Gleisbesetzung wurde gestoppt. Seit Dientsag der vergangenen Woche sind die Gleise der ehemaligen Ybbstalbahn wieder frei und die Demontagearbeiten zwischen Gstadt und Opponitz schreiten voran.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 25. März 2014 (23:59)
NOEN, Foto: Kössl
Sowohl die Gemeinde Ybbsitz als auch eine private Bietergemeinschaft möchte den Bahnhof Ybbsitz von der NÖVOG erwerben.
Von Andreas Kössl

Zuletzt hatten ja Bahnaktivisten durch Gleisbesetzungen die mit dem Abbau beauftragte Firma Swietelsky bei der Arbeit behindert.

Intensive Gespräche führten zu Kompromiss

„Die Vernunft hat gesiegt“, so der Lunzer Bürgermeister und Radwegverbandssprecher Martin Ploderer dazu. Ploderer hatte am Montag der Vorwoche die Gleisbesetzer bei der Haltestelle Gaissulz aufgesucht und, wie er sagt, intensive Gespräche geführt. Die Stimmung auf Seiten der Demonstranten sei dabei emotional sehr geladen gewesen, sagt Ploderer. Schließlich habe man sich aber einigen können.

Dieser Kompromiss sieht folgendermaßen aus: Der Radwegverband stellt den Bahnfreunden zwischen Gstadt und Ybbsitz ein sechs Meter breites Trassenband zu Verfügung. Im Gegenzug verzichten die Bahnfreunde darauf, die Gleisabtragungsarbeiten zwischen Gstadt und Opponitz weiter zu behindern.

Bisher hätten sich die Bahnfreunde an diese Abmachung gehalten, so Ploderer. Aus jetziger Sicht werde deshalb auch nicht mehr daran gedacht, die Bahnfreunde wegen der Behinderung der Abrissarbeiten finanziell zur Verantwortung zu ziehen. Werde es jedoch wieder zu Gleisbesetzungen kommen, werde man den Aktivisten die Stehzeiten in Rechnung stellen.

Bahnfreunde sollen Konzept für Abschnitt Ybbsitz–Gstadt vorlegen

Was den Abschnitt Ybbsitz–Gstadt betrifft, so liege es nun an den Bahnfreunden, ein Konzept dafür vorzulegen. „Bisher hat es nur Ideen, nicht aber ein einreichfähiges Projekt gegeben“, sagt Ploderer.

Erfreut über die gefundene Lösung zeigt sich auch Radwegverband-Stellvertreter Helmut Schagerl. Auch er sieht nun die Bahnfreunde am Zug. Der Radwegverein werde sich Vorschlägen gegenüber sicher nicht verschließen. „Fest steht aber auch, dass der Radwegverein für ein etwaiges Projekt sicher keine Finanzmittel zur Verfügung hat“, stellt Schagerl klar.

„Meine Einstellung war immer: Sollte es jemanden geben, der hier ein ausgereiftes Projekt vorlegen kann, bei dem auch die Finanzierung geklärt ist, wird das die Gemeinde grundsätzlich gerne unterstützen“, sagt der Ybbsitzer Bürgermeister Josef Hofmarcher. „Aber es geht darum, dass Nägel mit Köpfen gemacht werden und ein fertiges Projekt auf den Tisch gelegt wird, das den gesetzlichen Grundlagen entspricht und finanziert ist. Dann kann man darüber reden.“

Club-598-Obmann Nykodem fordert Unterstützung der Gemeinde

Club-598-Obmann Siegfried Nykodem spricht gegenüber der NÖN von einer „vagen Zusage“. „Wir nehmen das Angebot zwar an, aber unter anderen Bedingungen“, so Nykodem. Dass man die weggerissenen Gleise selbst wieder aufbauen müsse und es keinerlei finanzielle Zusagen gebe, sei ein „übler Scherz“. Nykodem fordert von der Gemeinde Ybbsitz Unterstützung ein.

Die Gemeinde solle sich offen dazu bekennen, dass man hier ein gemeinsames Projekt umsetzen wolle und sich ebenso dafür einsetzen, hier Fördergelder zu lukrieren. „Die Gemeinde Ybbsitz muss diesen Willen offen zur Schau tragen“, sagt Nykodem. Jenes Schienenmaterial, das nun zwischen Gstadt und Opponitz abgebaut werde, solle im fehlenden Bereich beim Sportplatz Ybbsitz wieder eingebaut werden.

Musealbahn zwischen Ybbsitz und Waidhofen 

Für den Streckenabschnitt Waidhofen Ybbsitz schwebt dem Obmann des Clubs 598 die Führung einer Musealbahn vor. Dafür müsse auch nicht die gesamte Strecke erneuert werden. Die Gemeinde Ybbsitz würde davon profitieren, ist Nykodem überzeugt.

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Der Ybbsitzer Bahnhof, der ebenso wie die dortige Remise unter Denkmalschutz steht, soll als Eisenbahnmuseum installiert werden. Die NÖVOG hatte diese Immobilie zum Verkauf ausgeschrieben. Neben der Gemeinde Ybbsitz liegt der NÖVOG auch ein Angebot einer privaten Bietergemeinschaft rund um den Waidhofner Kinderarzt und Bahnfreund Günter Schuhfried vor. Man sei nach wie vor mit allen Interessenten im Gespräch, heißt es vonseiten der NÖVOG. Wenn die Gemeinde gleich viel wie der Bestbieter biete, dann habe die Gemeinde aber ein Vorkaufsrecht. Dies sei derzeit der Fall.

Dieses Vorkaufsrecht werde die Gemeinde wahrnehmen, sagt Bürgermeister Josef Hofmarcher. Am Montag stand im Ybbsitzer Gemeinderat der grundsätzliche Kauf des Areals durch die Gemeinde zur Beschlussfassung an. „Es ist wichtig, dass das Areal der öffentlichen Hand gehört“, sagt Hofmarcher.

Gemeinde erwartet auch bezüglich Eisenbahnmuseum ein Konzept

Hinsichtlich des von den Bahnfreunden angedachten Eisenbahnmuseums gelte für den Bahnhof Ybbsitz das gleiche wie für die Bahnstrecke Gstadt–Ybbsitz, so der Bürgermeister. Sollte ein Konzept da sein, sei die Gemeinde gerne bereit dieses mitzutragen.

Laut Angaben der Bahnfreunde habe die Bietergemeinschaft um Schuhfried vergangene Woche ihr Angebot für den Bahnhof Ybbsitz erhöht, sodass dieses nun über jenem der Gemeinde Ybbsitz liege. Sollte dem Club 598 aber ein langfristiger Pachtvertrag für den Bahnhof seitens der Gemeinde Ybbsitz angeboten werden, so werde Schuhfried sein Kaufangebot wieder zurückziehen, heißt es.

Demontage der Gleise dauert noch zwei Wochen

Was die Demontage der Gleise zwischen Opponitz und Gstadt betrifft, so schätzt Radwegverbandsobmann Ploderer, dass die Arbeiten noch rund zwei Wochen dauern werden. Am Dienstag dieser Woche findet schließlich die große Bauverhandlung für den geplanten Ybbstalradweg statt. Der weitere Zeitplan werde von dieser Verhandlung abhängen, sagt Ploderer. Sobald ein positiver Bescheid vorliegt, könne man mit den Bauarbeiten starten – laut Ploderer im besten Fall noch diesen Sommer. Eine erste Teileröffnung könne es dann noch diesen Herbst geben.

Aufgeben wollen die Bahnfreunde die Strecke zwischen Hollenstein und Gstadt aber nicht. Sie fordern weiterhin ein Aussetzen jeglicher Gleisabrissarbeiten, bis eine rechtsgültige Baugenehmigung für den Radweg vorliegt. Überdies glaubt man, dass die Übergaben der Bahn von der ÖBB an das Land NÖ und weiter an den Gemeindeverband Ybbstalradweg nicht EU-konform über die Bühne gegangen seien. Derzeit wird geprüft, ob hier gegen EU-Recht verstoßen wurde.