere ist nicht motivierend. Entscheiden tut letztendlich aber der Wähler und wir sind zufrieden, dass wir dazugewonnen haben. Ich glaube, wir haben im Wahlkampf die Themen gut rübergebracht und das wurde goutiert.

Bei der Nationalratswahl kam die FPÖ in Waidhofen auf 20,8 Prozent und bei der Landtagswahl auf 10,9 Prozent. Auf Gemeindeebene waren es trotz Zugewinn im Vergleich nur 5,3 Prozent. Sie haben einmal festgestellt, dass Waidhofen anders tickt. Inwiefern? Hat das mit den zwei Bürgerlisten, die es hier gibt, zu tun?

Knoll: Das sicher auch. Die Bürgerlisten gibt es auf Bundesebene nicht. Auf kommunaler Ebene ist es für manche vielleicht schwierig, sich als FPÖ-Wähler zu outen. Diese Wähler wollen aber trotzdem ihren Protest kundtun und geben ihre Stimme einer Bürgerliste.

Die FPÖ ist bei der Wahl mit einem jungen Spitzenkandidaten angetreten. Sie haben damals gesagt, das sei auch deshalb, weil Sie Ihre Nachfolge rechtzeitig geregelt haben wollen. Jetzt hat Patrick Schmidtkunz schon im Herbst sein Mandat wieder zurückgelegt und Sie stehen wieder ganz vorne. Wie steht es um den freiheitlichen Nachwuchs in Waidhofen?

Knoll: Es war wichtig, dass wir einem Jungen eine Chance gegeben haben. Dass sich seine berufliche Situation so stark verändert, hat keiner vorhersehen können. Es gibt aber auch andere Junge. In Ybbsitz haben wir vor Kurzem eine Ortsgruppe mit vielen jungen Leuten gegründet.

Aber wie steht es in Waidhofen?

Knoll: Wir sind immer auf der Suche nach Nachwuchs. Wir wollen uns ja nicht den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass immer die Alten alles machen. Die Zukunft liegt bei den Jungen. So alt bin ich zwar jetzt auch noch nicht, aber man muss natürlich rechtzeitig schauen, dass wieder Junge nachkommen.

Sie und Ihr Parteikollege haben sich vor einem Jahr im Gemeinderat mit der Kornblume am Revers angeloben lassen. Die Kornblume war Symbol der deutschnationalen, anti- semitischen Schönerer-Bewegung und diente den illegalen Nazis vor 1938 als Erkennungszeichen. Würden Sie das wieder tun?

Knoll: Ja. Die Kornblume ist seit Hunderten von Jahren in Verwendung, als Blume der Romantik und der Freiheit. Sie wurde aber auch negativ verwendet, das weiß ich. Aber man kann doch nicht dem Tragenden eine NS-Geschichte unterstellen. Die SPÖ hat ihre Nelke, wir tragen unsere Kornblume. Die Kornblume wurde verwendet, weil sie sich jeder leisten kann. Sie wächst am Straßenrand.

Sie ist aber geschichtlich negativ behaftet und deshalb als politisches Symbol höchst umstritten.

Knoll: Ja, aber die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich mit diesem Gedankengut nichts am Hut habe. Jetzt wird ja alles hinterleuchtet. Wo steht die FPÖ? Wo stehen die Burschenschaften? Das ist momentan eine schwere Zeit.

Sie sind selbst Mitglied einer schlagenden Burschenschaft, der Silesia zu Waidhofen. Tut man den schlagenden Verbindungen Unrecht, wenn man sie alle über einen Kamm schert?

Knoll: Auf alle Fälle. Aber auch Udo Landbauer tut man Unrecht. Wenn man jemanden für etwas beschuldigt, das passiert ist, als er elf Jahre alt war und er das nachweislich nicht gekannt hat, weil die Zeilen in diesem Gesangsbuch geschwärzt waren, dann tut man ihm auf alle Fälle Unrecht.

Wie sieht es bei der Silesia mit den Liederbüchern aus?

Knoll: Es gibt natürlich Gesangsbücher. Wir haben aber nicht wie die Germania ein eigenes aufgelegt, sondern wir haben das ganz normale Kommersbuch. Das liegt auch in der Nationalbibliothek auf.

Es wird also schon regelmäßig gesungen?

Knoll: Ja, das schon. Etwa „Die Gedanken sind frei“ oder „Burschen heraus“ – solche Lieder. Und zu späterer Stunde singen wir vielleicht einmal „Die Lindenwirtin“ oder andere lustige Lieder, aber sicher nicht solche. Ich bin seit meinem 16. Lebensjahr bei der Burschenschaft, aber dieses Lied ist bei uns nie gesungen worden und auch keine ähnlichen. Man hat das vielleicht schon irgendwo einmal gehört, aber die Strophe, um die es da ging, ist dazugedichtet worden.

Kommen wir wieder auf Gemeindeebene: Was sagen Sie zum Aus für das Sicherheitszentrum? Sie haben den Standort ja immer schon abgelehnt.

Knoll: Das ist richtig. Ich bin froh, dass das hier nicht gebaut wird. Das war eindeutig der schlechteste Standort für ein Sicherheitszentrum. Es gibt hier Schulen und Kindergärten. Eine Blaulichtorganisation muss aber rasch ausfahren können und auch die Feuerwehrleute müssen anfahren können. Das geschieht nicht im Schritttempo. Da muss man sich schon einen Standort mit weniger potenzieller Gefahr überlegen.

Sie haben im Gemeinderat gegen das Budget für 2018 gestimmt. Was sind Ihre Hauptkritikpunkte?

Knoll: Es gibt zwei Einschauberichte des Landes NÖ und in beiden steht, dass wir auf die Personalkosten schauen müssen. 2012 hieß es zwar, der Weg sei der richtige, weil sich der Personalstand verringert hatte, man müsse aber noch viel mehr machen. Daran hat man sich jedoch überhaupt nicht gehalten. Der Personalstand ist immer weiter gestiegen.

Wo könnte man einsparen?

Knoll: Der Bericht gibt ein Ziel vor. Ich möchte nicht, wie manch anderer Kollege, vorschreiben, was man braucht und was nicht. Wenn man am Magistrat glaubt, das ist notwendig, soll man es haben. Aber man muss in Summe mit dem Personenpool auskommen. Wir haben die Vorgabe, ein ausgeglichenes Budget zu erstellen und nicht eines auf Pump. Davon sind wir aber weit, weit weg.

Sie haben den Ankauf von stadteigenen Radarmessgeräten befürwortet. Warum?

Knoll: Über ein Jahr haben wir diese Geschwindigkeitsanzeigen stehen gehabt – eine Maßnahme ohne Konsequenzen. Die Leute fahren in Wohnstraßen teilweise weiterhin das Doppelte. Da muss man sich Konsequenzen überlegen. Deshalb haben wir diese Geräte angeschafft, die mobil eingesetzt werden können. Ich habe mir dabei aber ausbedungen, dass die Schwerpunktmessungen dort sein sollen, wo speziell Gefahr für unsere Kinder besteht.

Im Wahlkampf haben Sie ein sektorales Bettelverbot gefordert, das nach einer Prüfung aber nicht kam. Ist es noch notwendig?

Knoll: Es wird sicher wieder notwendig. Wir werden im Sommer wieder sehen, dass Bettlerbanden vermehrt auftreten. Sektorale Bettelverbote funktionieren in allen möglichen Städten, nur bei uns wird das Problem nicht gesehen. Mir geht es da um das aggressive Betteln. Speziell ältere Frauen werden hier oft bedrängt, haben aber nicht den Mut, die Polizei zu rufen und geben dann einen Euro her, um in Ruhe gelassen zu werden.

Was halten Sie vom Anti-Rauchervolksbegehren, das sich gegen eine von der FPÖ forcierte Gesetzesänderung richtet?

Knoll: Ich bin ein absoluter Nichtraucher. Ich denke aber trotzdem, dass man den Wirten selbst überlassen sollte, ob sie das Rauchen gestatten.