Waidhofen/Ybbs: Uneinigkeit über Radwegverlauf. Teilstück zwischen Gstadt und Eisenbahnbrücke Feistenau wird vorgezogen. Opposition will weg von Bundesstraße.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 09. Juni 2021 (05:54)
Kurz vor dem Amtmann (rechts) ist die Firma Schneckenleitner gerade dabei, entlang der B 31 ihren Lagerplatz linker Hand zu erweitern. Die Stadt nutzt die Gelegenheit, um den Radweg auf diesem Teilstück gleich mitzuverlegen. Über die Eisenbahnbrücke Feistenau soll der Radweg nächstes Jahr an den Ybbstalradweg angebunden werden. Wo der Radweg in diesem Bereich allerdings geführt werden soll, darüber sind sich die Gemeinderatsfraktionen uneins.
Kössl, Kössl

Die Mai-Sitzungsrunde des Waidhofner Gemeinderats fand aufgrund der Corona-Pandemie noch einmal auf dem Umlaufweg statt. Im Juni solle es – so es die Situation zulasse – wieder eine physische Zusammenkunft des Waidhofner Gemeinderats geben, kündigt Bürgermeister Werner Krammer an.

Nur mit den Stimmen von WVP, FPÖ und Grünen wurde in der Sitzungsrunde vom Gemeinderat der Bau eines Teilstücks des Radwegs von Gstadt Richtung Opponitz beschlossen.

„Die Errichtung des Radwegs direkt neben der stark befahrenen Bundesstraße bedeutet für die Radfahrer eine wesentliche Einschränkung in Sachen Komfort und Verkehrssicherheit.“ Verkehrsstadtrat Erich Leonhartsberger, SPÖ

Wie die NÖN berichtete, soll der Radweg, der nun zwischen Vogelsang und Gstadt auf der ehemaligen Citybahn-Trasse im Entstehen ist, zwei Anbindungen an den Ybbstalradweg erfahren. Zum einen sollen – vor allem Alltagsradler – in Gstadt über die Eisenbahnbrücke auf die Ybbsitzer Seite radeln können. Zum anderen ist angedacht, den Radweg in Gstadt nach der Kreuzung der Landesstraße entlang der B 31 Richtung Opponitz weiterzuführen und über die Eisenbahnbrücke Feistenau (oder: Peistenau) einen weiteren Anschluss an den Ybbstalradweg – vor allem für Radtouristen – zu ermöglichen.

184.962,89 Euro von Gemeinderat

Da die Fassbinderei Schneckenleitner gerade dabei ist, vor der Eisenbahnbrücke Feistenau ihren Lagerplatz auf der linken Straßenseite zu erweitern, nutzt man seitens der Stadt nun die Gelegenheit, den Radweg hier auf einer Länge von 500 Metern gleich mitzubauen. 184.962,89 Euro wurden dafür vom Gemeinderat nun freigegeben, wobei die Marktgemeinde Ybbsitz die Hälfte dieser Kosten übernimmt. Seitens der Stadt geht man davon aus, dass die Baukosten von Bund und Land zu etwa zwei Drittel gefördert werden.

„Ursprünglich war vorgesehen, dieses Radweg-Teilstück erst später zu realisieren“, sagt Bürgermeister Werner Krammer (WVP). „Da die Firma Schneckenleitner das Grundstück abseits der Bahntrasse hier aber gekauft hat und mit den Arbeiten für ihren Lagerplatz schon startet, macht es Sinn, hier Synergien zu nutzen und den Radweg gleich mitzubauen. Deshalb haben wir das vorgezogen.“

Diskussionen gab es im Vorfeld allerdings darüber, wo dieses Radwegstück zwischen Gstadt und der Brücke Feistenau genau verlaufen soll. Es sei klar gewesen, dass der Radweg nicht auf der Bahntrasse verlaufen könne, da diese das Grundstück der Firma Schneckenleitner durchschneide, hält der Stadtchef fest. „Es ist uns nämlich ein großes Anliegen, diesen Traditionsbetrieb im Ybbstal zu halten.“

2 Varianten für Radweg

So blieben zwei Varianten für den Radwegverlauf. Nach der ersten sollte der Radweg entlang der Ybbsböschung verlaufen. Diese habe man aber aus Kostengründen wieder verworfen, berichtet der Stadtchef. „Diese Variante wäre sehr aufwendig gewesen. Es hätte einen eigenen Unterbau gebraucht. Die Uferböschung hätte immer wieder zurückgeschnitten werden müssen und die Schneeräumung hätte sich schwierig gestaltet.“ Aus diesem Grund habe man sich dazu entschlossen, den Radstreifen mit einem Meter Abstand neben der Bundesstraße verlaufen zu lassen, berichtet Krammer. „Das ist die beste Variante. Wir haben das mit der Firma Schneckenleitner auch abgestimmt.“

SPÖ, Liste FUFU und UWG stimmen dagegen

Anders sehen das SPÖ, Liste FUFU und UWG. In Vorgesprächen sei vereinbart gewesen, dass die Errichtung des Radwegs auf der einstigen Bahntrasse in entsprechendem Abstand zur Bundesstraße erfolgen solle, hält SPÖ-Verkehrsstadtrat Erich Leonhartsberger fest. „Die nunmehrige Planänderung zur Errichtung des Radwegs direkt neben der stark befahrenen Bundesstraße ohne Geschwindigkeitsbeschränkung bedeutet für die Radfahrer eine wesentliche Einschränkung in Sachen Komfort und Verkehrssicherheit. Hinzu kommt noch die zusätzliche Gefahrenquelle durch innerbetrieblichen Staplerverkehr, der den Radweg zum angrenzenden Lagerbereich kreuzt.“

Weiters stößt der SPÖ auf, dass die Errichtung des Radwegs fast ausschließlich auf einem Grundstück erfolgen soll, welches noch nicht der Stadt gehöre. „Eine Genehmigung von Kosten für eine Errichtung auf Fremdgrund kann der Gemeinderat aus gesetzlichen Gründen nicht genehmigen. Daher ist dieser Antrag unzulässig und kann nur abgelehnt werden“, sagt Leonhartsberger.

Liste FUFU will keinen Radweg

Seitens der Liste FUFU hätte man auf diesen Abschnitt des Radwegs überhaupt komplett verzichten können. „Wir wären mit dem Anschluss an den Ybbstalradweg über die bestehende Eisenbahnbrücke zufrieden gewesen“, sagt FUFU-Stadtrat Martin Dowalil und verweist ebenfalls darauf, dass das Radwegstück, das nun gebaut werden soll, ursprünglich auf der Bahntrasse geplant gewesen war.

„Das wäre eine gute Lösung gewesen. Da war aber von der Lagerplatzerweiterung der Firma Schneckenleitner noch keine Rede“, sagt Dowalil. „Die nun erarbeitete Kompromisslösung macht weder die Radfahrer noch die Firma Schneckenleitner glücklich, denn der Radweg verläuft in diesem Bereich nun direkt neben der Bundesstraße und macht bei der Lagerplatzeinfahrt einen Schwenker, damit die Anlieferfahrzeuge zum Lagerplatz nicht die Bundesstraße blockieren.“

Dass die Grundtransaktion für die Errichtung des Radwegs in diesem Abschnitt noch gar nicht erfolgt ist, sondern erst in der Juni-Sitzung des Gemeinderats erfolgen soll, stößt dem FUFU-Chef ebenfalls sauer auf. „Es werden Errichtungskosten für einen Radweg beschlossen, obwohl der Grund noch gar nicht der Stadt gehört“, sagt Dowalil. „Eine Kostengenehmigung auf Fremdgrund ist unseres Erachtens nicht zulässig. Das ist das typische ÖVP-Prinzip. Wir brauchen uns nicht an herkömmliche Abläufe halten, denn wir werden uns das schon richten.“

Dowalil verweist außerdem darauf, dass das Radwegbudget vom Bürgermeister von 440.000 Euro auf 150.000 Euro gekürzt worden sei. „Jetzt muss dafür eine Darlehensaufnahme erfolgen. Das ist die viel gerühmte Weitsicht des Bürgermeisters.“

Eigentlich sollte Radweg an der anderen Ybbsseite verlaufen

Der Radweg sei ursprünglich auf der anderen Ybbsseite geplant gewesen, hält UWG-Gemeinderat Michael Elsner fest. „Der Schwenk auf die nun vorliegende Variante ist für mich nicht nachvollziehbar und meines Erachtens auch nicht im Interesse eines Wirtschaftsbetriebes.“

Das Radwegstück zwischen Gstadt und der Brücke Feistenau wird nach der Fertigstellung vorerst jedenfalls in der Luft hängen. Die Umsetzung des Radwegs von Volgelsang bis Gstadt ist wie die Adaptierung der beiden Eisenbahnbrücken erst für nächstes Jahr angedacht. Derzeit läuft das Auflassungsverfahren für die Bahntrasse zwischen Vogelsang und Gstadt. Wie lange das dauert, ist ungewiss. „Ich wäre sehr froh, wenn wir noch heuer die Schienen entfernen könnten“, sagt Stadtchef Krammer.

Umfrage beendet

  • Soll der Radweg zwischen Gstadt und der Brücke Feistenau neben der Bundesstraße oder entlang der Ybbs geführt werden?